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Das Politpaar Balthasar Glättli und Min Li Marti: Gewinnen nächstes Jahr seine Grünen oder ihre Sozialdemokraten? (ZVG / Bildmontage Blick.ch)
Gestern gab die SP bekannt, dass ein Zürcher Frauenduo die Partei bei den Nationalratswahlen im übernächsten Herbst vor einem Debakel bewahren soll: Andrea Sprecher (35) und Min Li Marti (36) übernehmen die Leitung der Kampagne.
Brisant daran ist, dass Marti mit dem Grünen Balthasar Glättli liiert ist – einem direkten Konkurrenten um die Zürcher Nationalratsmandate. Bei den Wahlen 2007 holten sich die Grünen einen vierten Sitz auf Kosten der SP, bei der gleich drei Nationalrätinnen über die Klinge springen mussten. Und auch 2011 dürfte es ein rot-grünes Gerangel um die Plätze im Bundeshaus geben.
«Natürlich nähmen wir Sitz auf Kosten der Grünen»
Wie geht Min Li Marti damit um, dass sie ihrem Freund den Weg in den Nationalrat verbauen muss, um ihren Job erfolgreich zu machen? «Die kantonalen Wahlen in Bern und Zürich haben gezeigt, dass die Grünen nicht mehr unbedingt auf unsere Kosten gewinnen», zeigt sie sich im Gespräch mit Blick.ch gelassen.
«Und natürlich würde ich auch einen SP-Sitzgewinn auf Kosten der Grünen dankend annehmen.» Bei Balthasar Glättli sei es umgekehrt bestimmt auch so. Die Chefin der SP-Fraktion im Zürcher Gemeinderat sagt, sie und ihr Freund seien sich politische Konkurrenzsituationen gewohnt.
Glättli glaubt nicht an Wahlchance
Den Einzug in das Zürcher Stadtparlament haben beide geschafft. Anders sehe es wohl beim Nationalrat aus, zeigt sich Glättli pessimistisch. Es sei schon ein ehrgeiziges Ziel für die Grünen, die vier Sitze zu verteidigen, ein fünfter Sitz liege kaum drin.
Einen der Bisherigen wird er kaum verdrängen können, zumal er es nicht nach weit oben auf der grünen Wahlliste schaffen dürfte: Drei der vier bisherigen Nationalräte kommen wie er aus der Stadt Zürich – und die Grünen vom Land werden darauf pochen, eigene Vertreter aus vorteilhaften Startplätzen ins Rennen zu schicken.
Bisher gabs keinen Beziehungszoff
Angst, dass der Haussegen wegen des Wahlkampfs bald schief hängen könnte, hat er nicht: Seine Freundin und er hätten die politischen Konflikte schon hinter sich: Sie seien ja beide eng in den Gemeinderatswahlkampf involviert gewesen, bei dem Grüne und SP gegeneinander antraten. «Wenn schon, hätte es damals krachen müssen – aber das ist nicht passiert», sagt Glättli.
Dennoch: «Wenn man wie die Grünen und die SP im selben Teich fischt, kann es schon vorkommen, dass man mit härteren Bandagen kämpft», weiss der Grüne. Strategisch wäre es aber ein grosser Fehler, wenn sie sich innerhalb der Linken zerreiben würden: «Im Zentrum muss der Kampf gegen die SVP-Politik und die Entzauberung der Grünliberalen stehen.»