Schweizer Exporte in den Iran und nach Saudi Arabien: Unsere lieben Feinde

Die Erbfeinde Saudiarabien und Iran stehen sich unversöhnlich gegenüber. Die Schweiz geschäftet mit beiden Regimes gerne.

Iraner demonstrieren gegen die Hinrichtung des schiitischen Geistlichen Nimr al-Nimr in Saudi-Arabien. Saudi-Arabien nannte die Verfahren gegen den Geistlichen und 46 andere Hingerichtete «fair und gerecht». play
Iraner demonstrieren gegen die Hinrichtung des schiitischen Geistlichen Nimr al-Nimr in Saudi-Arabien. Saudi-Arabien nannte die Verfahren gegen den Geistlichen und 46 andere Hingerichtete «fair und gerecht». KEYSTONE/EPA/ABEDIN TAHERKENAREH

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Die Lage im Nahen Osten ist zum Zerreissen gespannt. Die beiden grossen Regionalmächte Iran und Saudiarabien stehen sich feindlich gegenüber. Seit Jahren ringen die sunnitischen Saudis und die schiitischen Iraner um Macht und Einfluss. Zum Jahreswechsel hat sich die Lage noch einmal gehörig verschärft: Das saudische Regime richtete 47 Menschen hin – darunter den schiitischen Geistlichen Nimr al-Nimr.

Als Reaktion brannten Demonstranten in der iranischen Hauptstadt Teheran einen Teil der saudischen Botschaft nieder. Riad kappte daraufhin die diplomatischen Beziehungen zum Iran.

Schweizer Waffen für Scheichs

In dieser explosiven Lage stehen die Schweizer Waffenexporte in die Region einmal mehr am Pranger. Während aufgrund der Uno-Sanktionen die Lieferungen von Kriegsmaterial in den Iran seit verboten sind, war es Schweizer Firmen bis im vergangenen Frühling erlaubt, Waffen und Munition nach Saudi Arabien zu liefern.

Mit dem militärischen Eingreifen der Saudis im Jemen sind nun auch diese Exporte vorerst verboten. «Ausgenommen sind Ersatzteile für bereits geliefertes Gerät. Aber bereits seit 2009 wurden keine Gesuche mehr bewilligt», sagt SECO-Sprecher Fabian Maienfisch. 

Millionen aus Riad

Bereits bewilligte Geschäfte sind davon aber nicht tangiert. Demnächst würden die letzten der 55 bestellten Trainingsflugzeuge vom Typ PC-21 nach Saudi Arabien exportiert, so Maienfisch. Der Grossteil ist bereits auf der arabischen Halbinsel eingetroffen. Das Geschäft wurde bereits 2012 vom Seco genehmigt. Die unbewaffneten Maschinen gelten nicht als Kriegsmaterial.

In der jüngeren Vergangenheit war Saudi Arabien ein attraktiver Markt für hiesige Rüstungsunternehmer. Kein Wunder: Allein im vergangenen Jahr gab das Königreich mehr als 80 Milliarden Dollar für seine Streitkräfte aus. Zwischen 2007 und 2015 lieferten Schweizer Betriebe Waffen und Zubehör im Wert von rund 373 Millionen Franken, darunter Flugabwehr-Kanonen, Sturmgewehre, Munition und Ersatzteile für die bereits in den 90er Jahren verkauften Piranha-Schützenpanzer.

Schneider-Ammann in Teheran

Waffenexporte machen aber nur einen kleinen Teil der eidgenössischen Exporte nach Saudiarabien aus. 2014 verkauften Schweizer Unternehmer den Scheichs Waren im Wert von viereinhalb Milliarden Franken. Dagegen nimmt sich der wirtschaftlich isolierte Iran bescheiden aus: Im selben Jahr importierten die iranischen Mullahs Produkte «Made in Switzerland» im Wert von rund 370 Millionen Franken.

Die Hoffnung aber, dass mit einer Lockerung der Sanktionen gegen das Regime in Teheran die Schweiz mehr wird exportieren können, sind gross. Schon im Februar zieht es Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann in den Iran. Die beiden verfeindeten Staaten sind uns wirtschaftlich beide teuer.

Publiziert am 06.01.2016 | Aktualisiert am 06.01.2016
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32 Kommentare
  • Marion   Jost aus Schönenwerd
    07.01.2016
    Alle die finden dass das doch okay ist, sollen die Flüchtlinge aufnehmen die deswegen zu uns kommen!! Wieder wird nur kurzfristig und knapp bis zur Nase gedacht! Wenn nur 1 Waffe von uns geliefert wird, sind wir mit Schuld dass damit jemand getötet wird! Egal ob andere Länder auch Waffen verkaufen, müssen wir uns dauernd bei solchen Sachen mit anderen vergleichen wenn auf der anderen Seite von der SVP dauernd die Abschottung propagiert wird? Merkt Ihrs? Doppelmoral, die neue CH Krankheit!
  • Abbas  Schumacher , via Facebook 07.01.2016
    Man muss wissen, was einem wichtiger ist? Moral oder Geld, Wirtschaftswachstum und Unterwerfung? Diese 2 Länder mit ihrem altertümlichen Ansichten über Frauen, Religion und rücksichtsloses Vorgehen, Mord an fast Gleichgläubigen usw. Wenn wir noch lange denen ihr Machtgefüge unterstützen, kann es auch mal gegen uns gerichtet sein. Ohne Westliche Technik, Ölankauf, Waffen, können die ja nicht existieren. Warum unterstützen wir also solche Unmenschen?
    • Marco  Weber 07.01.2016
      Ohne Öl und Östliche Technik könnte auch der Westen nicht überleben!
    • Marion   Jost aus Schönenwerd
      07.01.2016
      Herr Weber; was für östliche Technik????? Auch das Öl kann man aus anderen Regionen beziehen oder noch besser, endlich davon weg kommen! Sie stellen anscheinend Geld über Moral und Werte... vermutlich ein SVP-Wähler?
  • Heinrich  Zimmer aus Zürich
    07.01.2016
    Was das Seco hier abzieht ist einfach nur noch lächerlich
  • Juerg  Wildeisen , via Facebook 06.01.2016
    Da wird gejammert dass Arbeitsplätze verloren gehen und alle wollen Gutmensch sein keine Waffen liefern aber dann schreien wenn die Arbeitslosen nach d einkaufen gehen. Wenn wir nicht liefern die Franzosen Russen Schweden engländer und Chinesen liefern noch so gerne. Es wird immer Krieg geben es gab schon immer Krieg ist eine menschliche Tugend also machen wir das beste daraus.
  • werner   zuercher aus Pfaffnau
    06.01.2016
    was soll daran anstössig sein waffen an diese staaten zu verkaufen? wenn sie nicht schweizer waffen bekommen, bekommen sie eben andere! diese moralhäuchelei ist wiederlich! und warum verteufelt man eigentlich immer den iran? die haben noch niemanden angegriffen oder bedroht! was sie kaufen bezahlen sie auch! nur weil die iraner den usa ein dorn im auge sind sollen wir die auch hassen!
    da sind die saudis, als verbündete der usa, gleichzeitig lieferanten des is die grössern schlingel!


    • Daniel  Steiner aus Horw
      07.01.2016
      @zuercher: Der Iran führt sehr wohl Krieg. Die Hezbollah sind nichts anderes als der verlängerte Arm der Mullas im Iran. Auch droht der Iran laufend mit der Vernichtung Israels.