Deutsches Gericht hat entschieden Mehr Geld für Asylsuchende

  • Publiziert: 18.07.2012
play Asylbewerber im Empfangszentrum in Chiasso (Keystone)

Das deutsche Bundesverfassungsgericht erachtet die Leistungen für Asylsuchende als «menschenunwürdig». Jetzt soll mehr bezahlt werden.

In Deutschland gibt es umgerechnet etwa neun Franken pro Tag für Asylbewerber: Zu wenig, findet das Verfassungsgericht. Die Leistungen seien unterhalb des  Existenzminimums und müssen nun angehoben werden.

Die Beiträge für Asylbewerber in Deutschland liegen bei monatlich 224 Euro und damit um fast 50 Prozent unter den Hartz-IV-Regelsätzen. Diese betragen 364 Euro für Erwachsene und gelten als Existenzminimum.

Der Gesetzgeber müsse nun unverzüglich eine Neuregelung erlassen. Bis dahin setzte das Gericht eine Übergangsregelung in Kraft, die ab sofort gilt. Laut dieser beziehen Asylsuchende künftig 336 Euro Hilfe.

Gleiches Recht für alle

Neun Franken pro Tag seien nach Ansicht des Gerichts «mit dem Grundrecht auf Gewährleistung eines menschenwürdigen Existenzminimums unvereinbar», schreibt «Spiegel Online». Dieses Recht steht gemäss dem Gericht nicht nur Deutschen zu, sondern allen Menschen, die sich im Land aufhalten.  

Das deutsche Grundrecht umfasst etwa die «Pflege zwischenmenschlicher Beziehungen» und ein «Mindestmaß an Teilhabe am gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Leben».

In der Schweiz gibt es ähnliche Bestimmungen in der Bundesverfassung. Diese sind aber weniger weitreichend und haben eine geringere rechtliche Bedeutung, da aus den Sozialzielen keine unmittelbaren Ansprüche auf staatliche Leistungen abgeleitet werden können.

Verschärfungen in der Schweiz

Der Nationalrat entschied im Juni, künftig allen Asylsuchenden nur noch Nothilfe zu gewähren. Das sorgte in weiten Kreisen für Empörung, es kam gar zu Demonstrationen gegen den harten Asylkurs. In einem Gutachten bejahte das Bundesamt für Migration allerdings die Vereinbarkeit der Massnahme mit der Verfassung.

Die Nothilfe ist von Kanton zu Kanton unterschiedlich geregelt. Sie umfasst zum Beispiel in Bern neben einer Schlafstätte 6.50 Franken am Tag - dies sind weniger als 200 Franken pro Monat. Die Unterstützung wird meist in Form von Gutscheinen herausgegeben. (sda/vuc)

Mehr Asylgesuche - mehr Ausreisen

Von April bis Juni 2012 haben 7250 Personen in der Schweiz um Asyl ersucht. Das sind knapp 2 Prozent mehr als im ersten Quartal des Jahres. Gleichzeitig reisten auch viele Asylsuchende aus: 3289 Personen verliessen die Schweiz behördlich kontrolliert auf dem Luftweg.

Davon wurden 1'178 Personen an einen anderen Dublin-Staat überstellt, allein nach Italien waren es 757 Personen. Ausreisen und Asylgesuche nahmen im Vergleich zum selben Zeitraum 2011 markant zu: Bei den Ausreisen liegt das Plus bei 43 Prozent und bei den Asylgesuchen bei 34 Prozent, wie das Bundesamt für Migration am Mittwoch mitteilte.

Die wichtigsten Herkunftsländer der Asylsuchenden waren erneut Eritrea mit 1275 Gesuchen, gefolgt von Nigeria mit 674 Gesuchen und Tunesien mit 611 Gesuchen. (sda)

Beliebteste Kommentare

  • Hansruedi  Chapatte , Heerbrugg
    was wollt Ihr denn, die Nothilfe ist genug - es soll ja ein Anreiz sein, die Schweiz zu verlassen und nicht sich auf Kosten der Steuerzahler sich in der Schweiz zu amüsieren, mit Nichtstun versteht sich.
  • Franz  Steiger
    Schlafstätte und 6.50.- am Tag... Ich bin durchaus dafür, nicht Unmengen von Geld an Asylbewerber herauszugeben, aber das ist wirklich menschenunwürdig. Viel besser wäre es, wenn endlich ein grosses Asylzentrum wie in Holland beschlossen würde, in welchem die Verfahren direkt und schnell abgewickelt werden könnten. Das würde wesentlich mehr Kosten sparen als die Einsparungen durch den Nothilfesatz.

Alle Kommentare (5)

  • Joel  Steiner , Naters
    In Deutschland werden sie 364 EURO bekommen ca 430 Franken, und hier weniger als 200??? Viele denken sich jetzt "Jawoll unser Geld soll nicht an das Asylwesen verschwendet werden". Dabei sind die einzigen die vom Geld etwas sehen unsere Politiker die sich von dem Eingesparten Geld ein schönes Auto kaufen können. 200 Fränkli sind menschenunwürdig. Und sich dann noch wundern warum die Kriminalrate zunimmt...
    • 19.07.2012
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  • Hansruedi  Chapatte , Heerbrugg
    was wollt Ihr denn, die Nothilfe ist genug - es soll ja ein Anreiz sein, die Schweiz zu verlassen und nicht sich auf Kosten der Steuerzahler sich in der Schweiz zu amüsieren, mit Nichtstun versteht sich.
  • Wilhelm  Hess
    Unsere Nationalräte und Ständeräte geben sich mehr Lohn für die komische arbeiten die sie erledigen und ein anderer Mensch
    Asylant muss mit ein paar Fränkli auskommen.Sehr Menschenunwürdige haltungen.
  • Franz  Steiger
    Schlafstätte und 6.50.- am Tag... Ich bin durchaus dafür, nicht Unmengen von Geld an Asylbewerber herauszugeben, aber das ist wirklich menschenunwürdig. Viel besser wäre es, wenn endlich ein grosses Asylzentrum wie in Holland beschlossen würde, in welchem die Verfahren direkt und schnell abgewickelt werden könnten. Das würde wesentlich mehr Kosten sparen als die Einsparungen durch den Nothilfesatz.
    • Peter  Scotch
      In einem Kibbuz gibts auch Mehrbettenzimmer und erst noch herrscht Arbeitspflicht. Dies alles für € 25.00 im Monat.
      Bietet doch diese Alternative den Asylbewerbern, dann haben wir keine Wirtschaftsflüchtlinge mehr, sondern nur noch echte Asylanten.
      • 19.07.2012
      • als Kommentar auf Franz  Steiger
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