Immer neue Indiskretionen über sein Arbeitsverhältnis Spielt die Uni Zürich ein falsches Spiel mit Mörgeli?

SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli verliert diese Woche seinen Professorenjob an der Uni Zürich. Schreibt der «Sonntag». Die Uni dementiert. Wer lügt da?

  • Publiziert: 16.09.2012, Aktualisiert: 17.09.2012
  • Von Irène Harnischberg

Der Streit um den Job von SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli (52) als Professor und Konservator des Medizinhistorischen Museums eskaliert. Der «Sonntag» will aus sicherer Quelle erfahren haben, dass Mörgeli fristlos entlassen wird. Weil er seinen Vor­gesetzten öffentlich «Mobbing» vorgeworfen habe.

Vor einer Woche hatte der «Tages-Anzeiger» massive Vorwürfe gegen Mörgeli, den engen Freund von Christoph Blocher (71), aus einer internen «Leistungsbeurteilung» der Uni ver­öffentlicht. Tenor: schlechte Arbeit. Mörgeli reagierte mit der Forderung, die Uni müsse gegen seinen Chef ermitteln, Institutsleiter Prof. Flurin Condrau. Die Uni stellte sich hinter Condrau – dementierte gestern aber, dass der Rauswurf beschlossen sei.

Wer sagt da nicht die Wahrheit? Ist Mörgelis Schicksal als Titularprofessor (80 Prozent, 105 000 Franken Jahreslohn) längst besiegelt? Dann spielt die Uni ein falsches Spiel. Ist die «Sonntag»-Story falsch: Wer hat dann ein Interesse da­ran?

Darum geht es:

Kündigung: Im Moment wird Mörgelis fachliche Leistung beurteilt, das Verfahren ist gemäss Uni-Mediensprecher Beat Müller noch nicht ab­geschlossen: «Eine fristlose Entlassung gibt es nicht.» Diese Woche findet ein ­Gespräch statt mit Mörgeli und seinem Chef, Professor Condrau, sowie weiteren Personen. In einem akademischen Bericht wird festgehalten, das von Mörgeli verantwortete Museum sei veraltet, fehlerhaft und museologisch überholt. Die Ausstellungsgegenstände seien falsch aufbewahrt, verstaubt und bei Fliegen beliebt. Dass der Bericht durch Indiskretion an die Presse kam, interessiert die Uni offenbar nicht.

Maulkorb: Mörgeli darf sich nicht mehr öffentlich zum Bericht über seine Tätigkeit als Professor äussern, wie die «NZZ am Sonntag» schreibt. Zuvor hatte sich Mörgeli in üblicher SVP-Manier als Opfer von «Linken» dargestellt.

Ausschluss aus Fachverband: Mörgelis Berufskollegen wollen ihn aus der Schweizerischen Gesellschaft für Geschichte der Medizin und der ­Naturwissenschaften (SGGMN) ausschliessen, weil er in fachlichen Debatten nicht präsent und folglich kein aktives Mitglied sei, schreiben «NZZ am Sonntag» und «SonntagsZeitung».

Die SVP-Verteidigungslinie: Für den Zürcher Kantonalpräsidenten Alfred Heer (50) sind die Vorwürfe gegen Mörgeli eine «Schlammschlacht». Heer zum BLICK: «Es ist nichts als eine ­politische Abrechnung!»

Die Zürcher CVP-Nationalrätin und Universitätsrätin Kathy Riklin (49) äussert sich distanziert: «Der Staat ist nicht verpflichtet, Herrn Mörgeli lebenslänglich anzustellen. Er muss seine Leistung erbringen, wie andere Angestellte auch.»

Für den Freiburger SP-Nationalrat Jean-François Steiert (51, sitzt mit Mörgeli in der Wissenschafts- und Bildungskommis­sion) ist klar: «Wir als Parlamentarier müssen nicht nur das Gesetz respektieren, sondern uns auch beispielhaft benehmen.» Der Aargauer Nationalrat Geri Müller (51, Grüne) will den Fall nicht politisch bewerten: «Es ist ein internes Problem der Universität Zürich.»

