Ex-Ski-Star Paul Accola bald SVP-Nationalrat? Pauli baggert in Bern

  • Publiziert: 11.12.2010, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Reza Rafi und Marcel Odermatt
play Accola auf seinem Bagger. (Keystone)

Die SVP-Spitze wünscht sich das Ski-Ass in Bern. Er ziert sich noch – bezieht aber schon mal politisch Stellung.

Mittwochmorgen im Bundeshaus. Toni Brunner flaniert durch die Wandelhalle. Er ist ganz offensichtlich bester Laune. Im Schlepptau hat der SVP-Präsident den siebenfachen Weltcupsieger Paul Accola und dessen Frau Valérie. Brunner stellt die Ski-Legende seinen Ratskollegen vor.

Am Mittag folgt das Fraktionsessen im Nobelhotel Bellevue. Im ausgewaschenen Wollpulli tafelt der bodenständige Bündner mitten im Kreis der Mächtigen. Auch alt Bundesrat Adolf Ogi und SVP-Patron Christoph Blocher sind da.

Zweck der Visite: Accola, begeisterter Hobby-Baggerfahrer und seit fünf Jahren selbständiger Holztransportunternehmer, soll 2011 für die Volkspartei einen der fünf Bündner Nationalratssitze erobern.

Noch ziert sich der Familienvater: «Eine Kandidatur wäre reizvoll. Aber mein Geschäft hat momentan Priorität.» Blocher indes macht keinen Hehl aus seinem Wunsch: «Ich hoffe sehr, dass sich Accola zur Verfügung stellen wird. Er hat eigene, frische Ideen.»

Der Ski-Held ist schon länger bei der SVP, seine Frau amtet als Generalsekretärin der Bündner Sektion. Engagiert hat sich Accola bislang aber nie – das könnte sich bald ändern. Politisch ist er längst zweifelsfrei verortet.

«Mein Grundsatz: Zuerst muss man einen Kuchen haben, um ihn verteilen zu können.» Die politische Konkurrenz missachte eben genau dies. «Die Linken wollen überall Geld verteilen und schimpfen sich sozial. Selber chrampfen die aber nicht!» Arbeiten soll sich wieder lohnen – «es stört mich einfach, wie die Büezer für alles zahlen müssen.»

Ein anderes Reizthema, das den sonst so ruhigen Bergler in Rage bringt, sind die Medien. «Wie die Journalisten immer gegen unsere Leute anschreiben, finde ich beschämend!» Auch die SRG kriegt ihr Fett weg. «Im Schweizer Fernsehen gibt es nur Linke und Schwule. Kein Wunder, berichten die nicht ausgewogen.» Man könne ihn ruhig so zitieren, «das ist meine Meinung, dazu stehe ich!»

Seine ungeschminkte Art ist es, die den uneitlen Accola beim Volk so beliebt macht; kein Wunder also, dass die Parteielite Alberto Tombas ehemaligen Widersacher an Bord will. In Bern jedenfalls hats ihm gefallen, die Begegnung mit den SVP-Politikern bereut er nicht. «Das sind alles gute Leute, tipptopp.»

Gut möglich also, dass Accola auf der Kandidatenliste der Bündner Sektion ganz oben stehen wird. Entscheiden wird die Partei im Februar. Andere, von denen die Rede ist, sind Ex-Regierungsrat Peter Aliesch, der Bündner Polizeichef Heinz Brand – oder Christoph Blocher selbst.

play «Im Schweizer Fernsehen gibt es nur Linke und Schwule», sagt Paul Accola. (Sven Thomann)