SBB sind alarmiert Dutzende Flüchtlinge auf Güterzügen

BERN - Weil in Europa die Grenzkontrollen verschärft wurden, weichen Flüchtlinge zunehmend auf Güterzüge aus. Das sei hochriskant, warnt die deutsche Bundespolizei. Laut der Schweizer Grenzwache versuchen Flüchtlinge seit Dezember so die Schweiz zu durchqueren. Die SBB sind besorgt.

SBB im Alarmzustand: Flüchtlinge wollen auf Güterzügen durch Schweiz play

Reise gen Norden: Flüchtling versteckt sich unter einem Zug, hier in Mazedonien 2015.

AP/Boris Grdanoski

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Vermehrt versuchen Flüchtlinge versteckt in Zügen, die mit Lastwagen oder anderen Gütern beladen sind, von Italien nach Deutschland zu gelangen. Dass diese Reise durchaus mit dem Tod enden kann, nehmen die Schutzsuchenden – oft sind es Afrikaner – offensichtlich in Kauf. Die deutsche Bundespolizei stellt diesen Trend seit Oktober fest. 

Jetzt bestätigt das Grenzwachtkorps (GWK) erstmals, dass Gleiches auch auf Schweizer Bahnlinien vorkommt. Sprecher David Marquis sagt: «Das GWK stellt seit Dezember vereinzelt Fälle von Migranten fest, die auf diese Art die Schweiz zu durchqueren versuchen.» Insgesamt handle es sich um eine tiefe zweistellige Zahl. Zu Todesfällen sei es auf der Schweiz-Route jedoch nicht gekommen. Noch nicht.

Das GWK hat darauf reagiert und die Kontrollen angepasst. Dabei arbeiteten die Schweizer Grenzwächter eng mit ihren Kollegen von der deutschen Bundespolizei und den Transportunternehmen zusammen. Etwa mit den SBB

Auch die SBB stellen den Trend fest

Auch bei den SBB weiss man, dass Flüchtlinge zunehmend in Güterzügen von Italien her kommend nach Deutschland reisen. Bei den Bundesbahnen warnt Sprecher Daniele Pallecchi vor den Risiken solcher Fahrten: «Für Menschen ist es enorm gefährlich, mit Güterzügen mitzufahren.» Die SBB setzen alles daran und arbeiten eng mit dem Grenzwachtkorps zusammen, um solche Zwischenfälle zu vermeiden. 

SBB im Alarmzustand: Flüchtlinge wollen auf Güterzügen durch Schweiz play
Rollende Autobahn am Nordeingang des Simplontunnels in Brig VS: Die Flüchtlinge verstecken sich oft im Radkasten der Zugfahrzeuge. Keystone

Laut der deutschen Zeitung «Welt» hat die deutsche Bundespolizei an der Grenze zur Schweiz, im Bereich der Direktion Stuttgart, seit Ende November etwa 60 Schutzsuchende gezählt, die nach Deutschland einreisen wollten.

Gemäss einem Bericht der «Welt» sind vor allem Züge beliebt, auf denen Lastwagen durch die Alpen transportiert werden. Die Flüchtlinge verstecken sich dann im Radkasten der Zugfahrzeuge.

Auch durch die Schweiz fahren Züge der sogenannt rollenden Landstrassen, bei denen komplette Lastwagen auf Güterzüge verladen werden. Laut Pallecchi wird ein Teil dieser Züge durch die Firma RAlpin betrieben und durch SBB Cargo durch die Schweiz gefahren. Pallecchi: «Die Züge werden bei Abfahrt und Ankunft durch Bahnpersonal technisch kontrolliert.» Fänden Halte an den Grenzorten statt – etwa in Chiasso, Basel oder Schaffhausen – seien die Grenzwachtkorps für die Grenzkontrollen verantwortlich. Die SBB unterstützten die Grenzbehörden dabei vollumfänglich.

Den Tipp gabs im Flüchtlingslager

Wie auch Pallechi anführt, steht zwar die Güterzugs-Route von Italien über den Brenner nach Österreich und Deutschland im Vordergrund. In Italien, wo die meisten starten, habe sich die Methode aber offensichtlich herumgesprochen, wie die  «Welt» weiter schreibt.

In einem internen Bericht der deutschen Bundespolizei schildere ein Asylsuchender seinen Weg über die Alpen. Demnach hatte er in einem italienischen Flüchtlingslager den Tipp mit dem Güterzug erhalten. Er sei darauf vorbereitet gewesen, dass es sehr kalt werden würde – daher habe er sich in zwei Decken eingehüllt. In der Vergangenheit hatte er erfolglos versucht, nach Deutschland zu gelangen. Jedes Mal sei er in Österreich oder Frankreich geschnappt und nach Italien zurückgeschickt worden.

270 Güterzug-Flüchtlinge allein in München

Laut der «Welt» hat die Bundespolizei München seit Oktober allein rund 270 Migranten entdeckt, die auf Güterzügen vor allem aus Österreich eingereist sind. Ein Sprecher nannte dies im Gespräch mit der «Welt» eine «grosse Herausforderung», da von dem «neuen Phänomen» viele Güterzüge betroffen seien.

Anfang Dezember starben beispielsweise zwei Migranten. Der Fahrer eines Lastwagens hatte die beiden in ihrem Versteck nicht gesehen und beim Losfahren überrollt. Und dennoch entdeckten Polizisten laut «Welt» bereits in den Tagen darauf die nächsten Migranten in ihren Verstecken – und das trotz der eisigen Minusgrade bei der Fahrt über den 1400 Meter hohen Brenner. Dass viele der irregulären Zuwanderer stark unterkühlt sind, wenn sie nördlich der Alpen aufgegriffen werden, ist die unausweichliche Folge.

Die illegale Einreise per Güterzug sei nur ein besonders gefährliches Beispiel für die neuen Wege der Migranten nach Mitteleuropa, schreibt die «Welt». Schleuserbanden versuchten, die verbliebenen Lücken zu nutzen. Noch immer schlagen sich jeden Monat Tausende über die Balkanroute durch, obwohl vor einem Jahr im Südosten des Kontinents viele neue Grenzzäune aufgestellt wurden.

Publiziert am 05.01.2017 | Aktualisiert am 05.01.2017
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