Schluss mit herzigen Meersäuli Bundesrat will Streichelzoo verbieten

Der Bundesrat will Kaninchen, Meerschweinchen und Küken in temporären Streichelzoos an Ausstellungen und Messen verbieten. Kleintierhalter erachten das Verbot als unnötig. Stattdessen plädieren sie für strenge Auflagen für die Veranstalter.

Tierschutz will Kaninchen und Co. in Streichelzoos verbieten play
Temporäre Streichelzoos sollen künftig ohne Kaninchen, Meerschweinchen und Co. auskommen. (Symbolbild) KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER

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Die Zuger Messe lockt Tierfreunde derzeit mit einem «grossartigen Tierparadies» – mit dabei sind etwa Ferkel, Geissen und Kaninchen. Und verspricht dabei: «Aus der Nähe betrachten und streicheln ist erlaubt!» Viele Messen, Landwirtschafts- oder Kleintierausstellungen werben mit Streichelzoos um Publikum.

Doch damit ist nun Schluss. Zumindest teilweise. Der Bundesrat will temporäre Streichelzoos «mit Kaninchen, Kleinnagern und Küken an Veranstaltungen» künftig verbieten. Dies schlägt er in einer neuen Tierschutzverordnung vor, welche diese Woche in die Vernehmlassung ging.

Potenziell beträchtliche Belastung

Die erwähnten Tierarten sei klassische Beutetiere, so das zuständige Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) dazu. «Sie sind jederzeit auf Flucht eingestellt und können deshalb – besonders in ungewohnter Umgebung – sehr schreckhaft sein.»

In Streichelgehege seien die Tiere einer potenziell beträchtlichen Belastung ausgesetzt. Insbesondere wenn ihnen hinterher gejagt oder sie sogar hoch gehoben würde, stehe diese Belastung der Tiere in keinem Verhältnis zu einem allfälligen Nutzen für Veranstalter und Publikum.

Auflagen statt Verbot

«Es gibt tatsächlich unschöne Bilder, wie sich Kinder in Streichelzoos schon fast um die Tiere reissen. Das wollen auch wir nicht», sagt Markus Vogel, Verbandspräsident von Kleintiere Schweiz. «Ein Verbot geht aber zu weit. Stattdessen braucht es klare Auflagen.»

So sollten die Tiere etwa fachmännisch betreut werden müssen sowie über Ruhezonen und –zeiten verfügen. Solche Auflagen müssten aber für alle Streichelzoos gelten, also etwa auch bei Ausflugrestaurants, sagt Vogel. «Da muss mit gleichen Ellen gemessen werden.»

Tierschutz will Kaninchen und Co. in Streichelzoos verbieten play
Olma-Tierschauen-Präsident Christian Manser (rechts) mit Bundesrat Ueli Maurer bei der diesjährigen Olma.

Schon heute erfüllt der Streichelzoo an der Olma in St. Gallen freiwillig gewisse Auflagen – gerade auch für Kaninchen. «Als Betreiber ist uns wichtig, dass die Tiere permanent betreut werden und über Rückzugszonen verfügen», sagt Christian Manser, Präsident der Olma-Tierschauen.

Die Kaninchen dürften auch nicht herumgetragen oder gefüttert werden. «Für viele Kinder sind solche Streichelzoos die einzige Möglichkeit, mit Tieren in Kontakt zu kommen», gibt Manser zu bedenken. «Wenn auf die Tiere Rücksicht genommen wird, ist ein Verbot unnötig.»

«Zwangsstreichelei ist Tierquälerei»

Der Schweizer Tierschutz hingegen begrüsst den bundesrätlichen Vorschlag. «Für Fluchttiere wie Kaninchen oder Meerschweinchen ist die Zwangsstreichelei eine Tierquälerei», sagt Sprecherin Helen Sandmeier.

Sie geht noch einen Schritt weiter: «Typische Fluchttiere sind für Streichelzoos ungeeignet, deshalb sollte man das Verbot auf sämtliche solche Einrichtungen ausweiten.»

Bei stationären Streichelzoos schätzt das BLV die Belastung der betroffenen Tiere allerdings «als deutlich geringer ein», erklärt BLV-Sprecher Marcel Marti den entsprechenden Verbotsverzicht. «Die Tiere bleiben in ihrer vertrauten Umgebung, und ihre Gehege sind in der Regel gut strukturiert und weisen somit auch geeignete Rückzugsmöglichkeiten auf.» 

Publiziert am 26.10.2016 | Aktualisiert am 27.10.2016
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30 Kommentare
  • Josef  Huber aus Birmensdorf
    27.10.2016
    Mein innigster Wunsch wäre, dass ein artgerechtes Haltungssystem für Menschen geschaffen würde. Vier Jahre Kinderzeit, zwei Jahre Kindergarten, neun Jahre Schule, vier bis zehn Jahre Berufsbildung, vierzig Jahre Broterwerb und anschliessend Ausplämpern bis zum Ableben kann ja wohl nicht das optimale Arterhaltungssystem für Primaten sein. Abgesehen davon, was die Schwachen in diesem System so alles erdulden müssen. Da kann man die Meerschweinchen ihrer kurzen Lebenszeit wegen ja geradezu beneiden
  • Michael  Berger aus St. Gallen
    27.10.2016
    Tierschutz hat wiedermal keine Ahnung. Hatte schon oft solche Tiere gestreichelt und auch hochgehoben. Natürlich nur wenn es will. Das merkt man schnell. Es macht jedoch Sinn Auflagen zu definieren. Ein Verbot ist unnötig und geradezu dumm, da ich weiss, dass auch Fluchttiere gerne mal zutraulich sind. Habe z.b schon Rehe gestreichelt und ein Bambi legte sogar seinen Kopf auf meinen Schoss. Man muss einfach Venunft haben dann geht es.
  • Orlando  P. aus Ins
    27.10.2016
    Das ist gut man soll die Tiere nicht anfassen das ist ein Mega stress für diese.Was würden sie sagen wenn ein Gorilla sie oder ihre Kinder anfassen würde.Man kann die Tiere in freier Natur oder in Filmen ,wo es mehr als genug gibt anschauen.
  • Hanspeter  Niederer 27.10.2016
    Der Bundesrat könnte etwas wirklich Relvantes für den Tierschutz machen, nämlich endlich die Einzelhaltung von Kaninchen zu verbieten. Warum macht er das nicht? Genau, er kuscht vor der Bauernlobby. Zwei davon sitzen ja auch im Bundesrat.
  • Patrick  Smart 27.10.2016
    Bei uns haben Meerschweinchen und Streicheltiere mehr Bundesrats-Aufmerksamkeit mehr Rechte und mehr Lobbyisten als normalsterbliche Bürger. (Bürgerliche, nicht Linke)!
    • Heidi  Rufener aus Bern
      27.10.2016
      Kaninchen sind mir sympatisch. Ich streichle gerne Kaninchen. Wir haben auch etwas gemeinsam: Wir essen gerne Karotten.