Nach BLICK-Bericht über Parmelins Bauland-Affäre Ständerat schmettert Steuerprivilegien für Bauern ab

BERN - Vor einem halben Jahr weibelte Bundesrat Parmelin noch für eine Vorlage, die Steuerprivilegien für Bauern beim Verkauf von Land im Gesetz verankern sollte. BLICK deckte auf, dass sein Bruder davon profitieren würde.

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Parmelins Lobbying scheint nun definitiv das Fass zum Überlaufen gebracht zu haben, der Ständerat schmetterte mit 27 zu 12 Stimmen die Motion für Steuerprivilegien für Landwirte beim Verkauf von Bauland ab. Bisher konnten Bauern ihr Land mit einem günstigen Steuersatz verkaufen. Ein Bundesgerichtsentscheid schob dieser jahrelangen Bevorzugung des Bauernstandes einen Riegel vor. Das hingegen wollten die Bauern nicht hinnehmen und forderten das Parlament in einer Motion auf, die Steuererleichterungen per Gesetz zu verankern.

An vorderster Front weibelte Bundesrat Parmelin bei seinen Amtskollegen für dieses Gesetz. BLICK deckte aber auf, dass Parmelins Bruder von diesem Gesetz profitieren würde, ein Interessenkonflikt liegt auf der Hand. Die Bauland-Affäre bewegte die Schweiz, sogar der Bundesrat kritisierte den damals frisch gewählten Bundesrat. «Bundesrat Parmelin hat selber erkannt und öffentlich kommuniziert, dass dies ein politischer Fehler war», gestand die Regierung schliesslich ein.

Starke Mehrheit

Das Geschäft muss zwar noch durch den Nationalrat, doch auch bei einem Ja wird der Ständerat kaum wanken – dafür ist die Mehrheit zu stark.

Verschiedene Ständeräte verwiesen auf das Gebot der Rechtsgleichheit. Selbständige Landwirte und andere Selbständigerwerbende mit Grundstücken in der Bauzone sollten gleich behandelt werden. Mit der Gesetzesänderung würden aber Bauern bevorzugt.

Die Vorlage verletze zudem das Prinzip der Besteuerung nach wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit, sagte Kommissionssprecher Martin Schmid (FDP/GR) im Namen der Mehrheit. Zudem schaffe es einen Anreiz für die Einzonung von Kulturland.

Durch die Praxisänderung könne es zwar zu Härtefällen kommen, etwa bei der Übergabe eines landwirtschaftlichen Betriebs. Die meisten davon könnten aber mit einem Steueraufschub vermieden werden. Bereits heute hätten zum Beispiel die Kantone diese Möglichkeit.

Bundesgericht verbietet Privilegien

Damit es künftig zu weniger Härtefällen kommt, soll die Praxis der Kantone bei der direkten Bundessteuer vereinheitlicht werden. Die Eidgenössische Steuerverwaltung plane ein entsprechendes Rundschreiben, führte die Mehrheit aus. Allenfalls soll die Kommission selber aktiv werden und einen Vorstoss zur Verhinderung von Härtefällen vorlegen.

«Das reicht nicht», kritisierte Hannes Germann (SVP/SH) und zählte verschiedene Beispiele von benachteiligten Bauern auf. «Es muss eine Lösung des Gesetzgebers geben, wir dürfen dieses Problem nicht an die Gerichte abschieben.»

Germann verwies damit auf die Vorgeschichte der angedachten Gesetzesänderung. Auslöser dafür war ein Bundesgerichtsentscheid von 2011. Vorher waren Gewinne aus dem Verkauf von land- und forstwirtschaftlichen Grundstücken von der direkten Bundessteuer befreit. Die Richter in Lausanne begrenzten dieses Privileg auf Grundstücke, die dem Bundesgesetz über das bäuerliche Bodenrecht unterstellt sind.

400 Millionen Franken Steuerausfälle

Das Parlament überwies nach diesem Entscheid eine Motion, die ein Gesetz nach der früheren Praxis verlangte. Der Bundesrat musste im Anschluss eine Vorlage ausarbeiten. Dabei erwähnte er, dass beim Bund und bei den Sozialwerken geschätzte Ausfälle von 400 Millionen Franken pro Jahr in Kauf genommen werden müssten.

