Genfer Imam: «Muslime dürfen nicht länger abseits stehen»

  • Publiziert: 02.12.2009, Aktualisiert: 03.01.2012
play Berüchtigt für radikale Positionen: der Genfer Imam Youssef Ibram. (Reuters)

BERN – Nach dem Minarett-Verbot fordern alle Parteien die Muslime auf, sich besser zu integrieren. Der Genfer Vorbeter stimmt zu. Mit der Scharia habe er nichts am Hut.

Die Schweizer Muslime seien verpflichtet, Klischees zu ändern, die ein Teil der Bevölkerung gegenüber dem Islam hege. Das sagt Youssef Ibram, Imam der Genfer Moschee. Er bedauert, dass Ereignisse im Ausland den Anhängern des Minarett-Verbots als Argumente dienen.

Falls ein Muslim hier oder im Ausland ein schlechtes Bild vom Islam abgebe, dürfe nicht eine ganze Gemeinschaft dafür büssen, erklärt Ibram in einem Interview in der Westschweizer Zeitschrift «LIllustré». Er spricht damit unter anderem wohl auch auf den ehemaligen Leiter des Genfer Islam-Zentrums, Tarik Ramadan, an.

Der Muslim mit Schweizer Pass hatte im Herbst 2002 in einem Interview die Steinigung von Ehebrecherinnen befürwortet. «Schrecklich» sei diese Strafe zwar schon – aber dem «extrem gravierenden Vergehen angemessen».

Die Art der Strafe entspreche der Art der Sünde: die abgeschnittene Hand für den Diebstahl, die Steinigung für das uneheliche Vergnügen, erklärte Ramadan – und löste damit einen Aufschrei des Entsetzens aus.

Imam Ibram ist nun versucht, Ramadan zum Aussenseiter zu erklären. «Nie hat ein hochrangiger Muslim oder eine Gemeinschaft verlangt, die Scharia in der Schweiz anzuwenden», unterstreicht er. Für Ibram ist die muslimische Gemeinschaft der Schweiz dafür verantwortlich, die «Intransparenz» zu beseitigen und nicht länger «abseits» zu stehen.

«Wir müssen deshalb am politischen, gesellschaftlichen und sozialen Leben teilnehmen. Es ist an den Schweizer Behörden, uns bei diesem Schritt zu helfen», fasst er zusammen. (SDA/hhs)

Freiburg will Integration verstärken

Nach der Annahme des Minarett-Verbots ruft die Freiburger Kantonsregierung zu einer aktiven Integrationspolitik auf. Sie messe der Integration von Migrantinnen und Migranten ein besonderes Gewicht bei, schreibt sie in einer Mitteilung .Die Beteuerung richtet sich vor allem an die Adresse der im Kanton wohnhaften Musliminnen und Muslime. Die Regierung befürchtet, dass sie vom Abstimmungsausgang verunsichert sein könnten. Die Erfahrung habe gezeigt, dass die islamische Gemeinschaft in Freiburg fähig und willens sei, den Austausch zu fördern. Er werde seine aktive Integrationspolitik namentlich in den Schulen verstärken, schreibt der Freiburger Staatsrat weiter. Unabhängig vom Ausgang der Abstimmung müsse eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Integrationsproblematik stattfinden. Daran sollten sich Laien wie auch geistliche Vetreter der Reglionsgemeinschaften beteiligen.