SP-Pardini nach dem Alstom-Schock «Den Bund trifft eine Verantwortung für dieses Desaster!»

Nationalrat und Gewerkschafter Corrado Pardini fordert nach dem Alstom-Schock ein Bekenntnis zur Industrie. Für ihn droht eine «Monacoisierung» der Schweiz.

Schwerer Gang: Alstom-Angestellte auf dem Weg zur Mitarbeiter-Info in Baden. play

Schwerer Gang: Alstom-Angestellte auf dem Weg zur Mitarbeiter-Info in Baden.

Siggi Bucher

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Will fürs Bundeshaus einheimisches Handwerk: Corrado Pardini (SP/BE). play
«Hummler und Grübel träumen von einer Schweiz à la Monaco. Sie kommen diesem Ziel immer näher.» Keystone

Die Alstom streicht 1300 Stellen in der Schweiz. Was sagen Sie dazu?
Diese Nachricht zeigt mir drei Dinge. Erstens hat der Alstom-Besitzer General Electric (GE) alle angelogen – angefangen bei Bundesrat Johann Schneider-Ammann. Zweitens trifft auch den Bund eine Verantwortung für dieses Desaster, weil er es versäumt hat, eine Industriepolitik zu machen, die diesen Namen verdient. Drittens befindet sich die Schweiz in einer Deindustrialisierungswelle. Viele Leute aus dem Finanzsektor, etwa Konrad Hummler und Oswald Grübel, träumen von einer Schweiz à la Monaco. Von einer Dienstleistungs-Oase ohne Industrie. Sie kommen diesem Ziel immer näher. Wenn die Politik jetzt nicht entschlossen eingreift, ist es vorbei mit dem gesunden Industriestaat Schweiz.

Wie müsste die Politik denn eingreifen?
Es braucht ein Bekenntnis zum Industriestaat. Links und rechts müssen sich darauf verpflichten lassen, dass 20 Prozent der Wertschöpfung in der Industrie stattfinden sollen, dass die Nationalbank der Schweiz nützen muss und nicht schaden darf, und dass wir Arbeitsplätze und Arbeitsbedingungen im Inland schützen müssen. Jetzt müssen der Kanton Aargau und Bundesrat Schneider-Ammann alles daran setzen, um für die 1300 Betroffenen eine Perspektive zu entwickeln. 

Glauben Sie, der Alstom-Paukenschlag macht eine interventionistischere Wirtschaftspolitik mehrheitsfähig?
Ich bin überzeugt, dass die Stimmung kippt. Vor sechs Monaten wurde ich im BLICK noch als Scharlatan bezeichnet, weil man glaubte, meine Warnungen vor dem Frankenschock seien übertrieben gewesen. Heute ist klar: Was zwischenzeitlich als «Schöckli» bezeichnet wurde, ist tatsächlich ein Schock. Es werden noch weitere Massenentlassungen folgen. Ganz bestimmt.

Sie haben den Schutz der Arbeitsplätze und Arbeitsbedingungen angesprochen. Derzeit diskutiert eine Arbeitsgruppe von Bundesrat Schneider-Ammann über die Weiterentwicklung der Flankierenden Massnahmen. Was erwarten Sie von dieser Runde?
Der Direktor für Arbeit Boris Zürcher, der diese Gruppe leitet, hat es jetzt in der Hand. Die Schweiz ist historisch betrachtet immer dann stark, wenn wir eine offene Wirtschaft haben, aber innenpolitisch die Löhne schützen. Das müssen wir jetzt energisch tun.

Rechte wehren sich dagegen. Sie sagen, dadurch würde der Standort geschwächt.
Es ist Zeit, dass diese Hardliner ihren rein ideologisch begründeten Widerstand aufgeben. Wenn wir die Rahmenbedingungen für die Industrie nicht ändern, dann sehe ich schwarz für die Schweiz.

