Was ist bloss mit unseren Bundesbetrieben los? SBB & Post im Elend

  • Publiziert: 24.12.2009, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Henry Habegger

Der eine hat zu viele Kunden, der andere zu wenige. SBB und Post stecken in Problemen, was das Feld für Heilsbringer öffnet.

SBB und Post. Zwei Unternehmen, die in der Bevölkerung tief verwurzelt sind. Als «ein Stück nationaler Identität» beschreiben sich etwa die SBB selbst.

Jetzt brodelt es gewaltig in den zwei Schweizer Herzstücken. Der forsche SBB-Chef Andreas Meyer wechselte seit seinem Amtsantritt 2007 schon fast die ganze Konzernleitung aus. Noch rabiater geht die Post bei der Post ab: Präsident Claude Béglé baut die Postspitze so um, dass er frei schalten und walten kann. Mit dem langjährigen Verwaltungsrat Rudolf Hug warf jetzt einer der letzten Béglé-Kritiker das Handtuch.

Sicher ist: Post und SBB stecken in Problemen, was das Feld für Machtkämpfe öffnet.

Die Post leidet am Misserfolg. Die Leute schreiben immer weniger Briefe. Um 5 Prozent geht die Menge derzeit zurück, sagt die Post. Den Rest macht die Liberalisierung: Die Post verliert Marktanteil an die Konkurrenz, und bald fällt das Briefmonopol ganz. Trotzdem soll die Post den Service public möglichst erhalten, ohne dass der Staat Geld einschiesst.

Die SBB leiden, zumindest im Personenverkehr, am Erfolg. Sie steigern kontinuierlich Angebot und Passagierzahlen. Nur: Der Verschleiss der Infrastruktur wächst entsprechend, und das Geld für den Unterhalt fehlt. Es gibt nicht mehr Mittel von der öffentlichen Hand, und die Billettpreise können nicht beliebig erhöht werden, sonst steigen die Kunden aus.

Post und SBB. Bern will eher mehr Leistung, aber eher weniger dafür zahlen, und erwartet die Quadratur des Kreises.

Jetzt schlägt die Stunde wirbliger Manager wie Béglé, die, umgeben von Heerscharen von teuren Beratern, Wunder versprechen. Die Post soll nicht schrumpfen, sondern stark werden wie der Riese Nestlé. Das Geld will sich Béglé im Ausland und in neuen Märkten holen. Hochriskant, aber die Politik hört nur zu gern solche Heilsversprechen.

Wie lange noch? Noch stellt sich Infrastrukturminister Moritz Leuenberger hinter den Post-Präsidenten. «Auch der Vorgänger von Béglé, Anton Menth, war damals umstritten, und man verlangte von mir kurz nach seinem Amtsantritt seinen Rücktritt», sagte Leuenberger gestern auf «tagesanzeiger.ch».

Immerhin schwant auch Leuenberger Unheil. Dass die Post werden solle wie Nestlé, «damit bin ich so wenig einverstanden wie mit jener der Briefkastengebühr von (Ex-Konzernchef Michel) Kunz».