Rime warnt vor Verdoppelung der Stromkosten Girod: «Gewerbeverband gibt sich der Lächerlichkeit preis»

BERN - Die Gegner der Atomausstiegs-Initiative warnen vor einer Explosion der Stromkosten. Die Grünen schlagen zurück.

Atomausstieg: Wie hoch werden die Stromkosten bei Ausstieg wirklich? play
Findet die Argumentation der Atom-Ausstiegsgegner «höchst widersprüchlich»: Grünen-Vizepräsident Bastien Girod. EQ Images

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Atomausstieg: Wie hoch werden die Stromkosten bei Ausstieg wirklich? play
Wie teuer käme ein Ja zur Atomausstiegs-Initiative die Schweizer Wirtschaft zu stehen? Keystone

Seit Wochen fahren die Grünen und ihre Verbündeten eine millionenschwere Kampagne für ihre Atomausstiegs-Initiative. Nun reagieren auch die Gegner um den Schweizerischen Gewerbeverband (SGV) und fahren schweres Geschütz auf.

An einer Pressekonferenz stellte der Verband die Stromkosten in den Mittelpunkt. Für SGV-Präsident Jean-François Rime ist nämlich klar: Der Strompreis würde sich im Fall einer Annahme der Initiative «mindestens verdoppeln».

Der Freiburger SVP-Nationalrat verweist auf die tiefen Produktionskosten der Kernenergie. Ausserdem stiegen die Netzkosten rasch an: «Die Initianten wollen in einer Hauruckübung das Schweizer Netz überlasten. Das führt nicht nur zu Ausfällen und Blackouts, es führt auch zum Kostensprung in den Netzkosten.»

Atomausstieg: Wie hoch werden die Stromkosten bei Ausstieg wirklich? play
Der Gewerbeverband um Präsident Jean-François Rime warnt vor einer Verdoppelung der Strompreise. Keystone

Hinzu komme der Faktor der Knappheit, der zu einem «Schweiz-Zuschlag» führen werde. «Wenn die Schweiz von heute auf morgen um die 40 Prozent ihrer Stromproduktion verliert, muss sie diese Lücke schliessen», so Rime. Das werde wohl mit Kohlestrom aus dem Ausland geschehen, doch dieser sei in der Produktion teuer, dazu kämen die Transportkosten.

«Das Preisschild der Atomausstiegs-Initiative ist damit entlarvt. Im Fall ihrer Annahme wird der Strompreis explodieren», meint der Gewerbeboss. Das werde Firmenkonkurse und damit mehr Arbeitslosigkeit verursachen.

Die Initianten schütteln ob dieser These den Kopf. «Mit dieser frei erfundenen Behauptung gibt sich der Gewerbeverband endgültig der Lächerlichkeit preis», sagt Grünen-Vizepräsident Bastien Girod. Der Zürcher erinnert daran, dass die AKW Leibstadt und Beznau seit Wochen vom Netz seien – «doch der Strompreis ist deswegen nicht explodiert».

Atomausstieg: Wie hoch werden die Stromkosten bei Ausstieg wirklich? play
«Mit dieser frei erfundenen Behauptung gibt sich der Gewerbeverband endgültig der Lächerlichkeit preis»: Bastien Girod (Grüne). Keystone

Überhaupt sei die Argumentation der Ausstiegsgegner «höchst widersprüchlich». Girod: «In den Kantonen mit viel Stromproduktion aus Wasserkraft behaupten sie, dass ein Ja zur Initiative die Preise nicht erhöhe. Denn das wäre im Interesse dieser Kantone.»

Der Zürcher Nationalrat räumt ein, dass der Strompreis nach einem Ja «etwas steigen» werde. Das helfe der Wasserkraft, aber das Gewerbe werde die Auswirkungen nicht spüren, «da der grosse Kostenblock, die Netzgebühren, gleich bleiben».

Wer hat recht im Kosten-Zoff? Stefan Burri, Leiter Sektion Preise und Tarife bei der eidgenössischen Elektrizitätskommission, sagt im «Tages-Anzeiger», eine verlässliche Prognose sei «extrem schwierig» zu erstellen.

Und Marianne Zünd, Sprecherin des Bundesamts für Energie sagt, dass die Preise im europäischen Markt gebildet würden. Die Nachfrage der Schweiz habe nur einen geringen Einfluss auf den Preis. (vuc)

Publiziert am 03.11.2016 | Aktualisiert am 04.11.2016
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  • Roman  Bachmair aus Naters
    04.11.2016
    Sollte ich bei einer allfälligen Annahme dieser Initiative mehr Stromkosten zahlen, schicke ich meine Rechnung künftig umgehend diesen grünen Trotteln zu. Denn das ist das Einzige, was sie mit dieser Initiative erreichen wollen: Doppelt so hohe Preise, das ist in Stein gemeisselt, dass dies so kommen würde!
  • Daniel  Studer aus Villnachern
    04.11.2016
    Viele Kommentare hier stellen das Sicherheitsrisiko dem Risiko eines Preisanstieges gegenüber. Man kann mit 100 Prozent Bestimmtheit sagen, dass bei einer Abstellung der alten AKW das Sicherheitsrisiko abnimmt. Das Risiko, dass die Strompreise deshalb ansteigen ist hingegen höchst unwahrscheinlich. Also steht ein sicherer grosser Gewinn einem Unwahrscheinlichen kkeinen Cerlust gegenüber. Die Entscheidung ist für mich deshalb logisch: Abschalten.
  • Michael  Koch 04.11.2016
    Traurig was hier für fadenscheinige Argumente gebracht werden. Wie immer in der Politik gibt es nur Schwarz oder Weiss, es liesse sich definitiv eine gute Lösung finden wenn beide Seiten kompromissbereit wären aber hier geht es eben wie immer um viel Geld. Da ist es natürlich einfacher das Volk für dumm zu verkaufen und absolut fadenscheinige Argumente in die Welt zu setzen, sonst würden am Ende noch die ganzen Versäumnisse aufgedeckt die man sich zugunsten der Bilanzen geleistet hat.
  • Rico  Blaser , via Facebook 04.11.2016
    Zwei von drei Inlandwindrädern in Deutschland arbeiten, gemäss den Deutschen Energiewerken, unrentabel. Verdient haben daran die Bauherren und die Landeigentümer. ABER, es ist eben der politische Wille, dass ganze Landschaften mit Windrädern vollgestellt werden. Man butterte Milliarden in die Erneuerbaren, die Stromkosten stiegen und der europäische Markt wird zwischenzeitlich mit Gratisstrom überspült der unsere Wasserkraft unrentabel macht.
  • Harald  Beutler 04.11.2016
    Auch mir wäre wohler ohne AKWs. Nur woher beziehen wir dann den Strom? Aus den Kohlekraftwerken in Deutschland und Polen oder aus den AKWs aus Frankreich? Sowas finde ich heuchlerisch. Das Risiko also den andern lassen und sich dabei gut fühlen... Und was Subventionitis anrichtet, sehen wir bei unseren Wasserkraftwerken, die heute - u.a. wegen den Subventionen für Solar etc - nicht mehr profitabel sind. Dabei sollten wir gerade die Wasserkraft fördern, bevor sie den Chinesen gehört.