Milchschwemme und Butterberg ade? Nationalrat will Tierbeiträge abschaffen

  • Publiziert: 26.09.2012
Zwei Kälber schauen neugierig durchs Gitter; die Tierbeiträge sollen im neuen Direktzahlungssystem gestrichen werden (Archiv) play Zwei Kühe oder nur eine? Für die Höhe der Subventionszahlungen bald bedeutungslos. (sda)

Kleine Revolution in der Agrarpolitik: Die Zahl der Tiere soll für Subventionszahlungen künftig keine Rolle mehr spielen.

Der Nationalrat hat heute mit 100 zu 80 Stimmen entschieden, die umstrittenen Tierbeiträge abzuschaffen. Gemäss Kritikern sind diese mitverantwortlich für die immer wieder gerne zitierten «Milchschwemme» und «Butterberge».

Die neuen Beiträge sollen künftig nach der Fläche ausbezahlt werden.

Vergeblicher Kampf der Bauernvertreter

Die Bauernvertreter kämpften vergeblich für einen Kompromissvorschlag. Der Bundesrat gehe mit seiner Änderung zu weit, sagte der Emmentaler Landwirt Andreas Aebi (SVP/BE): Wer 20 Kühe halte, werde gleich viel erhalten wie jemand, der nur 10 Kühe halte, obwohl der Aufwand für 20 Kühe deutlich höher sei. Die tierbezogenen Beiträge seien zudem nötig, um Milch und Fleisch zu produzieren.

Gestochen hat schliesslich genau das Gegenargument: Die Folge des Kompromissvorschlags wäre laut Bundesrat Johann Schneider-Ammann gewesen, «dass die Milchmenge weiter steigen würde und die Preise nochmals sänken.»

Auch aus Umweltschutzgründen solle der Staat nicht Anreize zur Haltung möglichst vieler Kühen setzen, fügte GLP-Nationalrätin Kathrin Bertschy an.

Während die Tierbeiträge also bald Geschichte sein könnten, wird an der Höhe der Subventionszahlungen wohl nicht gerüttelt: Der Bund soll in den nächsten vier Jahren 13,67 Milliarden Franken ausgeben – ungefähr gleich viel wie heute. Über diesen Kredit beugt sich der Nationalrat am Nachmittag im letzten Teil der Agrardebatte. (sda/per)

Beliebteste Kommentare

  • Sepp  Rimensberger
    Die Milchschwemme und Butterberge könnte man auch anders abbauen,indem man nicht mehr soviel Milch importieren würde.
  • Chris  Portavoz
    Sehr guter Entscheid. Dass aber immer noch 80 Parlamentarier Herrn Aebi unterstützen gibt schon zu denken. Wenn ein Bauer belohnt wird, der nur eine Fläche für 10 Kühe hat, aber 20 Kühe hält und Soja aus Übersee einführt und verfüttert, ist doch der grösste Schwachsinn.

Alle Kommentare (9)

  • Havi  Alrub
    wird nicht mit dieser abschaffung nicht tor und türe zur Eu geöffnet, das somit noch mehr importiert werden kann? lieber CH-Produkte essen als das Zeug, wo wir nicht wissen wie es hergestellt wurde.
    • 26.09.2012
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  • jürg  frey , teufen
    Der Bauer mit seinen Tieren, Getreide etc. ist ein Basis-Grundstein allen menschlichen Lebens. Kein i-phone, kein Notebook, kein elektronischer Baustein das du in die Erde setzt gedeiht; auch Geld nicht. Vergessen wir das nicht. Diese Dinge werden viel zu hoch gewertet. Die Ernüchterung folgt wenns uns denn wieder mal schlecht gehen sollte. Es lebe der Bauer; der Gut ist zur Natur und zu den Tieren.
    • 26.09.2012
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  • samuel  schaufelberger , hittnau
    Danke... Jez mus nur noch die altersbeschränkung der direktzahlungsberechtigten aufgehoben werde und dann wird ein junger bauer nie mehr bauern können!!! Bald ist es geschafft...
  • Chris  Portavoz
    Sehr guter Entscheid. Dass aber immer noch 80 Parlamentarier Herrn Aebi unterstützen gibt schon zu denken. Wenn ein Bauer belohnt wird, der nur eine Fläche für 10 Kühe hat, aber 20 Kühe hält und Soja aus Übersee einführt und verfüttert, ist doch der grösste Schwachsinn.
  • Sepp  Rimensberger
    Die Milchschwemme und Butterberge könnte man auch anders abbauen,indem man nicht mehr soviel Milch importieren würde.
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