Schmuck-Onlineshop, Bike-Laden, Software-Firma Angestellt beim Bund und nebenbei Firmenchef

Den Bundesangestellten sind nicht nur Nebenjobs erlaubt, auch eigene Firmen dürfen von Beamten nebenher geführt werden.

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Rund sieben Prozent der Bundesangestellten gehen einer meldepflichtigen Nebenbeschäftigung nach. Ein grosser Teil engagiert sich neben dem Job in der Verwaltung in einem Miliz-Amt. Sitzt also in Gemeinderat, Schulkommission, Literaturkommission oder freiwilliger Feuerwehr. 

Dies geht aus einer anonymisierten Liste aller bewilligten Nebenjobs hervor, die BLICK wegen des Öffentlichkeitsgesetzes von der Verwaltung einforderte.

Beamte dürfen Firmen führen

Doch den Bundesangestellten sind nicht nur Miliztätigkeiten erlaubt. Auch eigene Firmen dürfen Beamte nebenher führen. Das Bundesamt für Informatik zum Beispiel hat dreizehn Mitarbeitern umfangreiche Nebenjobs in eigenen Unternehmen bewilligt.

So betreibt ein IT-Berater nebenbei einen eigenen Schmuck-Onlineshop. Ein anderer ist Inhaber eines Bike-Geschäfts und mehrere Angestellte führen eigene Soft- oder Hardware-Firmen, obwohl sie beim Bund zu 100 Prozent angestellt sind.

Grosszügige Richtlinie

Der Grund für diese Bewilligungen ist eine ziemlich grosszügige Richtlinie des Personalamtes. Bis zu 20 Tage pro Jahr darf ein Vollzeitangestellter nebenbei Geld verdienen, ohne dass seine Leistungsfähigkeit beim Bund als vermindert gilt. Das sind rund zehn Prozent der jährlichen Arbeitszeit.

Laut einer Sprecherin des Informatikamts überprüfen die Vorgesetzten regelmässig die Arbeitsleistung der Firmen­besitzer. Zudem habe man die privaten Firmen-Engagements zum Teil mit Auflagen bewilligt und verboten, ein gewisses Kundensegment zu bedienen.

Geschäften für ein Zubrot

Auch in anderen Departementen geschäften Mitarbeiter nebenher für ein Zubrot. Im Bundesamt für Gesundheit führt etwa der Leiter der Sektion medizinische Leistungen eine private GmbH. Neben seiner 80-Prozent-Anstellung beim Bund bietet er so noch Beratungen im Bereich Gesundheitswesen an. Das Bundesamt für Gesundheit hat diesen Nebenjob bewilligt, aber laut eigenen Angaben mit Auflagen verbunden.

Pikante Verbindungen im BSV

Ein Vollzeitmitarbeiter des Bundesamts für Sozialversicherungen (BSV) ist nebenher Teilhaber einer IT-Beratungsfirma. Pikant ist: Das Unternehmen arbeitet nach eigenen Angaben für verschiedene Bundesämter wie Armasuisse, das Bundesamt für Informatik und Telekommunikation sowie für das Bundesamt für Statistik.

Erkennt das Innendepartement keinen Interessenkonflikt, wenn die Firma eines seiner Mitarbeiter ein paar Türen weiter Informatikprojekte durchführt? Laut einem Departementssprecher macht der entsprechende Mitarbeiter nur einmal im Jahr den Jahresabschluss für seine GmbH. Tatsächlich wird er auf der Web­site des Unternehmens als Leiter Finanzen aufgeführt. «Die Gefahr eines Interessenkonflikts besteht hier nicht, weil der Betroffene im BSV keine Tätigkeiten im Rahmen des Kerngeschäfts der GmbH ausführt», sagt der Sprecher.

Publiziert am 13.09.2016 | Aktualisiert am 21.09.2016
Direktor des Bundesamts für Statistik: Georges-Simon Ulrich. Keystone

Immobiliengeschäfte des Direktors

Bern – Angestellte des Bundes müssen sich nicht alle Nebenjobs bewilligen lassen. So findet man ein Verwaltungsratsmandat des Direktors des Bundesamts für Statistik, Georges-Simon Ulrich, nicht auf der entsprechenden Liste. Laut ­einem Sprecher des  Innendepartements bestehe bei Ulrichs Mandat in der jurassischen Immobilienfirma Zenimmob ­keine Gefahr von Interessenkonflikten. Ulrich erhalte dafür auch keine Entschädigung, und die Tätigkeit in der «Familien-AG» beanspruche den Amtsdirektor nur an zwei Abenden im Jahr. Daher ist dieser Nebenjob lediglich meldepflichtig. Keine Bewilligung benötigt auch eine Kaderangestellte im Bundesamt für Gesundheit, die im Vorstand der Raiffeisenbank Freiburg Ost sitzt. Das Innendepartement sah keine Gefahr eines Interessenkonflikts.

