Schweizer Kaffee-Patron Marc A. Bloch Sein Reichtum machte ihm Albträume

Mit Kaffee verdiente er ein Vermögen. Nun unterstützt Marc A. Bloch die Konzernverantwortungs-Initiative.

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Als sich die Familie Bloch in La Chaux-de-Fonds NE anschickte, mit Kaffee ein Vermögen zu verdienen, waren die Europäer noch die Herren dieser Welt. Am Anfang des letzten Jahrhunderts hatten die Grossmächte den Planeten unter sich aufgeteilt. Jene Bohnen, die Familie Bloch um 1900 in ihrer Rösterei La Semeuse veredelte, stammten aus den Erdteilen, die unter dem Einfluss der Kolonialmächte standen.

Nach zwei Weltkriegen brach diese Weltordnung auseinander. Dem Erfolg der Familie Bloch tat dies keinen Abbruch. La Semeuse wurde zur bekannten Marke. Die besten Restaurants der Schweiz servieren den Kaffee.

Für mehr Verantwortung

Heute sitzt Marc A. Bloch (66), die dritte Generation der Kaffee-Dynastie, in seiner Villa über La Chaux-de-Fonds und wirbt für die genannte Konzernverantwortungs-Initiative. Unternehmen mit Sitz in der Schweiz sollen haftbar gemacht werden, wenn bei der Produktion im Ausland Menschenrechte verletzt werden oder die Umwelt verschmutzt wird. Bloch sagt: «Schweizer Unternehmer müssen im Ausland ein wenig besser sein als die Konkurrenz.»

Unnötig und kontraproduktiv sei die Vorlage, kritisiert Economiesuisse. Sie schade der Schweiz, so der Wirtschaftsdachverband.

«Die Wirtschaft wird nicht auf viel verzichten müssen, das sage ich als ehemaliger Unternehmer», erwidert Bloch.

«Ich dachte, da ist etwas falsch»

Er, der ehemalige Patron, war ein Leben lang hin- und hergerissen zwischen seinen linken Überzeugungen und seiner Aufgabe als Erbe einer erfolgreichen Firma. Früh sei ihm dieses Dilemma klar geworden. «Ich habe profitiert von einem Geschäft auf Kosten der Ärmsten», blickt Bloch zurück. «Ich hatte Albträume, dachte, da ist etwas falsch.»

Den Kaffee importierte er unter anderem aus Brasilien, Costa Rica, Äthio-pien und Indien. 1000 Tonnen haben sie 2014, in seinem letzten Jahr als Chef, geröstet. Anfang des vergangenen Jahres verkaufte er das Unternehmen schliesslich.

Er habe immer versucht zu prüfen, woher der Rohstoff kommt und unter welchen Bedingungen er dort produziert werde, sagt Bloch. «Klar wussten wir, das manche Menschen leiden und dass wir damit auch Diktaturen unterstützen. Das tut weh.» Immerhin seien sie die ersten gewesen, die in der Schweiz Max-Havelaar-Kaffee geröstet hätten.

«Selbstregulierung funktioniert nicht»

«Ich verstehe natürlich, dass mich nun manche kritisieren.» Jetzt, wo er die Firma nicht mehr führe. «Nur, ich habe die Initiative schon unterstützt, als ich noch Chef war.» Als Mann der Wirtschaft aber sage er klar: «Die Selbstregulierung funktioniert nicht. Die Unternehmer handeln nach den Spielregeln des Kapitalismus.» Und die seien härter geworden. Viel härter. «Es braucht den Staat, sonst ändert sich nichts.»

Seine Kritik an der Wirtschaft beschränkt sich längst nicht auf die Tätigkeit der Konzerne im Ausland. Bloch vermisst die Patrons alter Schule. Es gab Zeiten, da hätten die Unternehmer mehr soziale Verantwortung wahrgenommen. Nun wollten sie immer mehr für sich selbst. Das sei kurzfristig gedacht. «Die Leute, die nichts zu verlieren haben, werden nicht ewig still sein.» Früher habe der Kommunismus den Unternehmern Angst gemacht. «Nun gibt es diesen Gegner nicht mehr. Wir sind arrogant geworden.»

