Sparen auf Kosten der Sicherheit? Bergführer bald ohne kantonales Gütesiegel

BERN - Das Gesetz, das die Qualität der Anbieter von Risikoaktivitäten garantiert, soll abgeschafft werden. Aus Kostengründen. Die Anbieter wehren sich und sprechen von Sicherheitsrisiken.

Gut gesichert: Unter dem wachsamen Auge eines Bergführers gehts ins Eis. play
Auch Bergführer fürs Eisklettern brauchen bald keine kantonale Bewilligung mehr, wenn das Risikoaktivitätengesetz weggespart wird.

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Der Bund will sparen. Das macht er im Rahmen des Stabilisierungsprogramms 2017–2019. Auf der Abschussliste steht auch das Risikoaktivitätengesetz (RiskG). Laut diesem müssen kommerzielle Anbieter von Bergführungen, Bungee-Jumping, Canyoning und anderen Abenteuersportarten eine kantonale Bewilligung einholen.

Das ist ihnen aber nur möglich, wenn sie über entsprechende Ausbildungszertifikate und eine Haftpflichtversicherung verfügen.

Das sei laut Bund nicht mehr nötig. Die Branche habe schon vor diesem Gesetz für sichere Zustände gesorgt, das Gesetz biete also keinen Mehrwert, begründete das Bundesamt für Sport die Idee letzten Dezember.

Marco Mehli, der Präsident des Schweizer Bergführerverbands, ist überhaupt nicht einverstanden: «So gefährdet man die Sicherheit der Kunden.» Das Gesetz garantiere den hohen Ausbildungsstand und die laufende Fortbildung aller Bergführer in der Schweiz.

«Die Einsparungen stehen in keinem Verhältnis zum Rückschritt der Sicherheit im Risikosport», sagt Mehli.

Das Gesetz hat noch Chancen

In der Wintersession soll darüber abgestimmt werden, ob das RiskG weiterhin bestehen soll oder nicht. Mehli ist optimistisch, dass sich das Parlament einsichtig zeigen wird: «Den Parlamentariern war wahrscheinlich bisher nicht bewusst, wie wichtig das Gesetz für uns ist. Darum wurde die Abschaffung in den Räten bis jetzt einfach durchgewunken.» 

Eingeführt wurde das Gesetz 2014, 15 Jahre nach dem tragischen Unfall im Saxetbach in der Gemeinde Wilderswil im Berner Oberland, wo 21 Menschen bei einem Canyoning-Unfall ihr Leben verloren.

Publiziert am 14.11.2016 | Aktualisiert am 28.11.2016
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  • Rolf  Gruber 15.11.2016
    Die Katastrophe am Saxetbach wäre nicht geschehen wenn es damals schon ein entsprechendes Gesetz gegeben hätte. Denn vor Gericht konnten sich die VERANTWORTLICHEN mit der Ausrede aus der Sache ziehen, dass Sie nicht gewusst hätten dass nach einem Gewitter im Saxettal mit einem Hochwasser gerechnet werden muss. Heute wird dank diesem Gesetz eine entsprechende Ausbildung verlangt. Damals konnte sich jeder Tr.... Canyoning-Guide nennen.
  • Michael  Meienhofer aus Ostermundigen
    15.11.2016
    ....da wäre es doch einfacher, dem Kunden vor dem Event noch eine Lebensversicherung anzudrehen - dann braucht sich niemand mehr um das Kleingeschriebene zu kümmern.....
  • grichting  reto aus pany
    15.11.2016
    Mit Sicherheit hat das Ganze wenig zu tun, wie die gravierenden Unfälle mit Bergführern und bei SAC Sektionen in den letzten Jahren gezeigt haben. Dieses Gesetz wird wenig daran ändern, dass Unfälle passieren. Das liegt in der Sache der Natur. Es sind berufsstrategische Überlegungen des Bergführerverbandes die zu diesem Gesetz geführt haben. Dieser möchte natürlich seine marktbeherrschende Stellung im Outdoor Bereich durchzusetzen.
  • Ruedi  Stricker , via Facebook 15.11.2016
    21 Hennen geraten unter den Lastwagen, die Oberhennen machen gleichentags ein Gesetz dagegen, am Monatsende merken sie, dass keine Hennen mehr überfahren wurden und schaffen das Gesetz deshalb wieder ab. So funktioniert Politik.
  • Marco  Curti 15.11.2016
    Das Argument , Sicherheit und Qualität könnten unter einer Abschaffung des RisG leiden, ist nicht total falsch. Das Hauptmotiv der Bergführerdürfte jedoch die Sicherung eines Monopol im Outdoor-Bereich sein. Ich selber bin Wander- und Schneeschuhtourenleiter. Trotz fundierter Ausbildung und langjähriger Erfahrung darf ich keine T4-Wanderungen auf weiss-blau-weiss Routen führen. Mit Schneeschuhen sind für mich WT3- Touren tabu, erlaubt nur, wenn ich eine zusätzliche teure Ausbildung absolviere.