Schweizer Wahlbeobachter in den USA SP-Levrat schaut den Amis auf die Finger

SP-Ständerat Christian Levrat und SVP-Nationalrat Yves Nidegger beobachten die Wahlen in den USA. «Als Wahlbeobachter ergreife ich für niemanden Partei. Aber Sie können raten, für wen mein Herz schlägt», sagt Levrat im BLICK-Interview.

Christian Levrat im Gespräch mit einem BLICK-Journalisten. play

Christian Levrat im Gespräch mit einem BLICK-Journalisten.

Peter Gerber

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Am Wochenende fliegt SP-Parteichef und Ständerat Christian Levrat (46, FR) als Wahlbeobachter in die USA. Im Rahmen einer Mission der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) ist er im Bundesstaat Montana im Einsatz. Sein Kollege, SVP-Nationalrat Yves Nidegger (59, GE), ist in New York stationiert.

Im BLICK-Interview erklärt Levrat, der Präsident der Aussenpolitischen Kommission des Ständerats, warum er sich auf seinen Einsatz in der Trump-Hochburg Montana freut.

Inland - Yves Nidegger play
SVP-Nationalrat Yves Nidegger (59, GE) beobachtet die Wahlen im US-Bundesstaat New York. EQ Images

Herr Levrat, Sie reisen als Wahlbeobachter in den Bundesstaat Montana. Als Sozialdemokrat wagen Sie sich ausgerechnet ins tiefste Trump-Land!
Christian Levrat:
Das stimmt, gemäss den Umfragen wird Donald Trump in Montana das Rennen machen. Das macht das Ganze aber erst recht spannend! Ich habe mir den Staat aber nicht selbst ausgesucht, die OSZE hat mir Montana zugewiesen. Ich freue mich extrem, denn Montana gehört zu den sogenannten «Fly over»-Staaten zwischen der Ost- und Westküste. Ich begebe mich mitten ins Herz Amerikas, da spürt man die Stimmung im Land am besten.

Dabei sind Sie doch ein Hillary-Fan!
Als Wahlbeobachter fane ich für niemanden. Aber Sie können raten, für wen mein Herz persönlich schlägt.

Eben, für Hillary Clinton.
Als Wahlbeobachter bin ich neutral. Ich habe eine klare Aufgabe: Wir beobachten, ob das Wahlverfahren korrekt abläuft, ob die Wähler Zugang zu den Wahlbüros haben, ob die Stimmen auch registriert werden. Wir rapportieren, was wir beobachtet haben, ob es Probleme gab oder nicht – und daraus wird die OSZE dann ihre Empfehlungen ableiten. Es geht darum, Transparenz und Vertrauen in den Wahlprozess zu schaffen. Es ist ein Dienst für die Demokratie. Da hat Parteipolitik keinen Platz.

Haben Sie keine Sorge, dass Sie als Linker in Montana nicht willkommen sind?
Nein. Wenn ein Republikaner als Wahlbeobachter in die Schweiz kommt, wird er ja auch als Wahlbeobachter und nicht als Politiker wahrgenommen. Und sonst müsste ja mein Genfer Kollege, SVP-Nationalrat Yves Nidegger, noch mehr Angst haben. Er beobachtet die Wahlen im Bundesstaat New York, einer demokratischen Hochburg. Das wird ihm gut tun! (lacht).

Sie haben den Wahlkampf vor vier Jahren als Kommentator für das Westschweizer Radio vor Ort verfolgt. Was wird diesmal anders sein?
Die Diskussionen sind noch hitziger geworden, und der Wahlkampf wird nicht gerade als einer der gehaltvollsten und saubersten in die Geschichtsbücher eingehen. Umso wichtiger ist es, dass wir die Abläufe genau anschauen, damit das Resultat auch dem Wählerwillen entspricht. Vor vier Jahren war ich im Swingstate Ohio stationiert. Das ist etwas ganz anderes als Montana.

Die OSZE schickt mehr Wahlbeobachter in die USA als vor vier Jahren, weil sie die Wahlen intensiver beobachten will. Befürchten Sie Schwierigkeiten?
Ich hoffe nicht. Die OSZE hat ja Routine mit Wahlbeobachtungen. Allerdings besuchen wir die Wahlbüros unangemeldet. Da können Missverständnisse vorkommen.

Vor vier Jahren wurde den Beobachtern in einigen Fällen der Zugang zu den Wahlbüros verweigert. Wie reagieren Sie, wenn Ihnen das passieren sollte?
Wir haben eine Broschüre der OSZE dabei, in welcher unsere Aufgabe erklärt wird. Vor allem sind wir dieses Mal auf offizielle Einladung der US-Regierung vor Ort, das hilft bestimmt. Und sonst braucht es Diplomatie und Überzeugungskraft – und die habe ich ja, sogar auf Englisch. (lacht)

Der Schlussspurt verheisst Spannung. Wer macht das Rennen, Clinton oder Trump?
Als Wahlbeobachter gebe ich keine Tipps ab.

Machen Sie nach dem Wahltag noch ein bisschen Ferien in den USA?
Ich gehe nicht als Tourist! Wir haben ein volles Programm und null Freizeit. Von meiner Agenda als Parteichef und Ständerat her ist es sowieso unvernünftig, dass ich mich für die Mission gemeldet habe. Meine Popularität zu Hause ist massiv gestiegen.

Ich höre da Ironie heraus.
Ja, meine Familie hat nicht besonders viel Freude daran, dass ich wieder eine Woche weg bin. Ich musste mir die Zeit für die Beobachtermission – meine erste übrigens – richtiggehend freischaufeln. Aber ich freue mich riesig.

Publiziert am 02.11.2016 | Aktualisiert am 17.11.2016
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4 Kommentare
  • Hans Rudolf   Käser aus Klingnau
    03.11.2016
    Zum totlachen. Hat der nichts sinnvolleres zu tun? Vergeudet er so sein fürstliches Ständerats Honorar.
  • rolf  sulzer 02.11.2016
    Wahlbeobachter Levrat, ich lach mich kaputt. Ein Mann von einer Partei, die es zum Glück im freien Amerika nicht gibt und auch nicht braucht, geht dort beobachten - auf wessen Kosten, Reise, Essen, Trinken, Schlafen und Vergnügen?
  • Schütz  Roland 02.11.2016
    Echt? Toll! Aber... kann der überhaupt bis 3 zählen? Nach vielen gelesenen Interviews mit ihm habe ich meine Zweifel. Aber zu den beiden amerikanischen Kandidaten passt er hervorragend. Ist etwa der gleich tolle Politik-Stil. Wenn die Schweiz Glück hat behalten Sie ihn in Amerika (die können auch nicht zählen....).
  • Hans  Pfister aus bern
    02.11.2016
    Könnte Herr Levrat nicht in den USA bleiben?
    Hier vermissen wir ihn nicht.