SP-Chef Christian Levrat zum Wahlerfolg seiner Partei Vom Aargau lernen, heisst siegen lernen

Die SP hat die kantonalen Wahlen im Aargau und in Basel-Stadt gewonnen. SP-Präsident Christian Levrat (46) sieht das Resultat als «nötiges Korrektiv zum Rechtsrutsch im letzten Jahr», wie er im BLICK-Interview sagt.

Kantons-Wahlen: SP-Chef Christian Levrat zum Wahlerfolg seiner Partei play
SP-Präsident Christian Levrat: «Die Hetze der SVP greift nicht. Die Leute sind klüger, als die SVP annimmt.» Peter Gerber

Aktuell auf Blick.ch

Top 3

1 Alt Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf distanziert sich von ihrer...
2 Deutlicher Rückgang Nur noch 4200 auf der Ausschaffungs-Warteliste
3 Frisch verliebt! Irena fühlt SVP-Hess auf den Zahn

Politik

Immer informiert - Abonnieren Sie den Blick-Newsletter!
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Schön, dass wir Ihnen unsere BLICK News des Tages senden dürfen. Möchten Sie zusätzlich den BLICK Sport Newsletter erhalten?
teilen
teilen
0 shares
15 Kommentare
Fehler
Melden

Herr Levrat, die SP ist Wahlsiegerin. Ein ungewohntes Bild.
Christian Levrat:
Es ist ein erster Schritt in die richtige Richtung und ein nötiges Korrektiv zum Rechtsrutsch im letzten Jahr. Die rechte Mehrheit im Bundeshaus sorgt für höhere Ausgaben für Armee, Landwirtschaft und Strassenbau, kürzt bei Bildung und Entwicklungshilfe und plant ein Rentenmassaker. Das Wahlresultat ist eine erste Quittung für die rechte Politik.

Hat die nationale Politik eine derartige Wirkung?
Es ist immer eine Mischung aus kantonalen und nationalen Themen. Im Aargau spielten sicher auch die Sparprogramme der Bürgerlichen eine Rolle. Und die SP hat einen sackstarken Wahlkampf geführt.

Mit SP-Nationalrat Cédric Wermuth als Aargauer Co-Kantonalpräsident. Was also können Sie von Wermuth lernen?
Dass wir den eingeschlagenen Weg fortführen müssen. Es braucht eine starke Basiskampagne mit systematischem Kontakt zu den Wählern und mehr Präsenz auf der Strasse.

Der Aargauer Ständerat Philipp Müller hatte als FDP-Chef die SP als zweitstärkste nationale Kraft ablösen wollen – erfolglos. Jetzt hat die SP im Aargau die FDP abgehängt. Schadenfreude?
Schadenfreude wäre zu viel gesagt. Ich habe Müllers Kampfansage schon immer als Witz verstanden.

Was Ihnen aber nicht passen kann: Verloren hat die Mitte, Ihr wichtigster Bündnispartner im Bürgerblock.
Das sind selbstverschuldete Verluste. Der neue Rechtskurs von CVP-Präsident Gerhard Pfister wird hart bestraft. In Basel ist die CVP eine Wahlallianz mit der SVP eingegangen, das wurde nicht belohnt, sondern kostet Stimmen. Die Pfister-CVP wird als Juniorpartnerin der SVP wahrgenommen.

Vielleicht hat die CVP ja die Quittung dafür erhalten, dass sie bei der Rentenreform mit der SP gemeinsame Sache macht.
Dann hätte aber die Rechte zulegen müssen, nicht die SP. Der Mitte ist die sozial eingestellte Wählerschaft weggebrochen. Ich hoffe, dass die CVP ihren SVP-Schmusekurs überdenkt.

In zwei Wochen folgt die nächste Nagelprobe bei den kantonalen Wahlen in Freiburg. Bleibt der gestrige SP-Erfolg bloss ein Strohfeuer?
Nein, die SP ist solid unterwegs. In Freiburg wird es aber kein Spaziergang. Wie in Basel marschieren SVP, FDP und CVP geeint, um der Linken einen Sitz in der Regierung abzujagen. Wie in Basel stehen wir einer bürgerlichen Boygroup gegenüber. Mathematisch haben sie zwar eine Übermacht von über 70 Prozent, ich bin aber optimistisch, dass die Wählerschaft die rechten Machtspiele nicht goutiert. Wir werden unsere drei Sitze verteidigen.

Was auffällt: Die SVP konnte von der laschen nationalrätlichen Umsetzung der Masseneinwanderungs-Initiative nicht profitieren. Überrascht Sie das?
Nein. Die Bevölkerung weiss, dass wir die Initiative nicht wortwörtlich umsetzen können. Der Preis dafür wäre die Aufgabe der Bilateralen – und dieser Preis ist dem Volk zu hoch.

