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Das war die Situation der SP vor dem Entscheid heute Nachmittag:
Vier Kandidatinnen stehen bei der SP zur Auswahl: die Bernerin Simonetta Sommaruga, die Zürcherin Jacqueline Fehr, die St. Gallerin Hilde Fässler und die Baslerin Eva Herzog. Es dürfte aber an ein Wunder grenzen, sollte es die Basler Regierungsrätin auf ein Ticket schaffen.
Herzog hat den Nachteil, dass in der Fraktion selber ausgewiesene Kandidatinnen zur Verfügung stehen. Dass man Herzog in Bern kaum kennt und sie deshalb chancenlos ist, stimmt so nicht: Micheline Calmy-Rey war wie Herzog Regierungsrätin, schaffte aber trotzdem den Sprung in den Bundesrat.
Wird Sommaruga abgestraft?
Die eigentliche Ausmarchung findet also zwischen Ständerätin Simonetta Sommaruga (BE) und den Nationalrätinnen Jacqueline Fehr (ZH) und Hildegard Fässler (SG) statt. Allgemein wird erwartet, dass Sommaruga wegen ihrer grossen Popularität einen Platz auf dem Zweierticket auf sicher hat. Sie gilt als Sympathieträgerin.
Sie werde aber nicht als erste aufs Ticket gewählt, monieren Fraktionsmitglieder. Dafür habe sie zu viele Gegner – auch unter den SP-Frauen.
Diese bezeichnen die Bernerin wegen ihrer sanftmütigen Erscheinung und ihrer unnachgiebigen Art in der Sache zuweilen als «Bamby mit Reisszähnen». Einen schweren Stand hat Sommaruga auch bei den welschen SP-Parlamentariern – weil sie zu weit rechts stehe. Das dürfte allerdings nicht ganz zutreffen.
SP-Vertreter stört es ausserdem, dass die Medien die Ständerätin bereits als Bundesrätin feiern, bevor die Wahl überhaupt stattgefunden. Bei der Wahl von CVP-Bundesrätin Doris Leuthard vor vier Jahren war das auch schon so.
Leichter Vorteil für Hildegard Fässler
Glaubt man den Kaffesatzlesern bei der SP findet der Grosskampf um Platz eins zwischen Jacqueline Fehr und Hildegard Fässler statt. Im politischen Bern gelten die beiden als politische Zwillinge.
Fehr hat die meisten Romands und den inzwischen etwas ausgedünnten früheren Bodenmann Flügel hinter sich. Dazu gehört zum Beispiel der Bündner Andrea Hämmerle, den die Medien bereits als Königsmacher feiern, weil er bei der Wahl von Eveline Widmer-Schlumpf im Hintergrund die Fäden gezogen haben soll.
Fässler dürfte vor allem bei den bestandenen linken Parteirössern, Gewerkschaftern und bei den Sommaruga-Anhängern punkten. Letztere rechnen sich offenbar für die Bernerin bessere Chancen aus, wenn sie mit Fässler antritt. Blitzumfragen von Blick.ch zeigen jedoch, dass Fässler mit Stimmen von CVP, SVP und von den Grünen rechnen darf.
Auch die FDP mit Zweierticket
Und wie präsentiert sich die Ausgangslage bei der FDP? Dort gilt zwar der Langenthaler Unternehmer Johann Schneider-Ammann als gesetzt. Er wird von seiner Ausstrahlung her mit dem früheren CVP Wirtschaftsminister Joseph Deiss verglichen.
Nebst dem Berner haben auch die St. Gallerin Karin Keller Sutter und der Zürcher Unternehmer Ruedi Noser Ambitionen. Laut Fraktionschefin Gabi Huber wird die FDP bis um 21 Uhr die Namen ihres Zweiertickets nennen.