Die Konzernverantwortungs-Initiative

Anfang Woche reichte eine Allianz von Menschenrechtsorganisationen und Hilfswerken die Konzernverantwortungs-Initiative ein. Diese will Schweizer Unternehmen zwingen, zu prüfen, ob bei Geschäften im Ausland die Menschenrechte beachtet und die Umwelt ausreichend geschützt wird. Auch für Zulieferer wären die Konzerne haftbar.

Publiziert am 16.10.2016 | Aktualisiert am 16.10.2016
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13 Kommentare
  • Patrick  Carnot 17.10.2016
    Es gibt noch wenige verantwortungsvolle firmen, viktorinox oder stadlerrail sind solche. Es gibt auch viele KMUs die es versuchen(gehen zu grunde daran) an die denkt aber keiner. Nur wenn ein politiker ein gutes etikett braucht, schwafeln sie dass diese wichtig sind für die gesellscchaft aber agieren frontal gegen sie. Die menschen sind nummern, ein austauschbares produkt. Geld ist alles was zählt.
  • Marion  Jost aus Schönenwerd
    17.10.2016
    Kaffee ist leider immer mit einem Beigeschmack der Ungerechtigkeit zu "geniessen", wenigsten hat er früh mit Havelaar zusammengearbeitet, das tun ja viele heute noch nicht. Er könnte aber mit dem Geld das er sicher hat, Projekte unterstützen und fördern, und somit seine Verantwortung wenigstens im Nachhinein noch übernehmen! Die Initiative finde ich übrigens gut, denn da hat er recht, Selbstverantwortung in der heutigen geldgierigen Zeit können wir vergessen!
    • Divico  Tigurin aus Neuchâtel-Hua-Hin
      17.10.2016
      Man kann auch als Erwachsener noch an den Storch oder den Osterhasen glauben.
      Beat Küng hat es treffend gesagt, was "Max Havelaar" ist.
      Faire Trade geht nur wenn man direkt an der Quelle einkauft und nicht über Umwege. Thailand produziert auch Kaffee für den freien Markt, aber niemand spricht darüber. Rotlichtgeschichten sind für die Presse leider interessanter...
  • Walter  Reusser , via Facebook 17.10.2016
    Keine Sorge in der Schweiz wird es auch keine solchen Fälle mehr geben auch keine Kapitalisten a la Bloch mehr. Die Schweiz hat sich im Finazwesen und Induistrie abgemeldet, hat sich sozusagen selbst aus dem Rennen genommen. Was wir jetzt benötigen ist zu prüfen ob wir uns einen solch aufgeblasenen Beamtenstaat noch leisten können oder wer diesen noch zu finanzieren gewillt ist.Es braucht auch keine Gesetzte mehr für Kapitalisten, diese sind nach Asien ausgewandert.
  • Markus  Immer aus Dumagete
    17.10.2016
    Etwas spät die Einsicht M.A. Bloch... aber es stimmt, als ECHTER Unternehmer ist man IMMER hin und her gerissen zwischen sozialer Verantwortung und Erfolg der Unternehmung. Heute haben wir aber nur noch wenige "Unternehmer" die meisten auf der Teppichetage sind verantwortungslose nur sich selber zugetane "Manager". Ich sage "Reiseclowns"!
  • François  Wiget aus Zürich
    17.10.2016
    Ein Leben lang Unrecht tun und kurz vor dem Tod sich mit viel Geld ins Paradies einkaufen wollen funktioniert zum Glück nicht. Die Rechnung kommt zum Glück immer. Für die Einen früher (Krankheit, Unfall) und für die anderen später in der Hölle.