Politologe Georg Lutz über die Politikverdrossenheit Schweizer fühlen sich nicht ernstgenommen

BERN - Trotz Abstimmungen und Initiativrecht: Die Schweizer Bevölkerung hält ihren Einfluss auf die Politik für gering. Politikwissenschafter Georg Lutz erklärt, woran das liegt.

Schweizer fühlen sich von Politik nicht ernstgenommen play
Auch Schweizer sind politikverdrossen: Zerstörte Wahlplakate in Hochdorf, Kanton Luzern, vor den letzten eidgenössischen Wahlen im Herbst 2015.  Simon Meyer

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Die Schweiz gilt als vorbildliche Demokratie. Nicht viele andere Länder können uns in Sachen Mitbestimmungsrecht das Wasser reichen. Umso erstaunlicher, hat ein beträchtlicher Teil der Schweizerinnen und Schweizer das Gefühl, dass ihr politischer Einfluss eher gering ist. Zu diesem Schluss kommt der neue Sozialbericht des Schweizer Kompetenzzentrums Sozialwissenschaften (Fors). 

Schweizer fühlen sich von Politik nicht ernstgenommen play
Politologe Lutz: «Mangelnde Umsetzung der Volksinitiativen haben zum Misstrauen beigetragen.»

So ist rund ein Drittel der Ansicht, dass es den Bundesrat und Kantonsregierungen nicht kümmert, was Menschen wie sie denken. Ganze zwei Drittel der Befragten glauben, dass das Parlament ihren Widerstand gegen ein ungerechtes Gesetz nicht ernst nehmen würde. 

Wenn man es oft genug sagt

Woher kommt diese schockierende Politikverdrossenheit in einer direkten Demokratie? Fors-Direkor Georg Lutz hat zwei Erklärungen: «Wenn man den Menschen ständig erzählt, dass die 'politische Elite' sowieso tue, was sie wolle, dann glauben sie das auch eher», sagt der Politologe.

Ganz unrecht habe das Volk damit nicht, so Lutz: Beispielsweise würden die Interessen von Menschen mit tieferen Einkommen weniger wahrgenommen: «Sozialhilfebezüger haben zum Beispiel eine weniger starke Lobby im Parlament als die Versicherungen. Dadurch werden logischerweise die Interessen letzterer eher vertreten.»

Volksinitiativen mangelhaft umgesetzt

Doch Lutz sieht noch einen weiteren Grund für die Politikverdrossenheit: «Die Diskussionen in den letzten 20 Jahren über die mangelnde Umsetzung linker und rechter Volksinitiativen haben zum Misstrauen des Stimmvolks beigetragen.»

Die allgemeine Lebenszufriedenheit ist gemäss des Sozialberichtes allerdings hoch. Die Schweizer Bevölkerung sei zufrieden mit ihrem Leben, die grosse Mehrheit empfindet dieses als sinnvoll und selbstbestimmt. Armut, Arbeitslosigkeit und andere Formen der Ausgrenzung beeinträchtigen allerdings das persönliche Wohlbefinden.

Publiziert am 05.10.2016 | Aktualisiert am 06.10.2016
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39 Kommentare
  • Ovis   Colonus 06.10.2016
    Ich kann Wählen wenn ich will. Es ändert sich nichts.
    Ich kann Abstimmen wir ich will. Es wir so hingebogen das es passt.
    Es hies früher immer und es ist so : Die in Bern machen was Sie wollen
  • Ernst  Ernst Fischer aus Luzern-Reussbühl
    05.10.2016
    Wen wunderts, die sogenannten "Volksinitiativen" sind zu einer reinen Selbstbeweihräucherung der Parteioberen verkommen. Somit ist es nicht verwunderlich, dass sich das Volk von der Politik abwendet. Die SVP glaubt, dass sie mit diesem Instrument die Politikverdrossenheit des Volkes zu ihren Gunsten wenden könnte. Die Hürden für die sog. "Volksinitiativen müssten in jeder Hinsicht drastisch erhöht werden, dann kehr das Volk, vor allem die junge Generation an die "Urne" zurück, resp. geht wählen
  • Renato  Besomi 05.10.2016
    Viele der gewählten Politiker agieren sehr Arrogant gegenüber allem was ihnen nicht passt. Das Image muss ausserhalb der Schweiz für sie stimmen aber fürs Volk wird viel zuwenig gemacht. Es sollte möglich sein einem Politiker zu künden wie in der freien Wirtschaft wenn Er/Sie den Job nicht Volksgerecht ausführt.
  • Thomas  Hager aus Luzern
    05.10.2016
    Schottland hat auch eine Demokratie und wird durch England entweder gezwungen aus Grossbritannien auszutreten oder etwas zu akzeptieren das sie nicht wollen und daher geradzu genötigt in die EU einzutreten.
  • Hans-Peter  Brechbühl 05.10.2016
    Früher wurde Kooperativ mit uns Schweizerbürger
    und Bürgerinnen umgegangen. Heute nur noch Autoritär,
    nach dem Motto, wir Politiker haben das sagen, was uns
    nicht passt wird abgelehnt und nicht ernst genommen.