Sehen Sie den Inländervorrang light damit als vom Volk bestätigt an?
Ich sehe es vielmehr als Bestätigung dafür, dass die Hetze der SVP nicht greift. Die Leute sind klüger, als die SVP annimmt. Sie wissen, dass wir das Maximum herauszuholen versuchen, um die Zuwanderung eigenständig zu steuern, ohne die Bilateralen zu gefährden.

Was liegt noch drin?
Es braucht sicher noch eine weitere Verschärfung. Die Schweizer Arbeitsplätze müssen wirksamer geschützt werden. Es reicht nicht, dass ein Arbeitgeber begründen muss, warum er keinen Inländer anstellt. Da bleiben wir auf dem halben Weg stehen. Wir müssen dafür sorgen, dass ein Arbeitgeber begründen muss, warum er einen Angestellten entlassen will – insbesondere bei langjährigen und älteren Angestellten.

Der nächste linke Härtetest an der Urne kommt mit der Abstimmung über die Unternehmenssteuer-Reform III im Februar. Da stehen Sie wieder einer bürgerlichen Front gegenüber. Das linke Referendum dürfte scheitern.
Da bin ich mir nicht so sicher. Grossunternehmen und reiche Aktionäre erhalten ein 3 Milliarden Franken schweres Steuergeschenk. Dazu gibt es neue Privilegien, deren Auswirkungen unklar sind und die ausser ein paar Steuerberatern niemand durchschaut. Die Zeche bezahlt der Mittelstand – entweder durch massiven Leistungsabbau oder durch Steuererhöhungen.

Ihre Alternative?
Wir fordern eine Reform, die keine Milliardenausfälle bringt und von der Wirtschaft selbst gegenfinanziert wird. Das begreift auch die Bevölkerung.

Publiziert am 24.10.2016 | Aktualisiert am 25.10.2016
teilen
teilen
0 shares
15 Kommentare
Fehler
Melden

15 Kommentare
  • Juerg  Maier 25.10.2016
    Einerseits muss man anerkennen, dass die SP Stimmen gewonnen hat und somit quasi die Siegerpartei ist, andererseits wäre es angebracht, auch die Situation objektiver zu betrachten. Der Grossteil des Stimmenzuwachses ist nicht zwingend auf die "harte" Arbeit und genialen Einfälle zurückzuführen, sondern auf die Spardebatte in der Bildung in den letzten Monaten, welche diverse Schichten und Altersgruppen anspricht. Ohne diese Debatte wäre der Zuwachs evtl. bei 1-1.5 Prozent.
  • Klaus  Müller 25.10.2016
    Auch wenn die SP so tut als ob, sie ist längst nicht mehr die Partei der kleinen Leute. Richtig, die SVP macht Fehler und schielt oft zu sehr auf Kosteneinsparungen. Aber das Thema der Zukunft ist die Globalisierung und damit die Abschaffung nationaler Demokratie, weil 1 Wählerstimmer weltweit nichts zählt. Das ist das Top-Thema und da spüren die Leute, dass die SP sie verrät.
  • Dritan  Ludwig aus Tallahassee
    24.10.2016
    Das ist eine wichtige und notige erfolg nicht nur fur die SP aber fur die ganze Demokratie in der Schweiz.Leute, sie mussen verstehen, SVP und andere Parteien wo in dasselbe Koalition sind ,sorgen fur HohereAusgaben an die Arme,Strassenbauen, Landwirtschaft und so fort aber gleichzeitig sie wollen massiv Steuersenkungen an Reichen und Gross Unternehmen . Gleichzeitig die SVP klagt dass der Bund hat keine Geld um Renten zum bezahlen. Was fur eine Politik ist das ?
  • Meyer  Roman aus Aarau
    24.10.2016
    Das ist doch Egal.

    Ob Links - Rechts oder die Mitte.

    Wenn die Wahlen vorbei sind, legen die Politiker ihr Vorsätze/Versprechen ab.

    Sie machen was Sie wollen.

    Die Wahlbeteiligung war 38 Prozent im Aargau, BS war noch tiefer.

    Die Politiker werden sich bald selber Wählen, wenn das so weitergeht.







  • Koni  Kadir , via Facebook 24.10.2016
    Schlussendlich muss in einer Demokratie jeder einmal siegen können, damit die Schweizer Demokratie auch die älteste der Welt bleiben kann. Viel gefährlicher wäre es, würden einzelne Kantone den Französischunterricht abschaffen, um damit die Demokratie wirklich zu gefährden. Siehe Belgien, die sind daran, sich selbst abzuschaffen.