Nationalrat will Arbeitsgesetz aufweichen Zu Hause ists am schönsten

FDP-Nationalrat Thierry Burkart (41) will das Arbeitsgesetz zu Gunsten von Arbeit im Heimbüro aufweichen. Arbeitnehmer bekämen dadurch mehr Gestaltungsfreiheit, sagt Burkart. SP-Nationalrat Corrado Pardini hingegen warnt vor einer «totalen Ausbeutung».

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Jetzt kommt die Lex Homeoffice! Der Nationalrat will das Arbeitsgesetz zu Gunsten von Heimarbeit aufweichen. FDP-Nationalrat Thierry Burkart (AG) hat bereits eine Mehrheit der Nationalräte für dieses Anliegen hinter sich geschart.

104 Unterschriften für Burkarts Vorstoss

104 Volksvertreter aus allen bürgerlichen Parteien – darunter die Parteichefs Petra Gössi (FDP), Gerhard Pfister (CVP), Albert Rösti (SVP) und Martin Bäumle (GLP) – haben eine parlamentarische Initiative unterschrieben, die Burkart heute eingereicht hat.

Nationalrat will weicheres Arbeitsgesetz: Mehr Home Office statt Büro play
FDP-Nationalrat Thierry Burkart (AG): «Ich will das Arbeitsgesetz dem Zeitalter der Digitalisierung anpassen.» EQ Images

«Immer mehr Arbeitgeber ermöglichen es ihren Arbeitnehmern, die Arbeit teilweise zu Hause zu verrichten», sagt Burkart. Doch das Arbeitsgesetz trage dem zu Ungunsten der Arbeitnehmer zu wenig Rechnung. «Vor allem jene, welche Beruf und Familie besser miteinander vereinbaren möchten, werden durch das Gesetz eingeschränkt.»

Drei Punkte ändern

Konkret will Thierry Burkart drei Punkte ändern:

> Arbeitsrahmen: Heute muss die tägliche Tages- und Abendarbeit (6 bis 23 Uhr) innerhalb eines Zeitraums von 14 Stunden absolviert werden. Burkart will diesen für Arbeitnehmer, «die ihre Arbeitszeiten zu einem namhaften Teil selber festsetzen können», auf 17 Stunden strecken. «Jemand, der seine schulpflichtigen Kinder betreut, würde dann vielleicht am Morgen vier Stunden, am Nachmittag zwei Stunden und abends, wenn seine Kinder im Bett sind, nochmals zwei Stunden arbeiten», so Burkart. 

> Ruhezeit: Heute muss zwischen zwei Arbeitstagen eine Ruhezeit von mindestens elf Stunden liegen. «Gelegentliche Arbeitsleistungen von kurzer Dauer» sollen künftig nicht mehr als Unterbruch der Ruhezeit gelten. «Wer heute um 22 Uhr noch ein paar E-Mails beantwortet, darf am nächsten Tag frühestens um 9 Uhr wieder zu arbeiten beginnen. Das ist doch absurd», sagt der FDP-Mann.

> Sonntagsarbeit: Sonntägliche Arbeitseinsätze in der eigenen Wohnung sollen künftig keine behördliche Bewilligung mehr erfordern. Burkart: «Viele würden gerne mal den Sonntag nutzen, um zu Hause ein paar Stunden ungestört zu arbeiten.»

«Mehr Gestaltungsfreiheit»

Das heutige Arbeitsgesetz orientiere sich an einer von der Realität längst überholten Arbeitswelt aus dem Zeitalter der Industrialisierung, kritisiert Burkart. «Ich will es dem Zeitalter der Digitalisierung anpassen», erklärt der Aargauer. Die Zahl der Arbeitsstunden bleibe gleich, könne aber flexibler verteilt werden. «Das gibt dem Arbeitnehmer mehr Gestaltungsfreiheit!»

SP-Pardini: «Angriff auf Arbeitnehmerschutz»

Bei SP-Nationalrat und Gewerkschafter Corrado Pardini (BE) stösst die Idee auf vehementen Widerstand. «Das ist ein bürgerlicher Angriff auf den Arbeitnehmerschutz.» Der Vorstoss leiste der Tendenz Vorschub, dass Arbeitnehmer praktisch rund um die Uhr zur Verfügung stehen müssten.

Nationalrat will weicheres Arbeitsgesetz: Mehr Home Office statt Büro play
SP-Nationalrat Corrado Pardini (BE): «Das ist ein bürgerlicher Angriff auf den Arbeitnehmerschutz.»

