Avenir Suisse fordert: Rente erst mit 67!

  • Publiziert: 13.10.2009, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Simon Hehli

BERN – Die rechte Denkfabrik Avenir Suisse unter Direktor Thomas Held fordert Rentenalter 67 – SP und Gewerkschaften laufen Sturm. Wollen Sie zwei Jahre länger arbeiten? Diskutieren Sie mit!

Sozialminister Pascal Couchepin liess 2003 Jahren einen Versuchsballon steigen und sinnierte über eine zwei Jahre spätere Pensionierung nach. Weil ihm der Vorstoss viele Sympathien im Volk kostete, mottete er die Idee bald wieder ein. Das hält die bürgerliche Denkfabrik Avenir Suisse nun aber nicht davon ab, erneut das Rentenalter 67 zu fordern.

Um den bei vielen Wählern unpopulären Vorschlag attraktiver zu machen, greift die Avenir Suisse zur «Salamitaktik»: Bis 2026 will sie das Rentenalter «schrittchenweise» an die gestiegene Lebenserwartung der Pensionierten anpassen. Das Renteneintrittsalter würde jedes Jahr um ein bis zwei Monate steigen. Im Jahr 2018 dürften die Schweizer dementsprechend erst mit 66 Jahren in die Rente, acht Jahre später wäre das Rentenalter 67 erreicht.

Der Vorschlag steht im Zentrum einer Studie, die Avenir Suisse heute präsentierte. Die Autoren der Publikation «Die AHV – eine Vorsorge mit Alterungsblindheit» fordern weitere AHV-Reformen, darunter eine stärkere Berücksichtigung der Beitragsjahre. «Wir kommen nicht um eine Anpassung der AHV an die demographische Entwicklung herum», meint Avenir-Suisse-Direktor Thomas Held. Das Ganze sei als «pragmatischer Anstoss» zu verstehen und richte sich gegen die «Totalumbau-Fantasien» der AHV.

Ablehnung von links

Einen Aufschrei des Entsetzens provozieren die Vorschläge bei den Linken. «Gar nichts» hielten sie davon, sagen unisono SP-Sozialpolitikerin Jacqueline Fehr und Colette Nova, AHV-Expertin beim Schweizerischen Gewerkschaftsbund (SGB). «Avenir Suisse ignoriert völlig die Realität auf dem Arbeitsmarkt», kritisiert Fehr. Schon heute hätten es viele Angestellte schwer, überhaupt bis 65 ihren Job zu behalten – erst recht in der Rezession.

«Die giftige Kröte wird nicht geniessbarer, nur weil man sie in kleinere Stücke zerhackt», betont Gewerkschafterin Nova. Das Problem der Alterung kann auch sie nicht vom Tisch wischen. Dennoch gebe es keinen Grund zur Panik, denn die AHV sei hervorragend konstruiert.

1,1 Prozent höhere Abgaben würden reichen

«Dank der immer steigenden Produktivität können heute weniger Erwerbstätige mehr Rentner unterhalten als früher.» Nach den Berechnungen der Gewerkschafts-Ökonomen reicht es aus, die Lohnabgaben für die AHV von 8,4 auf 9,5 Prozent zu erhöhen, um die Renten bis 2030 zu sichern. «Fragen Sie mal die Leute, ob sie lieber dieses kleine Opfer auf sich nehmen oder zwei Jahre länger schuften wollen!», sagt Nova.

Die Avenir Suisse vertrete privilegierte Kreise, die sich dank eines prall gefüllten Kontos in der 2. und 3. Säule auch eine Pensionierung vor 65 leisten könnten, hält die Gewerkschafterin fest. «Doch für die Normalbürger würde eine Umsetzung von Rentenalter 67 Zustände bedeuten, wie sie schon jetzt in Deutschland herrschen: Viele Arbeiter werden dort gegen ihren Willen frühzeitig in Rente geschickt – und müssen teilweise happige Rentenkürzungen hinnehmen», warnt Nova.

play Thomas Held, Direktor von Avenir Suisse. Sein Thinktank will die AHV mit einem höheren Pensionsalter sanieren. (Sobli)

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