Im Ständerat sprach Finanzminister Ueli Maurer von einer «Privilegierung». Der Bundesrat sei der Auffassung, dass das Gesetz das Gebot der Rechtsgleichheit verletze. Auch werde nicht nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit besteuert. Aus diesen Gründen hatte der Bundesrat darauf verzichtet, dem Parlament die Annahme der Vorlage zu empfehlen.

Nun ist wieder der Nationalrat am Zug, welcher der Vorlage im April mit 100 zu 84 Stimmen bei 3 Enthaltungen zugestimmt hatte. SVP und CVP stimmten geschlossen zu, einzelne Stimmen kamen auch aus der FDP. Auf Antrag der Kommission beschloss der Nationalrat dabei auch, dass alle noch hängigen Veranlagungen nach dem neuen Recht beurteilt werden sollen. Bedenken wegen der Unzulässigkeit der Rückwirkung verhallten ungehört. (shu/SDA)

Publiziert am 13.12.2016 | Aktualisiert am 13.12.2016
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7 Kommentare
  • Ruedi  Stricker , via Facebook 13.12.2016
    @Sanne Stebler. Kein «Privater», wie Sie das nennen, kann Landwirtschaftsland als Bauland verkaufen. Nur ein Bauer kann jahrzehntelang Subventionen kassieren, den Boden kaputtmachen, dann einzonen lassen und als Bauland verkaufen. Und zur Schlussbemerkung: Die meisten Schweizer haben überhaupt kein Land.
  • Annemarie   Setz 13.12.2016
    Dieser Entscheid ist richtig. Ich befürworte, dass man Landwirten, vor allem jenen in der Bergregion, hilft bei der Bewirtschaftung ihres Hofes, denn die Landwirtschaft ist sehr wichtig für die Schweiz und für den Schutz der Land- und Bergregionen. Den Landwirten, die ihr wunderbar fruchtbares Land und ihr Weideland für teuresGeld an immer mehr Industriebetriebe und Riesenüberbauung verscherbeln, sollte man nicht noch Steuervergünstigungen anbieten. Bestes Agrarland wir geopfert.
  • Arbeit  Nehmer 13.12.2016
    Gut so! Es wird Zeit, dass die Zuschüsse, Privilegien und Direktzahlungen heruntergefahren werden. Jeder andere Unternehmer muss selber schauen, dass er profitabel geschäftet.
  • Ruedi  Schnyder 13.12.2016
    Was heisst hier selbständige Landwirte ? So viel ich weiss, ist man selbständig, wenn man sein Geld selbst erarbeitet und nicht wenn man immer mehr nach neuen Subventionen [ Direktzahlungen ] jammert und so ein Angestellter des Bundes, sprich der Schweizer Bevölkerung ist. Das Gesetz ist für alle gleich. Wer am lautesten jammert, kriegt auch am meisten. Wann kriegen wir andern endlich auch Subventionen vom Bund ? Steuererleichteungnen oder endlich bezahlbare KK - Beiträge ?
    • Ulrich  Schwab 13.12.2016
      60 Prozent des Einkommens von den Landwirten ist erjammert. Bedeutet der Steuerzahler ist der Lohngeber und ist nicht erwirtschaftet.
  • Stefan  Treier aus Effingen
    13.12.2016
    Wenigstens sieht der Ständerat ein, dass dieses einzigartige Steuerprivileg absolut ungerechtfertigt ist und einer Rechtsungleichheit entspricht. Das verwerfliche Steuerprivileg ist gegenüber jedem Steuerzahler, auch Landwirten, die ihr Geld mit Arbeit und nicht mit Baulandverkauf verdienen, unkorrekt. Es stimmt sehr bedenklich, dass ein Bundesrat sich für eine solche Vorlage einsetzt. Direktes oder indirektes persönliches Interesse? Ein solches Verhalten wirft Schatten Herr Parmelin!
    • Sanne  Stebler 13.12.2016
      Wenn Bauern für Baulandverkauf 50 bis 70 Prozent Steuern zahlen müssen, dann ist es das mindeste, dass Private die Landwirtschaftsland als Bauland verkaufen (z.B. Erben/Nichtbauern welche Bauland verkaufen) auch mit 50-70 Prozent Steuern belastet werden und nicht wie heute mit 5-20 Prozent. Nicht Bauern, sondern Private sind heute privilegiert. Zudem wird heute mehr Bauland von Privaten als von Bauern verkauft.