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Vor einem Jahr gründete Stefan Werly (30) in Dänikon ZH die Scissar GmbH. Das Unternehmen rekrutiert junge Menschen und bildet sie für den Einsatz in Krisengebieten aus.
Der gefährliche Job reizt zunehmend auch junge Schweizer Interessenten. Der 35-jährige H. S.* war 2005 der Erste, den Werly in den Irak vermittelte. Dort bewachten der gelernte Kaufmann und sein Team elf Wochen lang ausländische Diplomaten und Geschäftsleute. Und er beteiligte sich an Einsätzen der Koalitionstruppen – für 600 Dollar (rund 750 Franken) pro Tag!
Insgesamt, so schätzen Werly und H. S., sind derzeit bis zu 40 Schweizer in der Hölle von Bagdad im Einsatz. Dass sein Geschäftsmodell funktionieren würde, wusste Stefan Werly von Anfang an: Überall auf der Welt werden traditionelle Aufgaben von Streitkräften Privatunternehmen überlassen – von der Wartung des Fuhrparks über den Personenschutz bis hin zu Verhören von Gefangenen. Doch für Privatarmeen gelten internationale Normen wie die Genfer Kriegsrechtskonventionen nicht, und sie operieren abseits jeder politischen Kontrolle.
Deshalb bereitet die Privatisierung des Kriegs dem Bundesrat zunehmend Sorge. Bern fürchtet um den Ruf der Schweiz als neutrales Land. «Das EDA ist sich der Probleme bewusst, die sich durch den Einsatz privater Sicherheitsfirmen, insbesondere in Konfliktgebieten, ergeben können», sagt EDA-Sprecher Johann Aeschlimann.
Erst vergangene Woche hat das federführende Bundesamt für Justiz zu einem Hearing gebeten. Eingeladen waren Polizeibeamte, Security-Firmen, Armeerepräsentanten sowie Vertreter von EDA und IKRK. Angestrebt wird ein Söldnergesetz. Nur solche Firmen sollen Privatsoldaten in Krisengebiete entsenden dürfen, die sich zur Einhaltung der internationalen Konventionen verpflichten.
Neben der Scissar GmbH, eine Tochtergesellschaft des britischen Sicherheitsunternehmens Scissar Limited, sind weitere Schweizer Firmen in Kriegsregionen tätig, so etwa Texet (Märstetten TG) und Claris (Zürich); sie sind im internationalen Vergleich aber nur kleine Fische. Weltweit wird der Jahresumsatz der Boombranche auf rund 200 Milliarden Dollar geschätzt. Marktführer wie das US-Unternehmen Blackwater verfügen sogar über Panzer und Kampfflugzeuge. Zunehmend sind moderne Söldnerfirmen auch auf dem Gebiet der Informationsbeschaffung tätig.
Auch weil die nationalen Armeen die Lage im Irak längst nicht mehr im Griff haben, gibt es dort mehr Privatsoldaten als US-Armeeangehörige.
Zwar bestreiten Firmen wie Scissar, dass sie in den Krisenregionen direkt ins Kriegsgeschehen eingreifen. Aber auch Stefan Werly räumt ein, dass die Grenze zwischen Kriegseinsätzen und reinen Überwachungsaufgaben fliessend ist.
Die Zahl der internationalen Sicherheitsfirmen, die Tochtergesellschaften in der Schweiz gründen, steigt seit Jahren kontinuierlich an. «Das Wort ‹Schweiz› in der Firmenadresse ist ein Gütesiegel», so der Scissar-Chef. Schweizer seien für Hochrisiko-Einsätze besonders gefragt: «Die meisten verfügen über eine umfassende Berufsausbildung und gelten charakterlich als zuverlässig.»
Weil Scissar ausser Sicherheitspersonal auch Sanitäter und Ingenieure in Krisenregionen schickt, plädiert auch Werly für eine Bewilligungspflicht. Die amtliche Zertifizierung durch die Schweiz, glaubt er, könnte dem Ansehen seines Unternehmes nur nützen.
* Name ist der Redaktion bekannt