Was flüsterte Steuerkrieger Walter-Borjan dem Schweizer Botschafter? Steueraffäre: Geheimtreffen in Beiz

Sie vertreten entgegengesetzte Meinungen. Aber sie reden offen miteinander: Minister Walter-Borjans und Botschafter Guldimann.

  • Publiziert: 15.08.2012
  • Von Claudia Gnehm und Henry Habegger
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Finanzminister von Nordrhein-Westfalen und SPD-Politiker Norbert Walter-Borjans.

(WAZ FotoPool)
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Schweizer Botschafter Tim Guldimann.

(laif)

Gestern Nachmittag trafen sich der Schweizer Botschafter in Deutschland, Tim Guldimann, und der Finanzminister des Bundeslands Nordrhein-Westfalen, Norbert Walter-Borjans, in ­einer Kneipe in Düsseldorf (D), weiss BLICK. Dies auf Wunsch des SPD-Politikers, dem die unzähligen Journalisten vor seinem Ministerium zu viel waren.

«Das Treffen dauerte sicher mehr als eine Stunde», sagt der Informationschef des Aussendepartements, Jean-Marc Crevoisier. Thema war das Steuerabkommen zwischen den beiden Ländern. Inhaltlich äussert sich Crevoisier nicht. Beide Parteien hätten ihre Positionen dargelegt. Das Abkommen stehe, machte die Schweiz klar. Nachbesserungen gebe es keine.

Bemerkenswert ist der Zeitpunkt. Letzte Woche wurde der jüngste CD-Datenkauf des Bundeslands bekannt – die neuste CD mit gestohlenen Bankdaten soll Hinweise enthalten, dass die UBS deutschen Steuerpflichtigen hilft, Vermögen von der Schweiz nach Singapur zu transferieren. Walter-Borjans hat überdies bereits die nächste Daten-CD angekündigt.

Die Positionen, die sich die Kontrahenten in der Beiz dargelegt haben sollen, sind ausreichend bekannt. Auf der einen Seite ist die Schweiz, die nicht für eine Nachverhandlung des Abkommens zu haben ist. Auf der der anderen Seite will Walter-Borjans die CD-Käufe nicht stoppen – und das Steuerabkommen im deutschen Bundesrat scheitern lassen. Dort hat die Regierung Merkel keine Mehrheit. Zudem will er möglichst viele Selbstanzeigen von Steuerhinterziehern provozieren.

Nach der scharfen Rhetorik seines Parteichefs Sigmar Gabriel («organisiertes Verbrechen») der letzten Tage tönte Walter-Borjans’ Statement gestern Abend wohltemperiert: «Wir haben unsere durchaus gegensätzlichen Standpunkte in einem offenen und atmosphärisch guten Gespräch ausgetauscht, übrigens nicht zum ersten Mal.» Und: «Es ist immer gut, auch bei kontroversen Themen im Gespräch zu bleiben. Voraussetzung dafür ist aber, den Meinungsaustausch nicht auf dem offenen Markt auszutragen.» Walter-Borjans ist kein Polter, aber sehr hartnäckig.

Als Vertreter der Exekutive kann er offiziell keine Unterlagen der Steuerfahnder offenlegen und so Beweise über die angeblichen Misstaten der Schweizer Banken liefern. Botschafter Guldimann dürfte er gestern hinter geschlossenen Kneipentüren doch das eine oder andere dazu geflüstert haben.

«Jetzt auf den Tisch hauen»

Schweizer Politiker haben genug, nachdem deutsche Politiker den Schweizer Banken gar organisierte Kriminalität vorwarfen. Nationalrat Dominique de Buman (CVP/FR) forderte in der Zeitung «Le Matin» ein stärkeres Auftreten: «Wir müssen den Ton anheben, auf den Tisch hauen und notfalls den Botschafter in Berlin abziehen.» Für ihn ist in der Affäre «jegliche Ethik verloren gegangen».

Am Mittag folgte die SVP mit einem Communiqué. Die Partei fordert den Bundesrat dazu auf, aus Protest keine neuen Staatsverträge mit Deutschland mehr abzuschliessen. Aus­serdem sollen laufende Verfahren wie jenes über den Fluglärmstreit sistiert werden.

Beliebteste Kommentare

  • Al  Bracher , via Facebook
    Je länger je mehr scheint mir, dass die Schweiz sich vieles gefallen lässt, und kaum Reaktionen zeigt.
  • Juan  Garcia
    Ich wundere mich, dass der Bluff mit angeblich gekauften Daten-CDs noch immer zieht...
    • 15.08.2012
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Alle Kommentare (10)

  •   Heinz Knauser , z.Zeit in Thailand
    Ein fast Staatsähnlicher Akt.
    Besprechung in der Beiz, bei Bier und Schweinshaxe!
    War sicher lustig für unseren Diplomaten.
    • 16.08.2012
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  • August  Sommerhalder , Amriswil
    Grundsätzlich liegt die Ursache der möglichen CD-Käufe in Zuständigkeit der Banken, dies zu verunmöglichen wäre eigentlich die Aufgabe der noch vor Kurzem angebeteten Bänker. Herr Gabriel betitelt diese nun ala kriminelle Banden. Dass sich die Bänker nun auffallend ruhig verhalten und die noble Einstufung schweigend hinnehmen ist erstaunlich - oder fühlen sie sich vielleicht korrekt angesprochen?
    • 15.08.2012
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  • alexa  sommer , frauenfeld
    Na, habt ihr Deutschen bald euers Geld zusammen ?
    Ein Spruch sagt ja, "nur Sex Macht und Geld regiert die Welt".
  • Esther  Bosshart , via Facebook
    Ich bin mal gespannt, wie lange sich die Bundesräte das gefallen lassen.
    Bitten, betteln, hofieren und immer gebückt gehen, damit man ja nicht stolpert.
    Langsam wird es lächerlich........
    • 15.08.2012
    • 63
    • 4
  • andré  schaerer , lenzburg
    Ich frage mich schon lange, wieso der SPD Minister Walter-Borjans,der das Land NRW in diesen Schuldendreck führte, überhaupt noch in der Regierung ist. Schickt diesen bornierten Minister zum Teufel.
    • 15.08.2012
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    • 5
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