Schon wieder Chaos und Pannen bei IT-Projekt Dem Bund droht neues Millionen-Grab

Ein neues IT-Projekt in der Bundesverwaltung steht vor dem Scheitern. Es geht um über 100 Millionen Franken.

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Beim Wort «Insieme» zuckt ­Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf noch heute zusammen. Der Informatik-Skandal kostete ihren Amtsdirektor Urs Ursprung den Job und die Steuerzahler exakt 102,4 Millionen Franken, wie diese Woche bekannt geworden ist.

Doch kaum wurde letzten September das Steuer-IT-Projekt abgebrochen, braute sich in der Bundesverwaltung der nächste Informatik-Flop zusammen.

Das neue Projekt, das die Chefbeamten ins Schwitzen bringt, heisst «Gever»; die Abkürzung steht für Geschäftsverwaltung. Das ambi­tiöse Computerprogramm soll sämtliche Daten und Dokumente in der Bundesverwaltung erfassen und verbinden. Bisher investierte Kosten: über 110 Millionen Franken.

Es droht der Abbruch

«Programm Gever Bund ist abgeschlossen», hiess es in einer kaum beachteten Medienmitteilung vom 19. Dezember 2012. Doch das Gegenteil stimmt. Wie Recherchen von SonntagsBlick ergeben haben, lässt sich das IT-Programm wegen Lizenzproblemen nicht wie vom Bundesrat gefordert umsetzen. Im schlechtesten Fall droht Übungsabbruch, wieder wären über 100 Millionen verlocht!

An der Konferenz der Generalsek­retäre vor wenigen Wochen rauchten die Köpfe. Erstmals wurde der Fall «Gever» schonungslos diskutiert. Die Finanzdelegation des Parlaments ist eingeschaltet. «Der Kochtopf dampft», sagt ein hoher Beamter im Finanzdepartement zu SonntagsBlick.

Wie konnte es so weit kommen? Offensichtlich hat der Bund schlechte Verträge mit dem österreichischen Softwarelieferanten Fabasoft abgeschlossen. Die Lizenzen laufen aus. Gemäss Beschaffungsgesetz darf der Bund nicht einfach neue Lizenzen nachbestellen, sondern muss den Auftrag neu international ausschreiben.

Solche Verfahren dauern erfahrungsgemäss bis 18 Monate. «Das Programm Gever ist praktisch tot», sagt ein involvierter Bundesangestellter. «Das Ganze ist ein Himmelfahrtskommando. Jeder schiebt dem anderen die Verantwortung zu.»

Zuständig für das IT-Projekt ist die Bundeskanzlei, in Zusammenarbeit mit dem Finanzdepartement und dem Innenministerium.

Die Eidgenössische Finanzkontrolle will jetzt die Notbremse ziehen. Der Zeitpunkt sei da, für das Projekt Gever «eine fachverantwortliche Person mit entsprechenden Kompetenzen und Weisungen einzusetzen», schreibt die Finanzdelegation in einem Bericht.

Wer wurstelte da?

Bundeskanzlerin Corina Casanova äussert sich auf Anfrage skeptisch zur Forderung nach einer starken Hand: «Eine zentrale Steuerung war aus Sicht der Departemente unnötig und zum Scheitern verurteilt.» Die Departemente würden ihre Abläufe selbst am besten kennen, so Casanova.

Die Politiker dagegen wollen handeln. «Wir wissen, dass es Prob­leme gibt», sagt die Tessiner SP-Nationalrätin Marina Carobbio. Als Präsidentin der Finanzdelegation wird sie das Thema «bei unserer Sitzung am Dienstag thematisieren und weiterverfolgen».

«Seit dem Insieme-Skandal schauen wir alle IT-Projekte sehr genau an», sagt SVP-Nationalrat Pirmin Schwander. Persönlich sei er von Anfang an skeptisch gewesen. «Was hier gewurstelt wurde, weiss ich nicht. Aber ich wundere mich nicht, wenn nun neue Schwierigkeiten publik werden.»

Zurzeit läuft das Programm Gever halbwegs in vier Departementen. Das Aussen- und pikanterweise das Finanzdepartement machen noch nicht mit. Ueli Maurer wiederum hat im VBS eine eigene Software installieren lassen – für

20 Millionen Franken. Langfristig ist auch das problematisch: Das VBS-Programm ist nämlich kaum kompatibel mit Gever. 

Publiziert am 19.05.2013 | Aktualisiert am 19.05.2013
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35 Kommentare
  •   Alfons Bader aus Schönenwerd
    19.05.2013
    Was sich der Bund leistet ist einfach gesagt:
    Unter allem Niveau wenn überhaupt vorhanden.
  • Anderegg  Ruedi aus Kreuzlingen
    19.05.2013
    Da gibts doch auch Nationalräte, die angeblich Fachleute sein sollen - merken die denn nichts ?
  • Urs  Meyer aus Dietlikon
    19.05.2013
    Ich selber arbeite seit 2 Jahren temporär als IT Fachmann bei der Bildungsdirektion Kanton Zürich und ich kann nur den Kopf schütteln, ab dem was diese sogenannten Fachleute in Bern da an Geld verschwenden. Kein Wunder heist es immer, die IT muss sparen.
    Und ich der arbeiten will und eine Feststelle anstrebt, heist es, wir haben keine Stellenprozente für eine Festanstellung. Ist doch zum kotzen.
  • Walter  Kalberer aus Wangs
    19.05.2013
    Na jetzt seht ihr was diese Finanzministerin alles kann. Ja, Chaos anrichten, zuerst im Justizdepartement und nun auch noch beim Finanzdepartement. Da können sich die Linken und Mitteparteien an den Kopf greifen was für ein Flop sie in den Bundesrat gewählt haben. All die gute Arbeit die ihre Vorgänger gemacht haben hat diese Frau aus Graubünden in wenigen Jahren zu Nichte gemacht. Am besten sickt sie so schnell wie nur möglich zurück.
  • Klaus  Klein 19.05.2013
    "sondern muss den Auftrag neu international ausschreiben."
    Genau da liegt der schlafende Hund begraben, beinahe wort wörtlich. Wie immer geht es ums Geld und die dadurch entstehende Fremdbestimmung wie auch Abhängigkeiten. Wenn es um Daten aller Schweizer und Steuergelder geht, darf der Bund sich nur auf eines einlassen - welche Softwarefirma ist die Vertrauenswürdigste - und da gilt die goldene Regel - nur die Hauseigene - eine die sich selbst bestraft sollte sie nicht gut arbeiten.