Mörgeli gestern zum BLICK: «Ich kann aus personalrecht­lichen Gründen nichts sagen.»

Wären Sie froh, wenn Christoph Mörgeli aus der Politik verschwände?»

Beliebteste Kommentare

  • reinhard  hertig , gibswil
    egal um welche person es geht. ein arbeitgeber hat nie das recht, indiskretionen öffentlich zu machen. aber, hier scheint es eben eine strategie zu geben.
  • Fred  Bartlome
    Ob man/frau Moergeli mag oder nicht - den Gedanken wird man nicht los, dass hier ein hinterhaeltiges Spiel getrieben wird, um diesen Mann politisch und persoenlich zu erledigen.

Alle Kommentare (57)

  • Adrian  Ochsner , Winterthur , via Facebook
    Man muss Herr Mörgeli nicht mögen. Er spielt sicher oft "direkt auf Mann". Aber immer mit offenem Visier. Er steht hin und kämpft mit seinem Namen für seine Überzeugung. Und dafür muss er auch sehr viel einstecken. Auch wer nicht seiner Meinung ist, kann nicht ernsthaft behaupten, er würde sich - anders als einige seiner politischen Gegner - hinter den Institutionen verstecken oder sein Fähnchen nach dem Wind richten.

    Der Tagesanzeiger hat in einem der ersten Artikel in dieser Kampagne eine entlarvend ehrliche Formulierung verwendet. Gegen eine Leistungsbeurteilung kann nichts eingewendet werden, solange sie fair bleibt. im Artikel heisst es aber wörtlich, "...die ausserordentliche Leistungsbeurteilung sei GEGEN den Konservator des Medizinhistorischen Museums eingeleitet worden..."
    Diese Formulierung ist zumindest ungeschickt und lässt vermuten, der Tagi lasse sich instrumentalisieren und schliesse sich einer Vorverurteilung an. Der Freudsche Versprecher ist ein deutlicher Hinweis auf das zu erwartende Resultat.

    Erstaunlich auch, dass man Herr Mörgeli offenbar das Recht abspricht, für die Ausübung eines öffentlichen Amtes entsprechend Zeit in Anspruch zu nehmen. Soviel mir in Erinnerung geblieben ist vom Staatskunde-Unterricht, darf jeder, der in ein öffentliches Amt gewählt wird, dafür ein Teil seiner Arbeitszeit aufwenden. Dass muss auch für unbequeme Politiker gelten, deren Meinung einem nicht genehm ist.

    • 17.09.2012
    • 38
    • 6
  • Ewald  Rindlisbacher , Grayland
    Ist ganz klar politisch. Die meisten Unis stehen eher links und Moergeli ist halt SVP, solange er das Maul haelt ist es OK, aber wehe wenn ein Rechter mal was sagt. Die Linken koennen jeden Quatsch erzaehlten ohne Maulverbot zu bekommen. Das ist die Toleranz der Linken. Jede Stimme underdruecken die nicht ins Linke Lager passt.
  • Gabi  Weibel , via Facebook
    Schon lustig wie viele Herrn Mörgeli verteidigen. Es sind zum Teil die selben die hier schon gegen faule Beamten, Abzocker und Schmarotzer gewetert haben.
  • Reto  Cantieni
    Ich verstehe die ganze Aufregung nicht.
    Nach den Scheininvaliden sind jetzt die Scheinprofessoren dran.
    Das müsste die SVP doch freuen?
  • Madeleine  Brönnimann , Basel , via Facebook
    Herr Mörgeli muss bleiben. Es ist ja leider selten genug, dass eine Person die Wahrheit spricht auch wenn es nicht jederman passt. Manchmal muss man eben "deutlich" sprechen damit es ALLE verstehen!!!!
    •  
      aber nicht ein typ dessen elternhaus und die erziehung hinterfragt werden muss.
      mörgeli ist einfach eine unanständige person. muss ihnen
      zugestehen dass er genau in diese partei passt. alle andern
      hätten ihn schon längst in die wüste geschickt.. ich bin parteilos aber allergisch auf ungehobelte freche leute.
      • 17.09.2012
      • als Kommentar auf Madeleine  Brönnimann , Basel
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