SVP-Präsident will Berner Steuern senken – Politiker sind skeptisch Rudolf Joders Pläne stossen auf Widerstand

Der Standort Bern soll mit tieferen Steuern attraktiver für Unternehmen werden. Doch SVP-Präsident Rudolf Joder fehlt die Unterstützung.

  • Publiziert: 15.10.2012
  • Von Christof Vuille
play Rudolf Joder will für den Kanton Bern einen Steuerdeckel in der Verfassung. (Sabine Wunderlin)

Die «Geberkantone» verlieren die Geduld mit dem Kanton Bern. So zielt etwa der Geberkanton Schwyz mit einer Standesinitative auf die «Profiteure» des Finanzausgleichs (NFA).

Besonders brisant ist aber die Idee des Berner (!) SVP-Präsidenten Rudolf Joder. Er möchte per Verfassungsinitiative eine Obergrenze für die kantonale Steuerbelastung festlegen, erzählte er im SonntagsBlick.

Dank Steuersenkungen sollen sich reiche Bürger und Unternehmen im Hauptstadtkanton niederlassen.

Dadurch würden die Steuereinnahmen langfristig nicht tiefer ausfallen und Bern wäre weniger vom Finanzausgleich abhängig, glaubt er. Im nächsten Jahr kriegt Bern 1,2 Milliarden auf dem Topf, so viel wie sonst kein Kanton.

Pro Kopf erhält Bern 1193 Franken. Das ist viel, aber immer noch weit weniger als Spitzenreiter Uri: 2498 Franken gibts da pro Einwohner.

Joder will für seine Initiative in Bern eine «breite bürgerliche Allianz» bilden. Ob das gelingt, ist aber fraglich.

FDP-Nationalrat Wasserfallen ist kritisch

So erachtet es etwa FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen als falsch, «Zahlen in die Verfassung zu schreiben».

Er möchte bei den Unternehmenssteuern ansetzen. «Die müssen runter, denn wir brauchen auch grosse Firmen im Kanton. Die fehlen heute.» 97 Prozent aller Unternehmen in Bern beschäftigten weniger als 50 Mitarbeiter, erklärt Wasserfallen.

Er bleibt aber realistisch: «Was die Wettbewerbsfähigkeit angeht, werden wir nie in einer Liga mit Zug, Basel oder Zürich spielen können. Dafür ist der Kanton zu weitläufig und von vielen verschiedenen Interessen geprägt.»

Sollte etwa ein Spital auf dem Land oder eine Tramlinie in der Stadt geschlossen werden, führe das regelmässig zu «Volksaufständen», sagt Wasserfallen.

Er befürwortet den Finanzausgleich aus Überzeugung. «Ohne diesen würde es unser Land zerreissen».

Linke befürchten Abbau bei Bildung und Verkehr

Als «inakzeptables Doppelspiel» bezeichnet Regula Rytz Joders Pläne. Die Co-Präsidentin der Grünen ist «erstaunt», dass die Idee von der SVP kommt. «Die geht immer völlig auf die Barrikaden, wenns konkret darum geht, zu sparen», sagt sie.

Würden die Steuern plafoniert, ginge dies mit einem staatlichen Leistungsabbau einher, ist sie überzeugt. «Bei der Bildung, im Gesundheitswesen und im Verkehr müsste gespart werden. Opfer wären die Randregionen, welche ja die SVP zu vertreten vorgibt.» 

Gross ist der Handlungsbedarf für SVP-Fraktionschef Adrian Amstutz: «Der Kanton Bern muss seinen Stolz wieder finden, den bürokratischen Verwaltungsdschungel auslichten und sich vom überteuren Perfektionswahn verabschieden». 

