Regierungs-Krise mobilisiert alte Garde Otto stichelt gegen Ogi

Für alt Bundesrat Otto Stich begannen die heutigen Probleme der Landesregierung mit dem Amtsantritt von Adolf Ogi 1987. Im Gegenzug kontert Ogi nun seinen Ex-Kollegen.

  • Publiziert: 06.03.2010, Aktualisiert: 14.01.2012
  • Von Marcel Odermatt
play Verbalattacke Der Bundesrat posierte 1995. Schon damals sagte Stich (Kreis unten), in der Regierung habe es sechs Bundesräte und einen Skilehrer. (RDB)

Die Schweizer Politik steckt in einer Vertrauenskrise, sagte Bundesrat Didier Burkhalter (49) im SonntagsBlick-Interview. Mitverantwortlich für die Malaise ist die Landesregierung aber selber. In den Wirrnissen um UBS, Libyen und Bankgeheimnis machte sie einen schwachen Eindruck: Der Bundesrat wirkt uneinig, in heiklen Phasen offen zerstritten.

Nur: Warum ziehen die Mitglieder des obersten Führungsgremiums des Landes eigentlich nicht mehr am gleichen Strick? Alt Bundesrat Otto Stich (83) fand im Interview mit dem deutschen Wochenblatt «Die Zeit» einen überraschenden Schuldigen: Adolf Ogi (67). «Die ersten Jahre waren die schönsten. Da waren wir ein Bundesrat, der sich verstanden hat», sagt Ex-Finanzminister Stich. Später aber habe es «Mutationen» gegeben.

Auf die Frage, was denn passiert sei, antwortet er: «Der Adolf Ogi ist passiert. Der wollte überall lieb Kind sein. Und damit war die gemeinsame Arbeit am Ende.» Seit jener Zeit gebe es den Bundesrat nicht mehr. Stich: «Das sind bloss noch sieben Einzelmasken.»

Dass sich alt Bundesräte in aller Öffentlichkeit kritisieren, hat es in der Schweiz kaum gegeben. Der Frontalangriff trifft Ogi denn auch völlig unvorbereitet. «Ich habe während meiner Amtszeit viel dafür getan, dass der Bundesrat gut
zusammenarbeiten kann», sagt der alt Bundesrat zu SonntagsBlick.

Über Stichs Anschuldigungen zeigt er sich enttäuscht. «Ich weiss, dass Otto Stich gerne mit Leon Schlumpf im Bundesrat sass. Ich war ihm wohl zu jung und zu dynamisch und versuchte starke Freunde und Verständnis für die Schweiz zu finden», vermutet Ogi.

Doch das Zerwürfnis hat noch einen tieferen Grund. Stich hat dem SVP-Politiker offenbar nie vergessen, dass sich der Berner für den Bau der Neat engagierte und sogar durchbrachte, dass der Bund zwei Röhren baut: eine durch den Gotthard und die andere durch den Lötschberg. Für den SP-Mann ist das Projekt ein «Milliarden teures Loch», das sich nie refinanzieren lasse.

SVP-Mann Ogi ist überzeugt, dass sich der Entscheid, der 1993 vom Volk abgesegnet wurde, auszahlt: «Die Neat-Achse ist heute ein ausgewiesener, grosser Erfolg.»

Vielleicht spielt eine weitere Animosität eine Rolle: 1984, bei der Wahl von Stich, sass Ogi im Parlament. Der junge Berner Nationalrat stimmte für Stichs Gegenkandidatin Lilian Uchtenhagen (81). «Das hat er mir wohl nie ganz verziehen», glaubt Ogi.

Sicher ist: Stich hat schon immer gegen Ogi gestichelt. Unvergessen seine Aussage, im Bundesrat habe es sechs Bundesräte und einen Skilehrer. Heute sagt er: «Ich schaue bei den Treffen der alten und amtierenden Bundesräte immer darauf, dass ich nicht neben Adolf Ogi sitzen muss.» Ogi dazu: «No comment!»