Polit-Pionierin Gabrielle Nanchen (73) «Sexismus war stets gegenwärtig»

Nationalrätin der ersten Stunde Gabrielle Nanchen (73) zur Sexismus-Debatte.

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Gabrielle Nanchen (73) ist eine wahre Pionierin. 1971, das Frauenstimmrecht auf Bundesebene war kaum eingeführt, zog die damals 28-Jährige für die SP in den Nationalrat ein. Gemeinsam mit neun Mitstreiterinnen gehörte sie zur ersten Generation Politikerinnen auf nationaler Ebene.

Sexismus-Debatte: Erste Nationalrätin Gabrielle Nanchen berichtet play
«Habe anfangs wie ein Mann politisiert»: Gabrielle Nanchen (73). Keystone

Nun, da die Schweiz über Sexismus in Politik und Gesellschaft diskutiert, blickt sie zurück auf jene Tage, als Frauen endlich im Bundeshaus zu politisieren begannen. Die männlichen Kollegen seien ihr gegenüber nie aufdringlich geworden. «Aber natürlich war der Sexismus in der Politik stets gegenwärtig», sagt sie.

Sexistische Unterstellungen

Nanchen war sich Widerstände gewohnt: eine junge Linke aus dem konservativen Wallis. Noch dazu mit italienischen Wurzeln. Zu viel für manche Männer: Da war der politische Konkurrent, der Nanchen unterstellte, nur wegen ihres Lächelns und ihres Minijupes gewählt worden zu sein. Da war die Unterwalliser Monopolzeitung «Le Nouvelliste», die ihre Karriere massiv bekämpft habe. Und, einmal in Bern, sei es als Frau deutlich schwieriger gewesen, es in eine der prestigeträchtigen Kommissionen zu schaffen, so Nanchen.

Sie betont aber auch, wie «galant» die ersten Parlamentarierinnen von ihren neuen Kollegen in Bern empfangen wurden. Anfänglich habe es ihr gefallen, «wenn man mich zum Essen eingeladen und den Koffer getragen hat», erinnert sie sich. «Die junge Frau, die ich war, hat das als Kompliment empfunden.»

«Wehrt euch gegen jede Belästigung»

Heute würde sie sich wohl anders verhalten, sagt Nanchen. Sie versuchte, sich anzupassen. «Am Anfang, um von meinen Kollegen akzeptiert zu werden, habe ich wie ein Mann politisiert. Das heisst, den Regeln des Spieles, der Konfrontation gefolgt.»

Erst in ihrer zweiten Legislatur habe sie gemerkt, dass sie sich nicht zu verstellen brauche, um ihre Ziele zu erreichen. Gemeinsam mit Frauen anderer Parteien kämpfte sie «für die Gleichstellung von Mann und Frau, die Mutterschaftsversicherung und eine fortschrittliche Familienpolitik».

Ihre Nachfolgerinnen in diesem Kampf fordert Nanchen auf, sich gegen jede Belästigung zu wehren. Gleichzeitig bleibt sie gelassen: «Aber es gibt Wichtigeres: Lohngleichheit, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für die Väter und für die Mütter, hier müssen wir uns einsetzen.»

Publiziert am 23.10.2016 | Aktualisiert am 24.10.2016
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  • Walter  Zimmermann aus Jona
    24.10.2016
    Wenn Frauen laufend das unanständige Wort für "Prostituierten-Urin" oder das Verb abgeleitet vom männlichen Glied gebrauchen, dann ist das absolut normal. Wenn der Mann dagegen mit absolut anständigen Worten einen berühmten Schriftsteller zitiert, dann ist der Mann ein Sexist! Frauen haben in dieser Beziehung immer Recht! "Feuchtgebiete" hat ja auch eine Frau geschrieben.
  •   24.10.2016
    Wenn ich schreibe, dass Frau Nanchen auf diesem Foto hübsch aussieht, ist das Sexismus? Ich glaube, dass sie es als Kompliment auffassen wird. Manchmal, nur manchmal ist es halt so, dass Männer die derbere Sprache sprechen. Manche Frauen wissen das und können auch darüber lachen. Viel wichtiger scheint mir die Gleichstellung wie das Frau Nanchen auch gemerkt hat. Wir sind politisch nicht im gleichen Lager.
  • Willy  Steiner aus Safenwil
    24.10.2016
    Es ist komisch, dass fast nur Sp + Grüne alleingelassene / geschiedene Frauen sich plötzlich in den Blickpunkt stellen. Von anderen Parteimitgliedern hört man fast nichts. Könnte es begreifen, wenn diese armen Frauen viel schöner wären was ja nicht der Fall ist oder ob sie nur die Männer schlecht machen wollen.
  • Otto  stalder aus Ueberstorf
    24.10.2016
    Ganz einfach! Jede Frau die sich nicht ansehen lassen will, kann sich ein Stück Stacheldraht an die Bluse oder den Rollkragenpullover heften wie ein PIN (wobei ich sehe es diesen "Damen" schon an und... Gedanken sind frei...
  • Pollner  Josef 23.10.2016
    Es ist sicher nicht nötig, wenn Frauen um die Gleichstellung jammern. Beispiel: Ehefrauen können ihre Männer jederzeit grundlos aus ihrem eigenen Haus auf die Strasse stellen. Auch dann, wenn das Problem ausschliesslich bei der Ehefrau liegt, wie z.B. psychisch bedingte Krise. Danach reicht sie die Scheidung ein und verlässt ihren Mann mit der Hälfte seines Vermögens. Das alles staatlich abgesegnet.