Trägt Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann eine Mitschuld daran, dass die Alstom-Stellen gestrichen werden?
Von Schneider-Ammann hätte ich erwartet, dass er von General Electric verbindlichere Zusagen verlangt und sich nicht einfach mit schönen Worten abspeisen lässt. Nun muss der Wirtschaftsminister seinen Worten endlich Taten folgen lassen. Er muss den Druck auf Arbeitgeber-Boss Valentin Vogt und seine Kreise erhöhen, damit auch sie sich ganz pragmatisch zu den Arbeitsbedingungen in der Schweiz bekennen. Tun sie das nicht, wird es schwierig für die Leute, die heute noch in der Industrie arbeiten.

Publiziert am 14.01.2016 | Aktualisiert am 21.01.2016
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Alstom streicht 1300 Arbeitsplätze Das sagt die Gewerkschaft

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71 Kommentare
  • Paul  Jud aus Stühlingen
    14.01.2016
    Peinlich, das Gejammer über verlorene Arbeitsplätze. Kapiert es endlich: Die Arbeitsplätze gehen nicht verloren, sie sind nur anderswo. Sie wandern aus! Entweder wandern wir mit, oder wir bleiben hier und machen etwas anderes. Im Zeitalter des globalisierten Kapitalismus dem "Industriestandort Schweiz" nachzutrauern, ist reine Zeitverschwendung!
  • heinrich  berger aus zürich
    14.01.2016
    das Wort Industriepolitik hat wohl noch kein BR verstanden, darum wurden alle Versprechungen blauäugig geglaubt. Bei jedem Bünzli heisst es bei Streitigkeiten: haben Sie das schriftlich? Herr Ammann plaudert viel, das alleine nützt aber eben nichts. Selbst Leute aus der Industrie haben erkannt, dass die Damen/Herren nur reden, aber vom geredeten nichts verstehen, deshalb liessen sie sich nicht in die Politik ein
  • Fridolin  Glarner-Walker aus Genf
    14.01.2016
    Lieber Genosse Pardini, ihre Aussage ist ein Widerspruch. "Die Schweiz ist dann stark, wenn wir eine offene Wirtschaft haben, aber innenpolitisch die Löhne schützen" Ich bin wie Sie, für soziale Gerechtigkeit, doch wie wollen Sie in einer freien Marktwirtschaft, wo Angebot und Nachfrage den Preis bestimmt, die Löhne schützen? Wie wollen Sie verhindern, dass dann Arbeitsplätze ins Ausland verlagert werden wo die Löhne tiefer sind? Da würde nur eines helfen, dass der CHF radikal abgewertet würde.
  • Juerg  Suter 14.01.2016
    Ein Bekenntnis für die Industrie? Nationalbank schadet der Schweiz? Herr Pardini lebt scheinbar im Elfenbeinturm und hat keine Ahnung wie es im globalen Haifischbecken zu und her geht. Sozialistische Ideen helfen der Schweiz nicht. Und die Forderungen der Unia sind für die globalen Bosse ein rotes Tuch und Booster um noch mehr Menschen zu entlassen.
  • Willy  Steiner aus Safenwil
    14.01.2016
    Habe am Morgen ein Kommentar geschrieben leider wurde er nicht abgedruckt. Diese SP und UNIA Leute sollen zuerst einmal arbeiten oder noch besser eine Firme gründen und endlich Stellen schaffen. Da sie ja alles besser wissen und können sollte es kein Problem sein.
    Arbeitnehmer finden sie sicher bei ihre Mitgliedern die ja nicht wenig
    Beiträge zahlen müssen. Nur immer gegen die SVP wettern bringt nichts machen sie es besser. Aber sie haben ja kein Mut es ist einfacher von den anderen zu Leben.
    • Fridli  Rene aus Rotkreuz
      14.01.2016
      Wir können es ja jetzt sehen in den nächsten 4 Jahren, wieviel besser es die SVP macht. Aber das hat eigentlich nichts mit Politik zu tun, der Wegzug der Alstom. Sie haben gute Zahlen, arbeiten mit Gewinn! Das ist reine Profitgier der Shareholders und egal wer bei uns an der Macht ist, sie wären trotzdem weggezogen.