Neue Studie über Verkehrschaos am Gotthard Ohne 2. Röhre 5000 Stunden Stau!

Am 28. Februar 2016 kommt der Bau einer zweiten Gotthard-Strassenröhre vors Volk. Seit vorgestern ist das klar – und schon geht die Abstimmungsschlacht los.

Sollte das Volk im Februar die zweite Gotthard-Strassenröhre ablehnen, könnte es zu stundenlangen Staus kommen. play

Sollte das Volk im Februar die zweite Gotthard-Strassenröhre ablehnen, könnte es zu stundenlangen Staus kommen.

Keystone

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Der Gewerbeverband (SGV) hat zusammen mit dem Touring-Club (TCS) berechnet, was ein Volks-Nein zur zweiten Röhre für die Autofahrer bedeuten würde. «Es bilden sich endlose Schlangen, die Wartezeiten explodieren – es kommt zu einem regelrechten Verkehrschaos», sagt SGV-Direktor Hans-Ulrich Bigler.

Der Bundesrat und die Mehrheit des Parlaments wollen für 2,8 Milliarden Franken eine zweite Röhre bauen – und erst danach den 1980 eröffneten Strassentunnel sanieren. Lehnt das Volk die Vorlage aber ab, muss der 16,9 Kilometer lange Tunnel dennoch saniert werden – im Zeitraum zwischen 2020 und 2025. Eine Variante des Bundesrats sieht dann vor, den Tunnel für zweieinhalb Jahre komplett zu schliessen. Die Autos würden zwischen Göschenen UR und Airolo TI verladen. Der Güterverkehr käme auf eine rollende Landstrasse durch den Gotthard-Basistunnel. Dieser wird kommendes Jahr eröffnet.

Die Kapazität des Autoverlads reiche auch beim völlig reibungslosen Betrieb nie und nimmer aus, um das Verkehrsaufkommen bewältigen zu können, sagt Bigler anhand seiner Untersuchung, die BLICK exklusiv vorliegt. Gemäss dieser führt eine vollständige Gotthard-Sperrung Richtung Süden allein aufgrund von zu vielen Reisenden pro Jahr an 158 Tagen zu Wartezeiten. Insgesamt müssten die Autofahrer 1086 Stunden vor der Verladestation warten. Richtung Norden wäre die Situation für Automobilisten ebenso nervenaufreibend: Stau allein wegen zu viel Verkehr während 1025 Stunden an 149 Tagen pro Jahr.

Bei einer über zweieinhalbjährigen Sperrung des Gotthards bedeutet dies 5000 Stunden Stau – garantierten Stau! «Denn dies ist allein der systembedingte Grundsockel an Stau – dazu kommen, wie schon heute, unzählige Staustunden aufgrund von Unfällen, Pannen, schlechter Witterung und Problemen bei den Verladestationen», sagt Bigler.

Wie kommen SGV und TCS zu diesen Zahlen?

Ausgewertet wurden die Daten der Zählstelle im Gotthard im Jahr 2013. Diese zählt tagein, tagaus, wie viele Fahrzeuge die Röhre passieren – maximal sind dies 900 pro Stunde und Fahrtrichtung. Sind es mehr, stockt und staut es. 2013 wurde diese maximale Kapazität Richtung Süden und Norden während rund 350 Stunden überschritten.

Wäre bei diesem Verkehrsaufkommen der Gotthard geschlossen, würden sich die Staustunden laut SGV-Berechnungen massiv erhöhen. Denn die Verladestation, wie sie der Bundesrat bei einem Volks-Nein vorschlägt, kann nur 600 Autos pro Stunde und Richtung durch die Alpen schleusen. «Der Autoverlad wäre systematisch hoffnungslos überlastet», warnt Gewerbler Bigler.

Hat er damit recht?

