SVP-Spitze riet mir Sag Ja, Eveline!

  • Aktualisiert am 20.01.2012
  • Von Georges Wüthrich

BERN – SVP-Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf (51) geht in die Offensive. Erstmals verrät sie Details der heissen Stunden vor und nach ihrer Wahl am 12. Dezember.

Ausgelöst vom drohenden Parteiausschluss und wegen der ständigen Lügen-Vorwürfe lud die Bundesrätin die Bündner Medien am Montag zu einem klärenden Gespräch ein. In der «Südostschweiz» macht die Bundesrätin heute zuerst einmal klar: «Auf alle Fälle hätte ein Parteiausschluss keine Niederlegung des Bundesratsmandates zur Folge.»

Sie verhehlt aber nicht, dass die ständigen Anwürfe und der drohende Parteiausschluss nicht spurlos an ihr vorbeigehen: «Das bereitet mir manchmal auch schlaflose Nächte.»

Und was ihr Gegenspieler Toni Brunner (33) noch weniger gern hören wird: Das eine oder andere Mitglied der damaligen SVP-Spitze habe ihr zur Annahme der Wahl geraten, berichtet die «Südostschweiz». «Es wurde darüber diskutiert, ob es eine Option sei, den zweiten Sitz zu halten», verrät Widmer-Schlumpf aus einem Treffen nach ihrer Wahl im Büro von Blocher. Namen nennt sie keine.

Dass Christoph Blocher (67) nach dem ersten Wahltag keine Chance mehr hatte, sei nach ihrer überraschenden Wahl eigentlich für die gesamte SVP-Spitze festgestanden. Den zweiten Sitz hätte man unweigerlich an die CVP verloren, wenn sie die Wahl nicht angenommen hätte. Davon gehen inzwischen alle politischen Beobachter aus.

Widmer-Schlumpf erinnert sich: «Auch Parteipräsident Ueli Maurer sagte, es sei unwahrscheinlich, dass Blocher doch noch gewählt würde – da könne ich nun Ja oder Nein sagen.»

Zum Vorwurf, sie habe sich vor der Wahl mit dem Bündner SP-Nationalrat Andrea Hämmerle (61) abgesprochen, sagt Widmer-Schlumpf: Sie habe am Samstag vor der Wahl zwar länger telefoniert, aber Hämmerle habe auch von anderen Kandidaten gesprochen: «Deshalb habe ich dem Anruf keine Beachtung geschenkt.»

In Sachen umstrittenem Dok-Film des Schweizer Fernsehens sieht sie die Sache so: Der Film lasse sehr viele Fragen offen und suggeriere widersprüchliche Schlussfolgerungen. «Auf diese Weise konnte ihn die SVP für ihre Zwecke instrumentalisieren.»

Gestern Abend hielt die Geschäftsleitung der Bündner SVP eine Krisensitzung ab. Nach aussen wurde Stillschweigen gewahrt. Nach BLICK-Informationen steht die Bündner SVP nach wie vor geschlossen hinter Bundesrätin Widmer-Schlumpf. Man will jetzt in Verhandlungen mit der Schweizer SVP-Spitze einen Parteiausschluss verhindern.

Absage fürs Sechseläuten

ZÜRICH – SVP-Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf hat ihre Teilnahme am Zürcher Sechseläuten abgesagt, wie der Sprecher des Justiz- und Polzeidepartementes, Livio Zanolari, bestätigte. Laut «NZZ» begründet Zunftmeister Felix E. Müller die Absage mit «Sicherheitsüberlegungen». Widmer-Schlumpf habe Drohungen erhalten. Vorgesehen war, dass Widmer-Schlumpf als Ehrengast der Zunft Fluntern im Festzug mitmarschiert wäre. Das Sechseläuten findet am 14. April statt.
In der Offensive: Eveline Widmer-Schlumpf.- Keystone

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