Die deutlichen Worte der Bischofskonferenz zur Finanzindustrie wirbelt mächtig Staub auf.
play
Der St. Galler Markus Büchel schrieb für die Bischofskonferenz die Botschaft zum 1. August.
(Bistum St. Gallen)Die Schweizer Bischöfe haben in ihrer Botschaft zum 1.August die Finanzwelt harsch kritisiert. (BLICK vom Samstag). Das sorgt für Wirbel in der Politik. «Das ist ein typischer Fehlschuss von der Kanzel», sagt etwa der Zürcher SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli. «Die Theologen haben keine grosse Ahnung von ökonomischen Fragen und sollten besser die Finger davon lassen.» Ihre Rezepte seien falsch. «Wenn wir sie umsetzen, landen wir in der Armut», so Mörgeli gestern zu BLICK.
Auch für den Glarner SVP-Ständerat This Jenny sind die Worte der Bischöfe, die dazu auffordern, das Ungleichgewicht zwischen Reich und Arm wieder ins Lot zu bringen, völlig fehl am Platz. «Die Kirche hat genug eigene Probleme, und das im Übermass.» Besser sei es, wenn sich die Kirche um die Dritte Welt kümmere. Etwas weniger hart ins Gericht mit den Bischöfen geht der Berner SVP-Nationalrat und Unternehmer Hansruedi Wandfluh: «Die Kirche soll sich um ihre eigenen Angelegenheiten kümmern. Ich bin aber auch der Meinung, dass vieles schiefläuft.»
Unterstützung für die Bischöfe gibt es von Philipp Hadorn, in einer evangelischen Freikirche engagierter Solothurner SP-Nationalrat: «Es ist das richtige Wort zur richtigen Zeit.» Es sei grundsätzlich richtig, wenn die Kirche Stellung nehme zu solchen Themen. Auch für seine Berner Parteikollegin Margret Kiener Nellen machen die Bischöfe genau das Richtige. «Aus ethischen Gründen ist es die einzig vertretbare Haltung.»
Noch mehr Lob gibt es vom grünen Nationalrat Daniel Vischer (ZH). Die Kirche tue genau das Richtige, wenn sie Veränderungen fordere. «Wir sind jetzt an einem Punkt angekommen, wo es einen Paradigmenwechsel braucht», so Vischer. Und für den Luzerner CVP-Nationalrat Ruedi Lustenberger ist klar: «Die Bischöfe setzen bei einem Thema an, das die Gesellschaft unabhängig von der Religion beschäftigt.»
Doch auch die Bischöfe scheinen nicht alle derselben Meinung zu sein. Das Bistum Chur schaltete statt Auszüge der Rede von Bischof Markus Büchel ein Zitat von Papst Benedikt XVI. auf, in dem er vor der Einmischung in politische Debatten warnt.
Beliebteste Kommentare
Alle Kommentare (13)