Der Palin-Trick So vermeiden unsere Politiker Rede-Pannen

BERN – Politiker stehen bei Reden im Mittelpunkt – und riskieren dabei üble Blamagen. Fehr, Levrat, Fetz und Co. erklären, was sie besser machen als Sarah Palin.

  • Aktualisiert am 13.01.2012
Peinlich, peinlich: Sarah Palin spick bei zwei Auftritten. Auf ihrer Hand (Kreis) steht: «Energie», «Budget-Kürzung», «Steuern», «Stimmung der Amerikaner heben».- AP

Sarah Palin muss derzeit wieder einmal viel Spott ertragen: Am Wochenende hielt sie vor ihren republikanischen Fans eine Rede und prügelte verbal auf Präsident Obama ein – weil dieser seine Reden vom Teleprompter abliest. Doch auch das Pin-Up-Girl der US-Konservativen sprach nicht so frei, wie sie vorgab: Auf ihrer Handinnenfläche hatte sie die wichtigsten Punkte ihrer Rede notiert (Blick.ch berichtete).

Mit dem Gekritzel auf ihrer Hand wird es Palin kaum in ein Schulungsvideo für Rhetoriker schaffen. Doch wie kann man es besser machen? Wie bereiten sich unsere Politiker auf ihre Reden vor? Blick.ch fragte bei Parlamentariern von links bis rechts nach.

Hans Fehr: Einen Spick auf seiner Hand hatte der SVP-Nationalrat (63) zuletzt vor Jahrzehnten – an seiner Geografie-Matur. Doch erschummelt habe er sich seine Matur nicht, betont Fehr schmunzelnd. Statt seine Handfläche braucht er seither postkartengrosse Notizzettel. Darauf schreibt er in grosser Schrift Stichworte – schliesslich sieht er nicht mehr ganz so scharf und ist «zu eitel, um eine Brille zu tragen». Dank den Stichworten kann der SVP-Hardliner frei sprechen. «Sonst wäre ich ja ein Sklave des geschriebenen Wortes. Eine Rede lebt von der Kraft des Wortes und von der Improvisation», erklärt Fehr. Vor dem Spiegel übt er seine Reden nicht. «Ich sehe ja nicht gerade wie der Mister Schweiz aus», witzelt der Zürcher.

Christa Markwalder: Die FDP-Nationalrätin formuliert ihre grösseren Reden im Gegensatz zu Fehr vorher aus. Sie weibelt derzeit für ein Ja zum neuen Umwandlungssatz bei den Pensionskassen – und referiert dabei am liebsten zu Folien. «Das ist mein Spick. Dank den Stichworten falle ich nie aus meinem Thema raus – erst recht, weil ich mich darin ja auch bestens auskenne», erklärt Markwalder gegenüber Blick.ch.

Anita Fetz: Die Ansprachen der Basler SP-Ständerätin entstehen an der frischen Luft: «Vor grösseren Reden gehe ich walken und erstelle mir dabei das Konzept», sagt sie. Zurück im Büro erstellt sie sich dann eine Stichwortliste. Bei kleineren Wortmeldungen, etwa im Parlament, achtet sie vor allem darauf, dass sie ihre Kernbotschaft formulieren kann. «Und auch Anfang und Schluss sind wichtig, damit ich mein Anliegen durchbringen kann», weiss Fetz.

Jakob Büchler: Der St. Galler CVP-Nationalrat recherchiert vor einer Rede ausgiebig: Er durchforstet die Protokolle der Kommissionen, deren Mitglied er ist, erkundigt sich bei Experten oder googelt auch mal einen Begriff. Doch auch seine Erfahrungen aus dem politischen Alltag fliessen in die Redetexte ein. Diese hält er schriftlich fest. Doch die grösste Gefahr für einen Redner ist ihm bewusst: Wer nur vom Blatt abliest, wirkt monoton und langweilt sein Publikum. «Deshalb lese ich das Manuskript vor dem Auftritt mehrere Male intensiv durch, damit ich es praktisch auswendig kann. So kann ich freier reden und den Sichtkontakt zu den Zuhörern halten», erläutert Büchler.

Christian Levrat: Gegenüber der Zeitung «Le matin» gab auch SP-Präsident Levrat Auskunft zu seinen rhetorischen Kniffs. «Das A und O ist es, seine Dossiers zu kennen. Frau Palin hat diese Bedingung offensichtlich nicht erfüllt», meint er. Bevor sich der Freiburger in eine Debatte stürzt, notiert er sich bloss die ersten drei oder vier Sätze, mit denen er loslegen will. «Denn der Anfang ist absolut entscheidend für den Erfolg einer Wortmeldung», glaubt er.

Oskar Freysinger: Der Walliser SVP-Nationalrat weiss genau, was es bedeutet, wenn man schlecht vorbereitet in ein Streitgespräch steigt. Das sei ihm bei einer TV-Debatte mit dem Islamwissenschaftler Tariq Ramadan zum Thema Minarette passiert. «Ich musste leiden», erinnert sich Freysinger. Seither studiert er seine Sparringspartner eingehend und richtet sich auch auf die Bühne der Diskussion ein: Ist es ein Studio oder ein kleiner Saal mit Publikum? Freysinger ist für seine Scharfzüngigkeit gefürchtet. Da helfe ihm vor allem sein Instinkt, betont er. «Es ist wichtig, nicht als Klassenprimus aufzutreten, der seine auswendig gelernten Sätze runterbrabbelt.» (hhs)

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