Blick.ch-Leser zum Kniefall von Tripolis «(Sch)Merz-Grenze ist erreicht!»

ZÜRICH – «Die Volksseele kocht!» Für die meisten Blick.ch-Leser ist klar: Die Entschuldigung von Bundesrat Merz in Libyen ist ein grosser Fehler. Viele Politiker sind da etwas zurückhaltender.

  • Publiziert: 21.08.2009, Aktualisiert: 19.01.2012

Der Kniefall von Tripolis erregt die Gemüter. Doch während viele Politiker meist diplomatisch bleiben (s. Diashow), finden die meisten Blick.ch-Leser klare Worte.

«Die (Sch)Merz-Grenze ist erreicht!» schreibt Martin Epting aus Basel und Dolf Schaller aus Hagendorn findet es einfach nur «beschämend, dass Herr Merz vor einem Verbrecherregime niederkniet». «Wo bleibt der Stolz?» fragt sich nicht nur Sandro Brunner aus Gossau und Hans Jakober aus Näfels stellt fest: «Solche Politiker schaden dem Ansehen der ganzen Schweiz.»

Viele sehen die Rechtsordnung mit Füssen getreten: «Wir entschuldigen uns weil wir jemanden verhaftet haben, der seine Angestellten misshandelt? Haben wir noch alle Tassen im Schrank?» fragt Marc Baumgartner aus Bäretswil. «Es zeigt einmal mehr dass sich die sogenannten ‹Mehrbesseren› erlauben können, was sie wollen. Der Papi richtet es dann wieder», schreibt Maya Dietliker und fügt ironisch hinzu: «Finde ich eine super Entwicklung, sehr beispielhaft für alle anderen!» Und Fabian Egloff aus Ennetbaden fragt: «Wo bleibt die Gewaltentrennung?»

In Anspielung auf den Steuerstreit mit Deutschland und den USA stellt Bianca Müller aus Bern fest: «Und schon wieder macht unser Land den ‹Bückling› vor den anderen.» Für Andreas Ruefer aus Urdorf ist klar: «Nun ist es offiziell, die Schweiz macht mit Terroristen Geschäfte! Merz macht die Schweiz zu einem Land, welches erpressbar und ohne weiteres manipulierbar ist.»

«Das ist das letzte!» echauffiert sich Silvia Maurer aus Matten und fragt: «Wer tankt noch bei Tamoil? Ich nicht!» Simon Vonlanthen geht noch weiter: «Sobald die beiden inhaftierten Schweizer zurück sind, soll der Vertrag zerrissen werden und alle Beziehungen zu Libyen abgebrochen werden, Tamoil soll sofort raus und ein Einreisverbot für alle Libyer eingeführt werden. Die paar Wirtschaftsbeziehungen sind irrelevant.»

Einige Leser zeigen Verständnis

Eine Minderheit der Leser findet hingegen das Verhalten des Bundesrats richtig. «Die Entschuldigung ist in Ordnung. Leider fehlte es der Genfer Polizei an Fingerspitzengefühl», ist Albin Schmutz aus Dietlikon überzeugt. Peter Niro aus Vancouver (Kanada) findet: «Für die zwei Inhaftierten war es richtig. Wären es eure Verwandten – ihr würdet es auch begrüssen!»

Auch Remo Kümin aus Wollerau hält dem Bundesrat die Stange: «Eine Entschuldigung kostet ja schliesslich nichts oder nicht viel. Manchmal muss man eben auch einsehen, dass man mit zu viel Stolz am Berg stehen kann. Deswegen fliegt der Schweiz kein Zacken aus der Krone. Wichtiger ist, wieder einen verlässlichen Handelspartner zu gewinnen.»

Ada Reinhart meint gelassen: «Der Gschieder git nah, der Esel bliebt stah.»

play Der Kurzbesuch samt Entschuldigung von Bundespräsident Hans-Rudolf Merz kommt bei den meisten Lesern nicht gut an. (Keystone)