Das Bundesamt für Strassen (Astra) wollte die Untersuchung nicht kommentieren – und verwies auf ein Faktenblatt, welches Auswirkungen einer Gotthard-Sanierung ohne zweite Röhre beschreibt. «Bei den Personenwagen bestehen ausreichend Verladekapazitäten», heisst es darin schlicht. Pro Jahr könnten 7,5 Millionen Autos verladen werden – bei aktuell fünf bis sechs Millionen Autos, die durch den Gotthard fahren.

Allerdings rechnet der Bund dabei mit viel Ausweichverkehr. Etwa über die Gotthardpass-Strasse, über den San Bernardino oder via Simplon-Route. Die Folgen, so das Astra-Faktenblatt, wären «entsprechende Belastungen für die betroffenen Regionen wie Lärm, Luft, Unfallgefahr».

Publiziert am 09.10.2015 | Aktualisiert am 09.10.2015
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Kann der Gotthard-Stau noch schlimmer werden?

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53 Kommentare
  • Karl-Heinz  Baumberger aus Winterthur
    09.10.2015
    warum dise Aufregung wegen den Wartezeiten? Alle Transit LKW`s auf die Bahn, zu 100 Prozent. Wir haben ja die Tunnels für den Güterverkehr saniert und sind bereit........ aha, das Problem liegt da ganz an einem anderen Ort... von wegen mit der Kapazität haperts... die Verlade Stationen in Deutschland und Italien sind noch nicht soweit. Jetzt kann unser Ministerin einmal zeigen, das sie den Nachbar erklären kann, das es keinen Transit mehr gibt und die Bahn als Alternative da ist.
  • Federico  Rossi , via Facebook 09.10.2015
    Wer für eine Studie bewusst absurde Annahmen trifft, kann nur ein unsinniges Resultat erhalten: es ist völlig unplausibel, zu unterstellen dass genau gleich viele Fahrer diesen Weg wählen würden, wenn der Strassentunnel gesperrt ist. Diese Dummheit kann man dem Autofahrer nur mutwillig unterstellen. Erstens wird vorher die NEAT eröffnet und die Fahrzeit mit der Bahn 40-60min verkürzt und damit kürzer als mit dem Auto. Zweitens wird Verkehr auf die A13 ausweichen sowie auf die Passtrasse
    • Hampi  Rohde , via Facebook 09.10.2015
      Sie vermuten es richtig: der Verkehr wird auf die A13 umgelagert. Prost Graubünden!
  • Beat  Wüthrich 09.10.2015
    Der Arlbergtunnel war den ganzen Sommer geschlossen und der Autofahrer hatte die Wahl über Deutschland oder über den Pass auszuweichen. Warum also lange warten? Gotthard zu und sanieren. Nur wegen der Sanierung braucht es keinen 2. Tunnel. Die 2. Röhre braucht es aber zur Sicherheit im Allgemeinen .
  • Andreas  Inderbitzin aus Brunnen
    09.10.2015
    Während zweier Jahre musste ich jeweils nach Andermatt fahren um dort zu arbeiten. In dieser Zeit ist mir aufgefallen, dass die Nordrampe zum Tunnel während max. 50 Tagen unbehindert befahren werden kann. Die restl. Zeit ist immer eine der beiden Spuren für sog. Unterhaltsarbeiten und Reparaturen gesperrt worden. Würde sich dies ädern bei einer zweiten Röhre oder würde dann einfach weiter unten künstlich gestaut durch die super Organisation unseres ASTRAs ? Gute Abstimmungsvorbereitung.
  • Fritz  Bucher 09.10.2015
    Meine Meinung: wir haben schon eine zweite Röhre, die NEAT. Es fehlt jedoch leider ein Gesetz, welches die Nutzung für nur Nord-Süd Transit vorschreibt. Aufgabe an Bern & schon kann die NEAT rentabel betrieben werden. Was ich bei der Befürwortung-Argumenten eines neuen Tunnels stets vermisse ist, warum werden die Zusatzkosten nie berücksichtigt? oder glaubt irgendwer, dass dann z.B. alle Tunnels & Brücken von Norden bis zum Gotthard dem Anstieg gewachsen wären? Kostet auch 1-2 Franken...