Politikerinnen werden immer jünger Sollen Polit-Mamas ihre Babys ins Bundeshaus mitnehmen?

BERN - Politikerinnen werden immer jünger und sind dadurch im gebärfähigen Alter. Doch sollen sie ihre Babys mit ins Bundeshaus nehmen? Die deutsche Familienministerin Kristine Schröder machte es.

  • Publiziert: 13.09.2011, Aktualisiert: 14.01.2012
  • Von Karin Müller
play Familienministerin Kristina Schröder nahm ihren Säugling mit ins Ministerium. (zvg)

Zehn Wochen nach der Geburt ihrer Tochter Lotte Marie kehrte die deutsche Familienministerin Kristine Schröder (33) gestern ins Ministerium zurück. Mit dabei: Wickeltasche, Nuggi und Fläschchen.

«Ich freue mich, wieder hier zu sein, aber es wird eine echte Herausforderung, Kind und Beruf zu vereinbaren», erklärte sie.

Mit ihrem Mann, Innen-Staatssekretär Ole Schröder (40), will sie sich die Kinderbetreuung teilen. Ist das nun vorbildlich oder eher eine Belastung für die Ministerin und ihr Baby? Eine Umfrage bei unseren Parlamentarierinnen zeigt: Das Thema ist kontrovers. Doch die wenigsten würden ihr Kind mit ins Bundeshaus nehmen.

Zu viel Stress für Mutter und Kind

Die Umfrage in der Wandelhalle zeigt: Das Thema spaltet die Frauen. Sowohl Franziska Teuscher (Grüne) wie Doris Fiala (FDP sind der Auffassung, dass das Politmandat anstrengend ist und zu viel Stress für Mutter und Kind bedeutet. Teuscher findet es gut, eine Kita in der Nähe des Bundeshauses zu haben. «Ich habe mir meinen Sohn jeweils ins Parlament bringen lassen, weil ich ihn ein Jahr stillte.»

Die Kontroverse zeigt sich aktuell bei Pascale Bruderer und Ursula Wyss (beide SP). Beide erwarten ein Kind. Ursula Wyss zog ihre Kandidatur für den Ständerat zurück. Pascale Bruderer nicht.

Eine der Ersten, die mit Baby in der Wandelhalle erschien, ist Chantal Galladé (SP). SVP-Frau Jasmin Hutter (33) zeigte sich von Galladé empört. Mutter sein und gleichzeitig aktiv Karriere als Nationalrätin machen?

Das ging für Hutter nicht. Nach der Geburt von Söhnchen Jon (2) verliess sie das Polit-Parkett.

Ja kein grosses Aufsehen wegen ihrer Schwangerschaft wollte Adèle Thorens Goumaz (39). Die grüne Nationalrätin aus Lausanne brachte 2010 ein Töchterchen zur Welt – und ist weiter politisch aktiv.

Fragwürdiger Auftritt mit Baby im Ministerium


Die BDP-Nationalrätin Ursula Haller empfindet den Auftritt von Ministerin Schröder mit Baby am Arbeitsplatz eher als fragwürdig. «Wenn ausgerechnet die deutsche Familienpolitikerin zehn Wochen nach der Geburt bereits wieder arbeitet, ist dies zwar ihr Recht, vermittelt aber ein eigenartiges Signal gegenüber all jenen Frauen, die sich die wohlverdiente Auszeit gönnen», erklärt Haller.

Und weiter: «Künftig heisst es dann: Sofort nach der Geburt wieder arbeiten? Kein Problem, frau muss nur wollen!»

SVP-Nationalrätin Natalie Rickli lehnt die Idee, das Kind mit ins Parlament zu nehmen, rundweg ab. «Kinder gehören nicht ins Parlament. Jede Frau ist selbst dafür verantwortlich, wie sie sich organisieren will.»

Das meinen Parlamentarierinnen

Elisabeth Schneider (47)
Nationalrätin CVP


Ich habe meine Babys nie ins Parlament mitgenommen, weil das nur ein Stress gewesen wäre. Was mir aber fehlte, war ein Raum, um mich zurückzuziehen und abzupumpen. Eine Krippe würde ich befürworten.

Tiana Moser (32)
Nationalrätin GLP

Für meine beiden Jungs (2 Jahre und 8 Monate) wäre es belastend, morgens um
7 Uhr in Zürich in den vollen Zug zu steigen und abends nach Sitzungsende wieder auf den Zug zu gehen – und das während 3 Wochen

Ursula Haller (63)
Nationalrätin BDP

Bei aller Achtung vor Müttern, die wieder arbeiten müssen oder wollen: Jede Frau sollte sich die Zeit nach der Geburt zur Erholung, zum Kennenlernen des Kindes, zum Finden der neuen Rolle nicht nehmen lassen.

Marianne Kleiner (64)
Nationalrätin FDP

Mich würden Babys im Bundeshaus nicht stören. Allerdings müssten sie betreut werden und im Parlamentssaal nur ganz kurz zugelassen sein. Grundsätzlich könnte man jedoch eine Nanny anfordern.

Ursula Wyss (38)
Nationalrätin SP

Ich begrüsse die aktuelle Lösung bezüglich Kita für Parlamentarierinnen in Bern. Persönlich habe ich jedoch nicht im Sinn, mein (noch nicht geborenes) Baby ins Parlament mitzunehmen.

Sylvia Flückiger (59)
Nationalrätin SVP

Ich hätte mein Kind nicht in eine Krippe gegeben. Jede Frau muss das für sich selbst entscheiden. Parlamentsarbeit ist anstrengend, hektisch und erfordert vollen Einsatz. Baby und Mutter hätten keine Ruhe.

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