Billiger Solarstrom aus Deutschland Sonnentage bringen Millionen-Verluste in der Schweiz

  • Publiziert: 17.08.2012
play

Der Schönwetter-Horror für Schweizer Stromproduzenten: Solarkraftwerk bei Straubing (D).

(AFP)

Der günstige Solarstrom aus Deutschland macht das bislang erfolgreiche Geschäftsmodell der Schweizer Strombranche zunichte.

Den grossen Schweizer Stromunternehmen sind Tage wie heute ein Graus. Je stärker die Sonne scheint, desto mehr Verlust fahren sie ein.

Schuld ist der Solarstrom aus Deutschland. Im vernetzten europäischen Strommarkt treibt er die Preise in den Keller. Zur Mittagszeit gibts derart viel Sonnenstrom, dass die Schweizer Produzenten ihren Strom aus Wasserkraft nicht mehr oder nur mit Verlusten loswerden.

Schaden: 100 Millionen Franken

Kurt Rohrbach, Präsident des Verbands Schweizer Elektrizitätsunternehmen, beziffert in der Sendung «10vor10» erstmals den Schaden: «Der Schweizer Strombranche entgehen geschätzt etwa 100 Millionen Franken pro Jahr.»

Deutschland hat seinen Solarstrom-Anteil innerhalb von 10 Jahren von 0,03 auf 5,3 Prozent erhöht. Zur Mittagszeit bei Sonnenschein entspricht das einer Leistung von 20 Atomkraftwerken.

Das ist weitgehend den hohen staatlichen Subventionen zu verdanken. Doch genau diese Förderung habe den Markt verzerrt, sagt Samuel Leupold, Leiter Energie und Handel bei der BKW.

Dies habe dazu geführt, dass die bisherigen Stärken der hiesigen Stromproduzenten nichts mehr wert seien: «Die ganze Schweizer Wasserkraft hat massiv an Wert verloren», klagt Leupold.

Die Pumpspeicherkraftwerke sind keine Goldesel mehr

Bisher haben die Schweizer Stromkonzerne viel Geld damit verdient, in der Nacht günstigen Niedertarifstrom aus dem Ausland einzukaufen, damit das Wasser in die Speicherseen zu pumpen und tagsüber den Strom aus den Seen zu einem höheren Tarif zu verkaufen.

Dieses Geschäftsmodell ist jetzt Geschichte. (alp)

Beliebteste Kommentare

  • Michael  Steiner , Winterthur
    Mich freuts. Dass die Gewinne unserer schon fast provatisieren Energiemultis in den Keller gehen, die in Sachen Innovation die letzten Jahre NICHTS getan haben und nur die Sicherung Ihrer Pfünde mit alten, vom Volk bezahlten Investitionen im Sinn hatten, ist ausgleichende Gerechtigkeit. Hätte man selber Investiert, könnte man mit absahnen. Wäre man gescheit, würde man mit dem billigen saft die Speicherseen randvoll füllen und später teuer den Strom verkaufen. Aber ohne Jammern kann man ja keine hohle Hand machen... Mir ist schlecht.
  • Vanessa  Hunziker
    Tja, wo keine Innovation, da langfristig kein Gewinn...

Alle Kommentare (44)

  •   Roland Barmettler , Eich
    Aus einer Überproduktion Solarstrom lässt sich kostengünstig Wasserstoff als nachhaltigen, gesunden und jederzeit zur Verfügung stehende Energiequelle herstellen. Sonnenlose Tage sind damit zu überbrücken. Wir leben nicht mehr im 19. Jahrhundert und die Atomlobby sollte sich langsam aber sicher neue Technologien zurechtlegen. Warum muss uns Deutschland alles vormachen?
    • 18.08.2012
    • 14
    • 4
  • Hans  Häberli , via Facebook
    Aha, gut zu wissen. Dann sollte also bei sonnigen Tagen die fallenden Strompreise auch irgendwie an die Konsumenten weitergegeben werden.
    • 18.08.2012
    • 26
    • 0
  • hans  baumann , unterland
    Begriffen habens scheinbar nur wenige: SONNENTAGE bringen Millionen-Verluste in der Schweiz.mit ein bisschen Menschenverstand merkt man, dass es eigentlich nur im Hochsommer so sein kann. Weil bei Regen, Schnee Nebel oder auch bloss in der Nacht funktionieren diese ach so hochgejubelten Solarzellen NICHT. Was wir dann brauchen, ist die gute alte Wasserkraft, ev. auch Atomstrom oder wollt Ihr CO2 Schleudern wie Kohlektaftwerke wie im sagenhaften Deutschland. Oder geht Ihr bei Sonnenuntergand schlafen und steht bei Sonnenaufgang auf.
  • Mario  Hölzinger
    Das liegt ja nicht daran dass Deutschland zuviel hat, sondern die Schweiz zu wenig , weil es unglaublich schwer ist Genehigungen zu bekommen und das von vielen Gemeinden sabotiert wird.
    • 18.08.2012
    • 37
    • 9
  • beat  marti , oftringen
    dumm nur,dass das wetter wieder aendert. wenn man die akw abschaffen will,muss man grundlegende aenderungen im stromtransport und konsum einfuehren,und das passiert leider noch viel zu wenig. erst ein mangel wird dazu zwingen!
Seite 1 2 3 4 5 6 7 8 »
Seitenanfang

Top 3

1 Die FDP fährt eine Schlappe nach der anderen ein Wo bleibt der...bullet
2 BLICK erklärt, wo’s überall brennt Steuerstreit an allen Frontenbullet
3 Häusliche Gewalt im Alkohol-Rausch So will der Bund dagegen vorgehenbullet

Politik