Nationalrätin Kathrin Bertschy zur Sexismus-Debatte «Wölfe sind wichtiger als ermordete Frauen»

GLP-Nationalrätin Kathrin Bertschy (BE) sieht eine «unterschwellige patriarchale Kultur» als Ursache für Sexismus. Der Bundesrat setze sich zu wenig für Frauenanliegen ein, kritisiert sie. Und das Parlament setze falsche Prioritäten.

Sexismus-Debatte im Parlament: Prioritäten von Männern falsch gesetzt play
GLP-Nationalrätin Kathrin Bertschy: «Wir haben nach wie vor eine unterschwellige patriarchale Kultur, wo Anliegen und Rechte der Frauen verniedlicht, verharmlost oder gar tabuisiert werden.» EQ Images

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SVP-Nationalrätin Andrea Geissbühler (BE) löste mit ihrer Forderung nach milderen Strafen für Vergewaltiger, wenn das Opfer «mitschuldig» sei, eine Sexismus-Debatte aus.

Seither reden Frauen auf Twitter unter dem Hashtag #SchweizerAufschrei über sexistische Erfahrungen und Erlebnisse. Auch Parlamentarierinnen im Bundeshaus sind vom alltäglichen Sexismus betroffen. 

«Das Parlament debattiert lieber über Wölfe»

GLP-Nationalrätin Kathrin Bertschy (BE) ist Co-Präsidentin des Frauendachverbands Alliance F. Sie ortet klare Ursachen für den Sexismus: «Wir haben nach wie vor eine unterschwellige patriarchale Kultur, wo Anliegen und Rechte der Frauen verniedlicht, verharmlost oder gar tabuisiert werden. Das ist der Nährboden für den Sexismus, der derzeit diskutiert wird», sagt sie in einem in der «Aargauer Zeitung» und der «Südostschweiz» veröffentlichten Interview.

Alle zwei Wochen werde in der Schweiz eine Frau von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet, so Bertschy. Darüber werde kaum gesprochen. Und wenn es in den Medien zum Thema werde, dann sei nicht die Rede von Mord, sondern von Familiendramen.

«Damit wird suggeriert, dass die Frau eine Mitschuld an ihrem Tod hat. Dabei wurde sie getötet, weil ein Mann nicht akzeptieren wollte, dass seine Frau ihm nicht gehorcht», meint Bertschy. «Doch darüber redet die Politik nicht. Das Parlament debattiert lieber über Wölfe, die ein paar Schafe gerissen haben.»

«Solch ein Wandel macht vielen Männern Angst»

Frauenthemen würden es nicht auf die politische Agenda schaffen. So habe der Nationalrat etwa das Thema der Lohnunterschiede zwischen Mann und Frau aus der Legislaturplanung streichen wollen. 

«Das Parlament will sich erst gar nicht damit befassen, denn sonst müsste man sich eingestehen, dass es das Problem gibt», erklärt Bertschy dazu.

Und: «Für viele Männer ist es unangenehm, Macht und Einfluss mit Frauen zu teilen. Sie wollen lieber ihr Kumpanei-System aufrechterhalten, als eine Kultur schaffen, wo Leistung belohnt wird. Solch ein Wandel macht nicht allen, aber vielen Männern Angst.»

Kritik am Bundesrat 

Die GLP-Frau kritisiert auch den Bundesrat, der sich in ihren Augen zu wenig für die Gleichstellung einsetzt. In anderen Staaten übernehme die Regierung ihre Verantwortung. So setze sich etwa Barack Obama in den USA für Lohngleichheit ein.

«Der Bundesrat setzt sich nicht für Frauenanliegen ein, wenn, dann überlässt er es den Bundesrätinnen», so Bertschy und nennt das Beispiel Lohngleichheit: «Simonetta Sommaruga hat Vorschläge gemacht und wurde dafür sofort angegriffen. Doch auch Alain Berset, er ist nämlich für die Gleichstellung verantwortlich, oder Johann Schneider-Ammann, er ist für die Fachkräfteinitiative verantwortlich, könnten sich des Themas stärker annehmen.»

Bürgerliche zu konservativ

Problematisch sei auch die konservative Haltung der bürgerlichen Parteien in Frauenfragen. «Wer Frauenanliegen vertritt, wird schnell in eine linke Feministinnen-Ecke gedrängt und als unglaubwürdig dargestellt», sagt Bertschy.

Sie habe sogar schon von Politikerinnen gehört, «denen geraten wird, Frauenthemen sein zu lassen, wenn sie Karriere machen möchten».

Bertschy hofft, dass nach der Sexismus-Debatte nun eine Diskussion über Frauenanliegen geführt werden könne. «Vielleicht hilft uns die Burkadebatte, welche die Rechte so gerne führt. Dabei geht es nämlich nicht nur um Kleidervorschriften, sondern auch um Frauenrechte.»(rus)

Publiziert am 17.10.2016 | Aktualisiert am 27.10.2016
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55 Kommentare
  • Eric  Pudles , via Facebook 18.10.2016
    Bizarr, da werden sie gemäss ihrer Ansicht sexuell belästigt und kommen dann manchmal erst nach 2 Jahren und mehr damit raus.
    Ein Mann, der sich alleine mit einer Frau in einem Lift befindet und diese freundlich anlächelt riskiert es schon als sexueller Belästiger angezeigt zu werden. Früher konnte man noch Komplimente machen, wie: ein nettes Kleid, dass du da trägst, das ist aber heute schon ein Risiko für jeden Mann. Dank an die hard core Feministen für diesen Zustand.
  • Erich  Winter , via Facebook 17.10.2016
    Frau Bertschy, gehe mit Ihnen einig, in Sachen Verbrechen. Das es aber nur Angelegenheiten sind patriarchalische Machtbefugnisse ist schon eher Paradox.Damit betten sie denn Wolf wieder in den Schafpelz. Bin voll für die Gleichberechtigung der Frauen aber dan soll es durchwegs auch so sein.Gleichstellung heisst nicht, mit Bedienung ander.oder es denn andern überlassen.Vorallem in Besitzergreifung,im rechten Sinn,haben einige Mühe.Solange der Wolf den Ball nicht weg frisst, wird es kaum ändern.
  • Walter  Krebs 17.10.2016
    Sexismus ist so alt wie die Welt, aber immer wieder wird versucht ihn neu zu definieren. Jeder zeigt auf den anderen. Schreit Amerika, schreit die ganze Welt und sogar im Bundeshaus hat frau/mann gemerkt, dass es Sexismus gibt. Der langen Rede kurzer Sinn: Was Hänschen und Fränzchen zuhause nicht lernen – Vorbild - lernen Fränzchen und Hänschen nimmermehr!
    W. Krebs, Bern
  • Peter  Lanz 17.10.2016
    Ja, ja, dass sind genau die Frauen die einem erklären das man zu lieb sei und sie gerne einen Macho hätten. Ein paar Jahre später bereuen sie es dann. Aber eben , man muss es nicht verstehen.
  • Mona  Hefti , via Facebook 17.10.2016
    Die Frauen in der CH haben es gut, finde ich. Jedenfalls fühlte ich mich noch nie benachteiligt. Jede CH Frau kann frei entscheiden was sie mit ihrem Leben anfangen will; möchte sie Kinder oder nicht, Karriere oder nicht? Und was die Scheidungen angeht bin ich als Frau ganz klar der Meinung das die Gesetze angepasst werden müssten, der Ehemann hat in jedem Fall immer verloren, total unfair! Betreff Familien und beide arbeiten, man möchte auch jeden Luxus, weniger wäre in diesem Fall besser!