Kommentar von Blick-Politik-Chef Clemens Studer Minarette waren nicht das Problem

  • Publiziert: 29.11.2009, Aktualisiert: 03.01.2012

Mit dieser Wucht hat kaum einer gerechnet: 57 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer sind gegen den Bau von Minaretten.

Die Nein-Koalition war gross. Aber die Gegner haben töricht argumentiert. Mit der Wirkung eines Ja im Ausland und mit schwammigen IntegrationsAufrufen.

Sie haben unterschätzt, wie bedrohlich eine Mehrheit den Islam einschätzt. Wohlgemerkt, in der Regel nicht den Muslim von nebenan. Denn sonst hätten nicht gerade Kantone wie Genf und Basel, die mit islamischen Parallelgesellschaften tatsächlich in grösserem Ausmass konfrontiert sind, Nein gesagt zur Initiative, während in Appenzell Innerrhoden, wo gerade mal rund 500 Muslime leben, 71,4 Prozent Ja sagten.

Das Nein zum Minarett gilt darum nicht in erster Linie der baurechtlichen Frage, ob auf der Moschee ein Türmchen stehen darf oder nicht.

Geschickt haben es die Initianten in den vergangenen Wochenverstanden, die Diskussion weit über das Baurechtliche ihres Vorstosses hinaus auszuweiten.

Auf die Scharia,
auf die Unterdrückung der Frau, auf Genitalverstümmelung und Zwangsehen. Auf den Weltherrschaftsanspruch des politischen Islam, das Bauverbot für christliche Kirchen in islamischen Ländern, die Libyen-Geiseln und schliesslich auch auf den islamistischen Terror.

Das Ja zur Anti-Minarett-Initiative ist also ein Nein, das «dem Islam» als Synonym für Terror und Unterdrückung gilt.

Die Hauptfrage ist: Welches Mass an Integration in den Alltag verlangen die westlichen Demokratien von Religionsgemeinschaften? Und die Frage ist noch lange nicht vom Tisch.

Diese Debatte wird spannend. Und besonders spannend wird sein, wie sich die gestern siegreiche Koalition dabei verhalten wird. Die Evangelikalen etwa, deren in «Stunden» gepredigtes Weltbild genauso wenig aufgeklärt ist wie das SVP-Frauenbild emanzipiert.

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Clemens Studer, stv. Chefredaktor BLICK

(Philippe Rossier)