Hält der Wohlensee-Staudamm oberhalb des AKW Mühleberg bei einem starken Erdbeben oder hält er nicht? Diese Frage hat das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi) heute positiv beantwortet und damit eine sofortige Abschaltung des AKW verhindert.

Bereits Anfang Monat hatte die BKW ein Baugesuch für Instandhaltungsarbeiten an der Stauanlage eingereicht. Geplant sind für rund 12 Millionen Franken eine Verstärkung des Untergrunds unterhalb der Stauanlage durch 18 Meter hohe Bohrpfähle.

Die Standfestigkeit der Stauanlage entspricht laut BKW aber schon heute den Anforderungen – eine Einschätzung, die nun auch das Ensi vertritt. Die Anlage halte einem extremen Erdbeben stand, hielt Georg Schwarz vom Ensi fest. «Es sind jedoch nicht besonders viele Reserven da».

Auch die Betreiber der anderen vier Schweizer Atomkraftwerke haben gemäss Ensi den Nachweis erbracht, ein 10'000-jährliches Erdbeben beherrschen zu können. Es bestehe somit kein Kriterium der Ausserbetriebsnahmeverordnung. Alle AKW könnten in Betrieb bleiben.

«Gösgen muss Massnahmen ergreifen»

Rüffel gibt es für das AKW Gösgen: Dieses habe einen «qualitativ teilweise mangelhaften Erdbebennachweis eingereicht», schreibt das Ensi. Der AKW-Betreiber musste Daten nachliefern.

Die Überprüfung dieser Unterlagen habe gezeigt, dass jetzt die wichtigsten Forderungen erfüllt seien. Das Ensi könne den Nachweis akzeptieren. Allerdings will die Aufsichtsbehörde die zuletzt nachgereichten Unterlagen noch vertieft prüfen.

Und sie fordert Taten: Die Qualität der für die Sicherheitsanalysen beim AKW Gösgen zuständige «Analysegruppe» müsse verbessert werden, hielt Ensi-Direktor Hans Wanner fest. «Gösgen muss wirklich Massnahmen ergreifen, die das Problem lösen.»

Extreme Wetterbedingungen

Trotzdem: Die AKW-Betreiber konnten laut Ensi nachweisen, «dass ihre Anlagen ein 10'000-jährliches Erdbeben und die Kombination von Erdbeben und erdbebenbedingtem Hochwasser beherrschen».

Als nächstes will die Aufsichtsbehörde nun das Funktionnieren unter extremen Wetterbedingungen wie Tornados oder Starkregen überprüfen. Letzte Woche erhielten die AKW-Betreiber den entsprechenden Brief. Zeit, den Nachweis zu erbringen, haben sie bis Ende 2013. (sda/per)

Gösgen mit halber Kraft

Das Atomkraftwerk Gösgen ist heute Vormittag auf die halbe Leistung herunter gefahren worden. Grund dafür war eine erhöhte Vibration an zwei Speisewasserpumpen. Diese Pumpen haben nach Angaben des Werkbetreibers keine sicherheitstechnische Bedeutung.

Speisewasserpumpen fördern Wasser von einem Speisewassertank im Maschinenhaus zu den Damperzeugern, wie es in einer Mitteilung der Kernkraftwerk Gösgen-Däniken AG heisst. Um Schaden an den Pumpen zu verhindern, würden Abklärungen vorgenommen, die einige Tage dauern könnten. Das Ensi sei informiert worden. (sda)

Alle Kommentare (4)

  • David  Ulrich
    Ich würde gerne wissen, bei welchen Katastrophen die Chemiefabriken auseinerfallen.
    • 09.07.2012
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  • Hubertus  Frankenstein , Wohlen
    DANKE an den objektiven Blick des ENSI.
    Als Steuerzahler und Stromverbraucher freut es mich sehr, dass es in unserem Land auch gesund denkende Behörden gibt.
    Gemäss CVP-Wahlpropaganda sollten ja die Atomkraftwerke abgestellt werden und dafür Gaskraftwerke gebaut werden!!!! Ebenso soll jetzt, nachdem wir Milliarden in den Bahnbau verbuttert haben, ein zweites Gotthardloch gebaut werden, damit die Züge danach leer durch die Löcher fräsen!!!
    NEIN DANKE, Frau Leuthard!!!!!!
  • Daniel  Kuhni
    ENSI-Entscheid pro AKW ist Existenzsicherung.
    Existenzsicherung für das ENSI notabene.
    Damit ist ALLES gesagt.
  • Adrian  Messerli , Sursee
    Zusammenfassend ist jetzt also bewiesen, dass unsere AKW einem Erdbeben, wie es alle 10000 Jahre vorkommt, standhalten können. Unklar ist aber noch, ob es bei starkem Regen nicht zu einem Supergau kommen könnte. Also ich hätte im Hinblick auf die Ereignishäufigkeit tendeziell die AKW zuerst auf Regentauglichkeit geprüft.
    • 09.07.2012
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