Die Hälfte gelöscht

Bern – Nach einem zweijährigen Rechtsstreit musste der Bund BLICK die Liste aller Nebenbeschäftigungen seiner Angestellten aushändigen. Das Bundesverwaltungsgericht hatte entschieden, dass die Mandate der Top-Kader namentlich aufgeführt werden. Weitere Angestellte wurden anonymisiert. Doch vor der Herausgabe erliess das Personalamt eine Richtlinie, wonach nur die bewilligungspflichtigen erfasst werden, alle anderen gemeldeten Nebenjobs wurden gelöscht.

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83 Kommentare
  • Rolf  Merz 13.09.2016
    Wenn jemand eine 100 Prozentv Job beim Bund. Kanton oder der Gemeinde hat, dürfte es keine bezahlten Nebenjob noch geben. Es gibt viele, die nicht kapiert haben, dass wir diese Flaschen bezahlen.
    • Fridolin  Glarner-Walker aus Genf
      14.09.2016
      Herr Merz, es sind sicher nicht alles Flaschen, solche gibt es auch in der Privatindustrie. Störend ist, dass sehr gut verdienende Staatsangestellte noch sehr lukrative Nebenjobs haben dürfen. Ihr Wissen und ihre Erfahrung könnten sie auch in vielen Vereinen, Räten und Organisationen einbringen wo man eher benevol oder für ein Butterbrot arbeitet.
  • Marion  Jost aus Schönenwerd
    13.09.2016
    Interessant wie hier wieder gewettert wird; und was ist mit den Jobs die die NR und SR haben? Köppel als Chef der Weltwoche, Blocher früher mit der EMS, Giezendanner mit seinen LKWs, damals Otto Ineichen mit seinen Läden und viele viele mehr???? Glaubt Ihr tatsächlich dass es schlimmer ist wenn ein Bürolist des Bundes nebenbei noch was werkelt als wenn ein NR oder SR der aktiv in der Regierung ist und Entscheide zu seinen Gunsten durchboxt???
    • Armin  Bruesch aus Thusis
      14.09.2016
      Einige der Parlamentarier wickeln ihre Privatgeschäfte an den Pulten des Parlaments ab. Da gibt es ja noch Spesen dafür, und gut bezahlt sind sie ja auch.
  • Fridolin  Glarner-Walker aus Genf
    13.09.2016
    Aus der Beschäftigungsstatistik des Bundes geht hervor, dass keiner der grössten privaten Arbeitgeber auch nur annähernd an die Job-Maschine Nummer 1 heran kommt: Den Staat. Die Zahl der Beschäftigten in der öffentlichen Verwaltung stieg zwischen 2009 und 2013 von 158 200 auf 183 300. In der Zahl inbegriffen sind einzig Verwaltungsstellen bei Bund, Kantonen und Gemeinden. (Schweiz am Sonntag Dez. 2013) Es dürfte wohl kaum erstaunen, dass da einige in ihrer Arbeit nicht ganz ausgelastet sind.
    • Marion  Jost aus Schönenwerd
      13.09.2016
      Aber wenn dann zuwenig Leute in der Gemeinde arbeiten, wären Sie wohl einer der ersten der futteret weil er auf seine Papiere warten muss!!! Was passiert wenn man bei Gemeinden spart sieht man daran, dass man im Kanton Solothurn (und andere) jetzt den Pass in der Kantonshauptstadt abholen muss, also von einem Zipfel des Kantons zum anderen wegen eines Passes der früher noch zugeschickt wurde!
    • Fridolin  Glarner-Walker aus Genf
      13.09.2016
      Herr Jost, warum kann der Pass denn heute nicht mehr zugeschickt werden? Das ist ja gerade das Problem dieser Monopolbetriebe. Entweder man fügt sich, bezahlt immer mehr Steuern für einen aufgeblasenen Staatsbetrieb wo viele Angestellte nicht ausgelastet sind, noch Lust, Zeit und Energie für Nebenjobs haben, oder es werden Dienstleistungen abgebaut oder gar schikaniert.
  • Thomas  Lendi aus Tuggen
    13.09.2016
    Die Hausfrau und der kleinverdiener müssen tgl. Den 5er kehren und die in den Verwaltungen kassieren gute löhne, nebenbei evtl. Noch ihr eigenes Geschäft mit kleinen Bundesaufträgen verbessern. Ich möchte nicht wissen was da alles krumm läuft!
  • Thomas  Lendi aus Tuggen
    13.09.2016
    Wir Volk sollten mal erwachen und langsam merken viele das da in Bern was Schuef läuft. Die Bundesangestellten kassieren Fürstliche Saläre, und wir kleinen Bluten. Kleinen sind gemeint bis Jahresgehalt 60 000. Das gleiche bei der Pensionskassen, der Vund verzokt Millionen, 200 millionen und mehr gehen für die Verwaltungskosten drauf, da stimmt doch was nicht! Ein Pensionierter BR der in der normalen Legislatur 350 000 verdient plus Spesen GA etc. Und dann noch eine fürstliche rente kassiert!