
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar abzugeben.
Wenn Sie ein Konto bei Facebook haben, können Sie sich damit anmelden.
play
Hans Geiger scheiterte 2007 als Ständeratskandidate der Zürcher SVP. Jetzt soll der Banken-Experte der Finma auf die Finger klopfen. (ZVG)
Die Banken-Aufsichtsbehörde Finma hat sich beim UBS-Debakel nicht mit Ruhm bekleckert: Niemand schob dem ruinösen Treiben der Grossbank rechtzeitig einen Riegel. Finanzminister Hans-Rudolf Merz hat nun einen Mann eingesetzt, der die Rolle der Finma untersuchen soll: den ehemaligen Bankenprofessor Hans Geiger. Zusammen mit dem Engländer David Green soll er seinen Bericht schon im nächsten Frühling vorlegen (Blick.ch berichtete).
Der 66-Jährige leitete ab 1997 bis zu seiner Emeritierung das Swiss Banking Institute an der Uni Zürich und gilt als profunder Kenner des Schweizer Bankwesens. In den letzten Wochen tat er sich als Kritiker von Ospel und Co. sowie deren Boni-Exzessen hervor. Unumstritten ist Merz Wahl dennoch nicht – im Gegenteil.
SP-Wirtschaftsexpertin Susanne Leutenegger-Oberholzer ist über die Einsetzung Geigers als Finma-Überprüfer entsetzt. «Ich falle aus allen Wolken. Da macht Merz ausgerechnet den Bock zum Gärtner», erklärt die Nationalrätin gegenüber Blick.ch. SVP-Mitglied Geiger habe immer die neoliberale Logik vertreten, die zum Debakel geführt habe.
Deshalb sei er die ungeeignetste Person überhaupt für diesen Job. «Merz und die ganze Banken-Clique haben wirklich kein Schamgefühl, die Geisterfahrt des Bundespräsidenten geht weiter», empört sich Leutenegger-Oberholzer.
Geiger habe zu den geistigen Brandstiftern der aktuellen Krise gehört, schrieb «Das Magazin» vor einigen Wochen. Aus seinem Institut an der Uni Zürich stammt nämlich die wissenschaftliche Legitimierung der Boni-Exzesse. Diese Fixierung auf das schnelle Geld führte zum enorm kurzfristigen und riskanten Denken bei den Bankbossen – und damit direkt in die Finanzkrise.
Geiger war auch Doktorvater von Adriana Bodmer, der heutigen Frau von Marcel Ospel. In ihrer Dissertation empfahl sie, die Profite der Aktionäre – das «Shareholder Value» also – mit einem entsprechenden Boni-System zu optimieren. Noch im März dieses Jahres verteidigte der Professor hohe Boni, weil diese dem Staat viel Steuergeld in die Kassen spülen würden.
Leutenegger-Oberholzer findet deshalb, dass Merz den Auftrag international hätte ausschreiben müssen, statt jemanden zu nehmen, der so eng mit der Bankenbranche verbandelt sei. Geiger habe als ehemaliges Mitglied der CS-Generaldirektion – bis 1996 – keinerlei Distanz, betont sie. «Und sein Institut hat nur zugeschaut, als die Banken ins Verderben schlitterten.»
FDP-Finanzpolitiker Philipp Müller hat in mehreren Interpellationen im Parlament die Untersuchung des Finma-Gebahrens gefordert. Auch er ist mit dem Personalentscheid seines Parteikollegen Merz nicht nur glücklich: «Es scheint mir, dass Geiger in den letzten Wochen gegenüber der Finma weniger kritisch auftritt als früher.»
Aber der Aargauer Nationalrat betont auch, dass er Geiger für absolut kompetent halte. «Ich bin deshalb zuversichtlich, dass sein Bericht mehr Qualität enthalten wird als der Schrott, den uns das Finanzdepartement bisher abgeliefert hat», zeigt sich Müller optimistisch.
play
Die Ernennung Geigers bereitet Susanne Leutenegger-Oberholzer und ihrer SP Kopfschmerzen. (Keystone)