Beliebteste Kommentare

  • Laurent  Loretan , Ligerz
    eines blenden die bauernvertreter der svp aus. der kanton bern ist ein landwirtschaftskanton. die bauern kosten den staat bzw. den kanton mehr als sie einbringen. vielleicht sollte man dort mal ansetzen.
  • Hans >Peter  Läuchli , Vellerat
    Das wird nicht gelingen. Reaktion von Mitte und Links. Nicht von uns, also nicht unterstützbar. Die murksen doch nicht die Gans ab die ihnen goldenen Eier legt!
    • 15.10.2012
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Alle Kommentare (13)

  • Hans  Plüss
    Leider ist dies auch keine Lösung. Viele Berner flüchten in benachbarte steuergünstige Gemeinden eines anderen Kantons, welche ebenfalls Finanzausgleich erhalten. Diese Gemeinden haben dann noch einen tieferen Steuersatz als die meistens Zürcher Gemeinden, welche in den Finanzausgleich zahlen. Der ruinöse Steuerwettwerb ist nicht mehr zu überbieten.
    • 16.10.2012
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  • Edwin  Schaltegger
    Ich finde die Denkrichtung von Hr. Joder gut. Der Kanton Bern muss als Wirtschaftsstandort attraktiver werden. Die wirtschaftliche Entwicklung in den letzten Jahrzehnten wurde von der Politik kläglich verschlafen. Steueranreize und die Bereitstellung von Dienstleistungs- und Produktionsinfrastrukturen in Form von attraktiven Industriezonen mit guter Verkehrserschliessung, günstiges "Joint-Venture Capital" etc. wären ein Weg. Die Kantone Zug, Waadt mit SP-Regierung, Zürich, Basel etc. machen es vor. Sonst bleibt der Kt. BE ein rückständiger Entwicklungskanton.
    • 16.10.2012
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  • Hans >Peter  Läuchli , Vellerat
    Das wird nicht gelingen. Reaktion von Mitte und Links. Nicht von uns, also nicht unterstützbar. Die murksen doch nicht die Gans ab die ihnen goldenen Eier legt!
    • 15.10.2012
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  • Thomas  Müller , Bern
    Vielleicht auch sollten diese SVP-Volksnarren einmal nachdenken, welche Struktur der Kanton Bern mit Mittelland, Voralpen, Oberland mit den Hochalpen ... Vielleicht denken auch diese Herrschaften auch darüber nach - ausnahmsweise einmal, dass der Kanton Bern mit der Stadt Bern als Hauptstadt der Schweiz, eine mind. 4-fache Zentrumsfunktion ausübt international, schweizerisch, kantonal und regional !, was nicht nur Gewinn bringt, sondern ebenso auch viele Pflichten und Kosten versursacht, die ungedeckt anfallen. Darum auch diese solidarische finanzielle Unterstützung durch die reichen Kantone, die oft noch Zentren wirtschaftlicher Art sind ... Geht das so als Hilfe zum Nachdenken? Ich hoffe doch, dass dies den meisten hier wirklich einleuchtet! Zum Beispiel Zuger Bürgern oder Zürchern ...!!
    • Edwin  Schaltegger
      Ich finde es positiv, dass Sie Ihren Kanton verteidigen. Tatsache ist aber, dass der Kt. Bern eine progressive wirtschaftliche Entwicklung während den letzten Jahrzehnten sträflich verschlafen hat u. heute als rückständiger Entwicklungskanton in der CH-Kantonsrangliste figuriert. Ihr Argument der Zentrumsfunktion ist nicht stichhaltig. Der Kt. BE profitiert im grossen Stil davon. x-tausend Arbeitsplätze werden mit einer hohen volkswirtschaftlichen Wertschöpfung angeboten. Die Löhne u. Infrastrukturkosten dieser Staatangestellten werden mehrheitlich durch die Steuerzahler von steuerstarken Kantonen Bund finanziert! Eine kritischere Betrachtung der Berner-Politik wäre sicherlich angebracht.
      • 16.10.2012
      • als Kommentar auf Thomas  Müller , Bern
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  • René  Fahrni , Oberuzwil
    Das ist wieder einmal typisch für die SVP Steuern runter aber von den ander Kantonen das Geld nehmen.Der Steuerausgleich sollte abgeschaft werden,wenn ein Kanton sich nicht selber verhalten kann da solle er Konkus anmelden.
    • Rolf  Hess , Münchenbuchsee
      Wohl gefehlt, als es in der Schule noch Staatskunde gab. Daher mehr Daumen runter als rauf.
      • 15.10.2012
      • als Kommentar auf René  Fahrni , Oberuzwil
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