Schafft Jon Pult das Gotthard-Wunder? SP-Jungstar will zweite Röhre bodigen

Jon Pult – Olympia-Schreck, früherer Boxer und SP-Hoffnung – will die zweite Gotthard-Röhre verhindern. Es wäre der grösste Sieg des Senkrechtstarters. Heute stellt er mit dem linken Nein-Komitee seine Strategie in Bern vor.

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IMAGE-ERRORAlle bisherigen Umfragen deuten auf ein Ja am 28. Februar hin – auf ein Ja zum Bau einer zweiten Gotthard-Strassenröhre. Doch die Gegner kämpfen vehement gegen die 2,8-Milliarden-Franken-Investition. Mit Jon Pult an vorderster Front. Der 31-Jährige ist das Gesicht der Tunnel-Gegner. 

Die Abstimmungsvorlage sei ein Frontalangriff auf die Verfassung, gab sich Pult heute Morgen bei der Pressekonferenz der Tunnel-Gegner kämpferisch. Es würden Tatsachen aus Beton und Stahl geschaffen und damit der Strassentransit gefördert, so Pult. «Niemand glaubt ernsthaft, dass nur zwei von vier Spuren genutzt werden, wenn sie einmal gebaut sind», so der Co-Präsident des Referendums-Komitees.

 

Pult gilt als grosse Nachwuchshoffnung der SP. 2013 hat er die nationale Politbühne erobert – mit dem Kampf gegen die Olympischen Winterspiele 2022 in Graubünden. Das Bündner Stimmvolk folgte dem Historiker und begrub das Projekt, das eine internationale Ausstrahlungskraft gehabt hätte.

2014 gelang Single-Mann Pult der bislang grösste Karrieresprung. Er wurde Präsident der Alpen-Initiative – dem 1989 gegründeten Verein, der die Alpen vor den Auswirkungen des Transitverkehrs schützt.

Die Wahl in den Nationalrat gelang dem Alpen-Sozi im vergangenen Oktober nicht. Die SP konnte nur einen Vertreter ins Bundeshaus schicken; Silva Semadeni schnitt besser ab als der halb so alte Pult. Den umkämpften fünften Nationalratssitz in Bern holte sich ausgerechnet SVP-Frau Magdalena Martullo-Blocher.

Es ist allerdings gut möglich, dass Pult noch in dieser Legislatur nachrutscht – sollte die 63-Jährige Semadeni frühzeitig abtreten. Dass sie ihm diesen Gefallen erweist, ist wahrscheinlich. Schliesslich ist sie seine Gotte.

Der Sprung nach Bern ist für Pult also vorgespurt. Im Bündner Politbetreib gehört der 31-Jährige bereits zu den alten Hasen. Mit 18 Jahren gründete er mit Kollegen die Juso Graubünden. Seit 2010 sitzt er im Kantonsparlament. Im April 2016 tritt er als Präsident der SP Graubünden ab – nach sieben Jahren im Amt und nachdem er die SP bei den Grossratswahlen im Frühling 2014 zum besten Ergebnis ihrer Geschichte geführt hat.

Der im Unterengadin aufgewachsene und in Chur wohnhafte schweizerisch-italienische Doppelbürger boxte früher hobbymässig. Nun teilt er nur noch verbal aus – als brillanter Redner. Und zwar in allen vier Landessprachen deutsch, französisch, italienisch und rätoromanisch. Die «NZZ» beschrieb ihn als «verbale Urgewalt, die hierzulande selten ist». Auch deshalb wird er bereits als künftiger SP-Parteipräsident gehandelt.

Bereits mit 25 Jahren zeigte Pult, dass er sich nicht nur mit Sachgeschäften wie dem Gotthard beschäftigen will, sondern auch um Strategien, wie die SP zum Erfolg kommt. Mit vier Genossen veröffentlichte er das Buch «Schaffen wir mehr Demokratie!».

Darin macht er Vorschläge, wie die SP die Deutungshoheit erobern und wieder näher zu den Leuten finden soll. «Die Leute müssen mit uns auch ein Bier trinken wollen», heisst es etwa darin. 

Pult ist mit seiner gewinnenden Art einer, mit dem viele gerne ein Bier trinken.

Publiziert am 12.01.2016 | Aktualisiert am 20.06.2016
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  • Erwin  Kaelin aus Meggen
    13.01.2016
    Das Gepolter ist sehr eindrücklich. Aber hat Herr Pult auch schon mal was gearbeitet?
  • Ernest  Blanco 13.01.2016
    Die Möglichkeit aus den zwei Spuren in Zukunft bei Bedarf ohne Aufwand vier Spuren zu machen erachte ich geradezu als genial. Niemand weiss wieviel Verkehr wir in 20 Jahren zu bewältigen haben. Vielleicht fahren wir dann alle in Elektroautos mit 90 Prozent weniger Schadstoff- und Lärmemissionen. Ein neuer Politstern zeichnet sich wohl eher durch die Fähigkeit aus, langfristig Opportunitäten zu nutzen anstatt einer Brett-vor-dem-Kopf Ideologie zu folgen.
    • Ernst  Rietmann aus Weinfelden
      13.01.2016
      Das mit den Elektroautos ist sehr gut, nur haben wir bis dann massiv mehr Verkehr und lange nicht alle unsere Nachbarländer sind dann bezüglich Elektroautos so weit. Von den vielen und vermutlich gegenüber heute noch mehr Lastwagen reden wir schon gar nicht. Lastwagen dürften auch kaum auf Elektrobetrieb umgestellt werden, zumindest nicht nach heutiger Technologie.
  • Thomas  Tschumi aus Winterthur
    13.01.2016
    Noch so ein Volksvertreter, welcher selber noch nie gearbeitet hat. In seiner Biografie gibt er sogar zu, bisher erst politisch gearbeitet zu haben. Politik sollte Überzeugung sein und nicht als Arbeit angesehen werden. Vielleicht brauchen die Arbeiter der 2. Röhre noch eine Hilfskraft. Dann kann er seine Boxer-Muckis sinnvoll einsetzen.
  • Mike  Hugi aus Davos
    13.01.2016
    ....wiedermal die SP, die Typen scheinen einfach das Richtige nicht zu sehen... einfach realitätsfern dieser Verein...
  • Emil  Chrazminöd 13.01.2016
    Das ist gut so, dass sich die Juso jetzt schon gegen eine zweite Röhre positioniert. Folglich werden sich die meisten Stimmbürger/innen dafür entscheiden!