SP-Nationalrätin Min Li Marti kontert Gölä «Lieber Gölä, hören Sie mit dem Büezer-Märchen auf»

Göläs Wut-Interview im letzten SonntagsBlick machte schweizweit Schlagzeilen. Jetzt kontert SP-Nationalrätin Min Li Marti (42). Sie erklärt, warum Büezer in ihrer Partei besser aufgehoben sind als bei SVP und FDP.

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«Sie haben sich letzte Woche beklagt: ‹Die Schweiz ist zu links.› SVP und FDP würden besser zum arbeitenden Volk schauen als die Linken. Weil das sowieso nur ‹Studierte›, Philosophen und Pädagogen seien. Und das just an einem Abstimmungssonntag, als das Volk die ‹AHVplus-Initiative› ablehnte, die eben diesem arbeitenden Volk mehr Rente gebracht hätte. Letzte Woche haben die Büezer-Vertreter von FDP und SVP im Nationalrat für ein höheres Rentenalter gestimmt. Für eine Kürzung der Renten bei den Witwen und Waisen. Für eine Aufblähung der zweiten Säule und eine gezielte Unterfinanzierung der AHV. Das schadet besonders den kleinen Einkommen. Dieselben haben eine Woche zuvor dafür gestimmt, dass Steuerhinterzieher nicht nur straffrei ausgehen, sondern zur Belohnung noch ­einen Rabatt erhalten sollen. Vielleicht mögen Sie sich noch an den Hilfsarbeiter von Dürnten erinnern, der mit seiner Steuererklärung überfordert war und sie darum nicht ausgefüllt hat? Seine Steuerrechnung wurde immer grösser, bis er sie nicht mehr zahlen konnte. Ein Vorstoss von SP-Nationalrätin Jacqueline Badran wollte solchen Leuten helfen. Bei FDP und SVP fand das kein Gehör. Wer also absichtlich bescheisst, kriegt eine Belohnung. Wer nichts dafür kann, wird bestraft.

Es waren SP und Gewerkschaften, die die flankierenden Massnahmen erstritten haben. Die dafür sorgen, dass – gerade auf dem Bau – Schweizer Löhne und Arbeitsbedingungen gelten und nicht flächendeckend durch ausländische Unternehmen gedrückt werden können. Es waren SP und Gewerkschaften, die sich für ein tieferes Rentenalter der Bauarbeiter eingesetzt haben, weil auf dem Bau einfach irgendwann der Körper nicht mehr mitmacht. Im Übrigen, lieber Gölä – Studierte mögen doof sein, aber etwas studieren vor dem Behaupten schadet nicht: Die FDP hat sich an vorderster Front für die von Ihnen kritisierte Umsetzung der Masseneinwanderungs-Initiative eingesetzt.

Natürlich: Ich bin eine Studierte und eine Städterin. Ein wandelndes linkes Klischee. Aber ich bin wenigstens ehrlich. Nur weil ich mal in der Fabrik gearbeitet habe, bin ich noch lange keine Büezerin. So wie Sie ebenfalls kein Büezer mehr sind. Wir sind uns einig: Büezer verdienen Respekt. Das sagen Sie selber in Ihrem Lied ‹Büezer›: ‹Mit Büro u so, hani nüt am Huet u drum isch es guet, gits di. Wöu du nid chasch schufle u pickle muesch du säge, guet gits mi ...› Heute regen Sie sich über ‹Penner vor dem Denner› auf. Ihr Leben hätte aber auch anders verlaufen können – wenn Sie zum Beispiel mit Ihrer Musik keinen Erfolg gehabt oder irgendwann auf dem Bau einen Unfall erlitten hätten. Bei ihrer Abneigung gegen Büros und Bildung wären Sie vielleicht auch mit einem Bier vor dem Denner gelandet. Jetzt haben Sie Erfolg, den ich Ihnen von Herzen gönnen mag. Und vielleicht wählen Sie auch darum bürgerlich. Dürfen Sie gerne tun. Hören Sie einfach auf mit dem Märchen, dass es gut für die Büezer sei, wenn man auf den Schwächsten rumhackt.»

Herzliche Grüsse

Min Li Marti

PS. Che Guevara lässt ausrichten, er sei ein Kommunist und habe sich soeben im Grab umgedreht.

Publiziert am 02.10.2016 | Aktualisiert am 16.10.2016
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150 Kommentare
  • Pippo  Fair aus St.Gallen
    15.10.2016
    Endich einer der Mut hat und die Sachen beim Namen nennt. Die Reaktion von Frau Marti ist daneben. Hoffe, dass sich Che Guevara nicht wegen ihr umdreht. Diese Äusserung zeigt die Arroganz der Dame deutlich auf... oder hat sie wirkich übersinnliche Kräfte? Wohl kaum :-)
  • Lorenz  Hügli 15.10.2016
    1."Göla hat alles richtig gesagt wir können das Unterschreiben."
    2."Die Volksvertreter sollten für das Volk Politik machen und nicht für die Ausländer, EU, Parteien und sonstige."
    Zwei Zitate aus einem Kommentar von Roman Meyer aus Aarau, die auf grosse Zustimmung stossen.

    Wie ist das nur möglich? Die klare Mehrheit der Volksvertreter sind doch rechts und machen somit die Politik für Ausländer, EU, Parteien und sonstige (und gegen das Volk).
    Aber "die Linken" sind an allem Schuld.
  • Daniel  Fischer 03.10.2016
    Die Schweiz ist nicht links regiert! Der Nationalrat besteht aus 200 Sitzen. Davon sind gemäss www.parlament.ch 68 SVP, 33 FDP, 7 BDP.
    Das sind 108 Sitze, die man eindeutig rechts zuweisen kann, was bereits eine Mehrheit darstellt. Wenn man die CVP noch zu 50 Prozent (von 30 Sitzen) dazurechnet, was meiner Ansicht realistisch annehmen darf, macht das 123 Sitze. Hört auf, die Regierung zu beschimpfen. Sie ist vom Volk gewählt. Vom ganzen Volk! Von Allen! Das VOLK sind nicht nur die SVP-Wähler...!
  • Ueli  Sommaruga aus Cebu City
    02.10.2016
    Hoert doch endlich mit dem links-rechts Theater auf... sind doch alles die gleichen Abzocker
  • Jürg  Handschin , via Facebook 02.10.2016
    Gölä ist kein Buezer. Höchstens ein Salon-büezer. Die Schweiz zu links - ich lache ob dem von den "Bürgerlichen" verarschten Volch - von der svp noch in den Abgrund geführt. Der Milliardär und abgew. ex-BR, Dr. iur. Blocher braucht die Mitläufer-Buezer nur für seine Interessen. Klar? $ Eben !