FDP-Frauenquoten-Debatte weitet sich aus Mehr, mehr, mehr, mehr, mehr

  • Publiziert: 16.09.2012
  • Von Marcel Odermatt
play Will mehr Frauen in Top-Positionen: Regierungsrätin Marianne Dürst aus Glarus.

Die FDP-Frauen fordern von der Parteispitze eine Quote. Doch die will das Thema aussitzen. Deshalb legt die liberale Glarner Regierungsrätin Marianne Dürst nach: Sie verlangt Quoten auch für Verwaltungsräte.

Bewährungsprobe für die neue FDP-Führung unter Präsident Philipp Müller (60): Letzte Woche forderten die Frauen des Freisinns im SonntagsBlick eine Debatte über die Einführung von Frauenquoten in Schweizer Unternehmen.

Der Vorstoss sorgte für grossen Wirbel in der Partei. «Es gab neben positiven auch viele harsche Reaktionen. Einige wollten sich mit diesem Thema schon gar nicht erst befassen», sagt FDP-Frauen-Generalsekretärin Claudine Esseiva (33).

Zu den Ausblendern gehört auch der Parteichef. Er äussere sich nicht zu dieser Frage, teilte Müller mit. Gleichzeitig liess der Aargauer Nationalrat durchblicken, dass er mit der Forderung sehr wenig anfangen kann. Morgen Montag jedoch wird er sich – zumindest parteiintern – positionieren müssen. Das Thema ist an einer Sitzung der FDP-Frauen mit der Parteiführung traktandiert.

Die wollen nicht lockerlassen. Und erhalten prominente Verstärkung. Marianne Dürst (51), Glarner FDP-Regierungsrätin: «Die FDP-Frauen fordern seit Jahren gemischte Teams in den strategischen Organen. Wir haben uns stets so geäussert, dass – wenn sich nichts ändert – Quoten leider nötig sind.» Nun sei man an diesem Punkt angelangt.

Die frühere Präsidentin der FDP-Frauen geht sogar weiter als ihre Kolleginnen. Die verlangen vorerst nur gesetzliche Frauenkontingente in der öffentlichen Verwaltung. Dazu Dürst: «Ich würde einen Schritt weiter gehen und Quoten in den Verwaltungsräten fordern.» Auch ein Mann, der Solothurner FDP-Regierungsrat Christian Wanner (62), erhöht jetzt den Druck auf Müller, sich der Quotendiskussion offen zu stellen: «Ich unterstütze diese mutigen Frauen voll und ganz!» Es gehe nicht an, dass man Mitglieder angreife, die noch etwas für die Partei zu leisten bereit seien.

Schützinnenhilfe kommt nun von CVP und GLP. CVP-Frauen-Präsidentin Babette Sigg Frank unterstützt wie GLP-Nationalrätin Kathrin Bertschy die FDP-Frauen. «Endlich wird auch im bürgerlichen Lager über Quoten diskutiert», so Sigg Frank. Die Reaktionen zeigten, dass dies offensichtlich ein Reizthema sei. «Jetzt muss etwas gehen, und zwar in Politik und Wirtschaft. Lippenbekenntnisse waren gestern. Heute sind Taten gefragt.»

Unterstützen Sie Frauenquoten beim Staat und in privaten Unternehmen?»

Beliebteste Kommentare

  • Anita  Leimgruber , Unterentfelden
    Die Frauenquote ist eine Diskriminierung der Männer. Frauen haben doch schon heute die genau gleiche Chance, etwas zu erreichen!
    Aber die Mitleidstour gibt mir auf die Nerven!
  • Roland  Wyss , Zürich
    Besser wäre es diese Emanzen endlich zu stoppen. Unsäglich wie die sich aufführen.Wenn die mal richtig arbeiten würden hätten sie gar keine Zeit mehr um solch verblödetete Forderungen zu stellen.

Alle Kommentare (19)

  • Martin  Rhyner , via Facebook
    Was für eine Zwängerei. Danke Emanzipationswelle. Es muss doch die Qualifikation zählen, und nicht irgend welche Quoten. Schwachsinn.
    • 16.09.2012
    • 59
    • 6
  • Kathia  Zumstein
    Dass die Geschlechtszugehörigkeit bei einer Anstellung höher gewertet werden soll als die fachliche Qualifikation, ist in meinen Augen sehr fragwürdig; und was daran gerecht sein soll weiss ich beim besten Willen nicht.
    Die Idee der Quote mag ja gut gemeint sein, hat aber im Grunde genommen einen degradierenden Touch: wir Frauen sind heute gut ausgebildet, sind fachlich kompetent etc. und sind nicht auf durch Quoten vorgeschriebene Zwangseinstellungen angewiesen.
    Dass die Idee, den Privatunternehmen in ihren Verwaltungsräten Frauenquoten aufzuzwingen ausgerechnet aus der liberalen FDP-Ecke stammt, entbehrt nicht einer gewissen Ironie.
    • 16.09.2012
    • 42
    • 1
  • Marco  Bless
    Wie wärs mit einer IQ-Quote anstelle der lästigen Geschlechterdiskussion einer aussterbenden Lästergruppe?

    Ich fordere hiermit eine Quote für Menschen mit IQ über 150 in Regierung, Parlament und VR. Was die anderen zu bieten haben, kann man in solchen Beiträgen sehen.
    • 16.09.2012
    • 67
    • 6
  • Klaus  Müller
    FDP ist eine Linkspartei geworden. Vom alten Freisinn ist nichts mehr da. Auch die FDP setzt nun ganz auf Bürgerbevormundung.
    Die Abstimmungen im Nationalrat zeigen das deutlich.
    Es wäre ehrlicher, das "F" aus dem Namen zu streichen.
    • 16.09.2012
    • 92
    • 6
  • Hermann  Dornauer , Bishkek
    Wir brauchen fähige Führungskräfte egal ob Frau oder Mann.Mit den Quoten erreicht man teilweise dass ein Posten nicht mit der besten Führungskraft besetzt werden kann. Quoten sind Kontraproduktiv und helfen nicht die Qualität zu verbessern.
    Hatte schon mehrmals Frauen als Vorgesetzte und mehrheitlich gute Erfahrungen gemacht wie so nebenbei mit Männern auch. Zwingend aber ein Geschlecht vorzuziehen lehne ich ab.
    In Skandinavien führte das Quotenwesen sogar zu einer Verschlechterung der Unternehmensbilanz sowie des Wertes an der Börse.
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