«Gerade in Zeiten von zunehmendem Stress ist genügend Erholung wichtig. Es braucht eine klare Trennung zwischen Arbeit und Freizeit, eine Vermischung führt zur totalen Ausbeutung», wettert Pardini. «Homeoffice ist auch mit dem heutigen Gesetz problemlos möglich.»

Publiziert am 01.12.2016 | Aktualisiert am 01.12.2016

Das meint BLICK: Andreas Dietrich, Stv. Chefredaktor

Geistiger Büroschluss

Morgens einstempeln, abends erschöpft nach Hause trotten. Der Alltag vieler Berufsleute sieht nicht mehr so aus. Sie erledigen die Arbeit dann, wenn sie getan werden muss. Dort, wo es am besten geht. In der Regel im Büro manchmal auch daheim oder unterwegs. Es ist vernünftig, das Gesetz dieser zunehmend digitalen, flexiblen ­Arbeitsweise anzupassen. Niemand wird gezwungen, seine Wohnung als 24-Stunden-Büro zu betreiben. Aber wer kann und will, erhält mehr Selbst­bestimmung. Mehr Freiheit.

Die Gewerkschaften sehen darin reflexartig einen «Angriff auf den Arbeitnehmerschutz». Sie bemühen gar den Klassenkampf-Oldie «Ausbeutung!». Ein weiterer öder Beleg dafür, wie weltfremd manche von ihnen sind.
Fern der Realität, weg von den Arbeitnehmern, hinter der Zeit. Wer geistig schon Büroschluss gemacht hat, verpasst die Chancen der Gegenwart.

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8 Kommentare
  • Marlies  Hess aus Langenthal
    01.12.2016
    Ich wäre froh um Homework. Die ganze Pendlerei geht mir auf den Wecker. Überall Stau oder gedränge in den ÖV. Wäre auch viel unweltfreundlicher. Essen könnte ich auch richtig als immer nur was kleines vom Take away. Essen sollte man am Mittag und nicht am Abend, schon der Gesundheit zu liebe.
  • Thomas  Hager aus Luzern
    01.12.2016
    Das ist die Vorbereitung dazu das Büroarbeiten von Schweizer Firmen ins Ausland verlagert werden und folglich diese Arbeitnehmer nicht mal mehr Quellensteuer in der Schweiz bezahlen müssen. Diese Arbeiter könnten also noch günstiger als Heute beschäftigt werden. Typisch FDP und Gehilfen, vorneherum vorgeben für die Schweizer Arbeitnehmer zu politisieren dabei geht es hintenrum nur um die Firmen. Die Schweizer würden einmal mehr verlieren.
    • Marco  Weber 01.12.2016
      Vorbereitung? Herr Hager wenn Schweizer Firmen wollen können Sie die Büros schon jetzt ins Ausland verlagern! Das hat gar nichts miteinander zu tun!
    • Thomas  Hager aus Luzern
      01.12.2016
      Herr Weber, ich denke vor allem an die Grenzgänger die nach dieser Vorbereitung gar nicht mehr in die Schweiz kommen müssen und somit hier keine Steuern mehr bezahlen. Das Andere ist mir schon klar, ins Büro rufen oft nur noch Inder an.
  • Gian  Zender , via Facebook 01.12.2016
    Diese Gewerkschaften schaden nicht nur den Arbeitgebern, sondern in zunehmendem Masse auch den Arbeitnehmern. Einmal ist man aus irgendwelchen abstrusen Gründen gegen Flexibilität, die letztlich den Arbeitnehmern nützt, ein andermal gegen Sonntagsverkauf, obwohl insbesondere viele schlecht bezahlte Arbeitnehmer die Möglichkeit haben, dabei mehr zu verdienen. Und was passiert, wenn man über 50-jährige einen Kündigungsschutz zubilligt, kann sich jeder ausrechnen, keine mehr eingestellt.
  • Rocky  Stall aus Wiesendangen
    01.12.2016
    Zur Info; Google hat zürückbuchstabiert - und das Homeoffice praktisch aufgehoben - die Kommunikation, der Infofluss u.v.m. leidern darunter. Auch die Produktivität - es braucht Disziplin seinen Job genau so zuverlässig zu Hause zu machen wie im Büro oder wo auch immer. Und richtig ist; Grossunternehmen wie Banken, Versicherungen etc. gewähren bereits Homeoffice - also nichts Neues.
  • Pollner  Josef 01.12.2016
    Nur weiter so, bis kein Arbeitgeber mehr in der Lage ist die SP-Träume in den Wachzustand zu führen. Am Ende müssen die Arbeitnehmer nur noch an den Arbeitgeber denken - und fertig ist die Arbeit.