Multi-Milliardär Wyss kämpft für Bilaterale «Die Schweiz gehört zur EU»

Der Unternehmer und Multimilliardär Hansjörg Wyss (79) ist bereit, Abschottungs-Gegner zu unterstützen. Auch finanziell.

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BLICK: Sie sind in Ihre Heimatstadt Bern gereist, um Ihren Standpunkt in der Europa-Frage klarzumachen. Was hat Sie dazu bewogen?
Hansjörg Wyss:
Als Bub im Berner Weissenstein-Quartier mussten wir immer wieder in den Keller hinunter flüchten. Damals war Krieg, die Welt war geteilt. Dann, 1951, begann der europäische Einigungsprozess. Eine fantastische Entwicklung! 500 Millionen Leute, die in Frieden und Freiheit zusammen leben. Das gab es in Europa noch nie.

Ist das Wissen über diesen Prozess heute verschüttet?
Ja, leider. Die EU hat sehr wichtige Errungenschaften erzielt. Oft reden wir aber nur darüber, dass Brüsseler Bürokraten uns vorschreiben wollen, wie gross eine Kartoffel sein darf. Natürlich ist das Chabis! Aber das muss man halt einfach igno­rieren, wie es die heutigen EU-Staaten bereits tun. Bürokraten gibt es ja überall, auch in Bern.

Sie sind heute an einem Anlass für junge Forscher aufgetreten. Wa­rum liegt Ihnen der akademische Nachwuchs so am Herzen?
Mir wurde viel Geld in die Schuhe geschaufelt. Ich kann dieses Geld nicht gebrauchen. Deshalb unterstütze ich Kunstschulen, Universitäten und Studenten. Die Jugend ist die Zukunft jedes Landes.

Was wäre so schlimm an einer Einschränkung der internationalen Kooperation?
Es geht nicht nur um die Jugend. Es geht auch um die Wirtschaft. Unsere ganze Industrie lebt davon, was an den Universitäten passiert. Unsere Hochschulen müssen weltweit die besten Köpfe zusammenbringen können, sonst müssen wir die Hochschulen vergessen.

Welchen Weg schlagen Sie bei der Umsetzung der Masseneinwanderungs-Initiative vor?
Wir dürfen die bilateralen Verträge unter keinen Umständen aufgeben. Wir müssen Schengen beibehalten. Klar gibt es Prob­leme wegen der offenen Grenzen. Aber die kann man lösen.

Sie können sicher verstehen, dass offene Grenzen Ängste hervorrufen.
Wieso?

Man kann nicht mehr kontrollieren, wer in die Schweiz kommt.
Wie viele Einwanderer haben denn in den letzten 20 Jahren in Bern ein Haus niedergebrannt? Keiner! Wenn wir ehrlich sind, ist doch fast nichts Böses passiert – trotz der offenen Grenzen. Wer in die Schweiz will, der kommt immer rein. Das war schon früher so.

Wären Sie bereit, den Kampf für die bilateralen Verträge auch finanziell zu unterstützen?
Ja, das wäre ich.

In Ihrer Rede sagten Sie, die Schweiz sei drauf und dran, zentrale Werte aufzugeben. Was meinen Sie damit?
Früher sind die erfolgreichen Schweizer ins Ausland gegangen. Man denke nur an César Ritz, Gründer der Ritz-Hotels. Als ich aufwuchs, wurden weltweit 40 Prozent aller Schiffe von Schweizer Dieselmotoren angetrieben. Was ich sagen will: Es war schon immer unser Urwert, international zu sein, inter­national zu denken. Darum geht es uns heute so gut. Das wird von den Schwarzmalern leider zu wenig gewürdigt.

Ihre Botschaft an die Schweiz?
Wir sind Europäer und wir sind Schweizer. Ich liebe unsere Bauerndörfer. Ein Jodelchörli zu hören, zählt für mich zum Schönsten überhaupt. Diese Traditionen müssen wir erhalten. Die Leute, die sie pflegen, machen die Schweiz zu dem, was sie ist. Das gilt aber auch für unsere Ingenieure, Akademiker und Unternehmer, die die internationale Schweiz verkörpern. Deshalb müssen wir offen sein gegenüber der Welt. Die Schweiz gehört zur EU. Das heisst nicht, dass wir Mitglied werden müssen. Aber wir sind so eng mit ihr verbunden, dass wir faktisch schon dazugehören. Das dürfen wir nicht aufs Spiel setzen.

Publiziert am 03.10.2014 | Aktualisiert am 03.10.2014
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17 Kommentare
  • Michael  Meienhofer aus Ostermundigen
    03.10.2014
    Herr Wyss, warum nehmen sie nicht all ihr Geld mit und wandern in die EU aus ? Müssen sie sich noch quälen ? anstatt eine ruhige Kugel in einem EU Land schieben ? - und uns mit ihren Phantastereien in Ruhe lassen - wir wollen nicht !
  • Bernd  Matzgen 03.10.2014
    Warum lebt Herr Wyss dann im weiten Land der unbegrenzten Möglichkeiten auf einer 3.8 Millionen m2 grossen Ranch mit Wineyard? Weil es soviel Land für einen Einzelen in der CH nicht gibt? Der kommt mir vor wie einer, der in einer Luxusjacht neben dem kleinen und überfüllten Boot Schweiz herfährt und rüberruft "nehmt noch mehr Leute auf, es hat noch Platz in eurem Boot"!
  • Markus  Bieber 03.10.2014
    Wenn das Wort EU fällt, dann bekommen einige Leute Scheuklappen und sehen Rot. Ich bin nicht für die EU, ich glaube sogar, dass es die EU und 30 - 40 Jahren nicht mehr in der Form gibt. Aber wir sind mitten in Europa und wir sind als Handelspartner auf die EU wie auch auf den Rest der Welt angewiesen. Deshalb wäre es wichtig, dass wir der EU sagen was wir wollen und was nicht. Aber es muss Sachlich bleiben um unsere Position nicht zu schwächen. Ob mit oder ohne Billaterale.
  • Meyer  Hans 03.10.2014
    Anscheinend haben einige Kommentatoren schwieriegkeiten zu lesen. Herr Wyss sagt sagt, dass die Schweiz zur EU gehört aber nicht, dass die Schweiz die EU beitretten muss. Und schauen Sie mal wer unser wichtigsten Handelspartner ist, die EU !
  • Steven  Christen aus Basel
    03.10.2014
    Für Multimillionäre spielt das doch keine Rolle, ob die nun hundert oder zweihundert Tausend Franken Steuern zahlen - ebenso mit der MwSt mit mindestens 18 Prozent in der EU. Wir müssen UNABHÄNGIG, NEUTRAL und FREI bleiben von Europa, denn so haben wir wirtschaftlich schon ein grossen Vorteil. Wir haben die tiefste Arbeitslosigkeit in Europa. Warum sollten wir diese Freiheiten und die Unabhängigkeit abgeben und dann viel mehr Steuern zahlen für konkurse Länder?