Heftige Kritik nach Geheimdienst-Skandal «Maurers Pannen dürfen nicht zur Regel werden»

  • Publiziert: 17.10.2012
  • Von Peter Brühwiler und Christof Vuille
EQ Images play Steht wegen der Geheimdienstpanne in der Kritik: VBS-Chef Ueli Maurer.

Parteichefs aus allen Lagern erklären auf Blick.ch, wo sie die Probleme beim Nachrichtendienst und bei Ueli Maurers VBS orten. Und üben scharfe Kritik.

Dass ein Geheimdienstmitarbeiter während drei Wochen mit riesigen Mengen von hochsensiblen Daten aus dem Büro spazieren konnte, können Politiker nicht verstehen. «Das ist jenseits», so das vernichtende Urteil von SP-Fraktionschef Andy Tschümperlin.

Seine Schlussfolgerung? Das Wort Rücktritt nehme er nicht in den Mund, sagt der Schwyzer Nationalrat. «Die Frage, ob Geheimdienstchef Markus Seiler noch tragbar ist, muss der Bundesrat respektive Verteidigungsminister Ueli Maurer beantworten.»

Auf letzteren müsse man jetzt zielen, sagt Tschümperlin: «Maurer zeigt keine Führungsqualitäten.» Dass sich der Verteidigungsminister vor Seiler stelle, sei die falsche Taktik, ist Tschümperlin überzeugt.

Denn: «Nachdem die Geschäftsprüfungsdelegation (GPDel) die Sicherheitsprobleme im Nachrichtendienst (NDB) klar aufgezeigt hat, sind personelle Konsequenzen angebracht.»

«Kein Vier-Augen-Prinzip»

Die GPDel hatte gestern unter anderem kritisiert, dass es beim Zugriff auf geheime Daten kein vier-Augen-Prinzip gab.

Und auch nach der Verhaftung des Datendiebs habe der Nachrichtendienst schlecht reagiert: «Für den Fall, dass nicht alle entwendeten Daten sichergestellt werden konnten, hatte der NDB keine Dispositionen getroffen, obwohl dieses Restrisiko nicht ausgeschlossen werden konnte.»

Das bedeutet laut Ständerat und GPDel-Vize Paul Niederberger (CVP/NW): «Informanten und Informationsquellen des Nachrichtendienstes waren gefährdet.»

«Rücktrittsforderungen sind verfrüht»

Der Bericht der Geschäftsprüfungsdelegation sei «in einem ungewohnt scharfen Ton verfasst», findet auch CVP-Fraktionschef Urs Schwaller.

Die Frage sei jetzt: «Bietet Seiler Gewähr, dass sich das in Zukunft nicht wiederholt?» Antworten darauf erhofft sich der Freiburger Ständerat von der formellen Inspektion, welche die GPDel bis im Frühjahr 2013 durchführen will.

Rücktrittsforderungen seien zum jetzigen Zeitpunkt verfrüht: «In unserem System ist es nicht die Art und Weise, jemanden rauszuwerfen und erst dann abzuklären, was genau passiert ist.»

Und Ueli Maurer? «Pannen dürfen bei ihm nicht zur Regel werden», sagt Schwaller und erinnert an die unglückliche Kommunikation zum Gripen-Geschäft. Das NDB-Debakel sieht Schwaller in diesem Zusammenhang auch als Chance: «Maurer kann jetzt seine Führungsqualitäten unter Beweis stellen.»

BDP-Boss Landolt: «Miserable Kommunikation des VBS»

Personelle Konsequenzen fordert auch BDP-Chef Martin Landolt vorderhand keine. Er ortet das Hauptproblem in der «miserablen Kommunikation» des Verteidigungsdepartements. Einfach keine Stellung zu nehmen, sei billig, die Kommunikation müsse nun zur Chefsache erklärt werden.

Auch die GPDel solle ihre Ergebnisse der Untersuchung möglichst rasch der Öffentlichkeit zugänglich machen, selbstverständlich mit Ausnahme von Informationen, welche die nationale Sicherheit gefährden würden. «Ansonsten wird in der Bevölkerung Misstrauen gefördert, obwohl das vielleicht gar nicht nötig wäre.»

Philipp Müller: «Es chlöpft immer lauter»

FDP-Präsident Philipp Müller fordert zwar noch keine personellen Konsequenzen, da er die Untersuchungsergebnisse der Prüfer abwarten möchte.

Er verlangt aber von der Delegation eine umfassende Information der Öffentlichkeit – «natürlich ohne sicherheitsrelevante Punkte», wie er sagt.

Schliesslich habe die Delegation nun einige «Warnschüsse» abgegeben, und es «chlöpft» immer lauter, findet er. Aber die Bevölkerung wünsche sich nicht nur Lärm, sondern auch handfeste Informationen.

Das VBS müsse jetzt nicht nur bald informieren, sondern auch «handeln» und die Hinweise auf mangelnde Sicherheit sehr ernst nehmen.

Klar ist, der Druck auf den SVP-Bundesrat wächst: «Seine Wahl zum Bundespräsidenten im Dezember ist unter diesen Umständen nicht gesichert», sagt Regula Rytz, Co-Präsidentin der Grünen.

Beliebteste Kommentare

  • Roman  Loser , Embrach
    Wird bei Widmer-Schlumpf gleich streng untersucht,oder ist z.B. ein deutscher IT Chef bei der Steuerverwaltung wirklich etwas Alltägliches?Und die eigenwilligen Versprechungen nach Brüssel,geht sowas so einfach über die Bühne?usw.usw.
  • Kashmir  Kryzwys , Birsfelden
    Generell müssen gerade im VBS und EJPD die ganz hohen Chefs ihren Dienstleitern und Mitarbeitern blind vertrauen können. Die Sicherheit im NDB hätte man hinterfragen müssen, das mit dem Hinausspazieren samt Harddisks geht natürlich nicht. Man merkt nun, dass es mit den wiederkehrenden Sicherheitsüberprüfungen, der Mitarbeiter nicht getan ist und wird nun auffällige Datenströme monitoren und Zutrittskontrollen verschärfen müssen. Aber letztenendes wird man auch hier den Überwachern und den Netzwerkadmins ziemlich ausgeliefert bleiben. Da bräuchte es dann schon Stasi-artige Methoden, um ein echtes Kontrollmittel zu haben. Wer will denn das schon? Und übrigens, wir haben eine eher sanfte Justiz hierzulande. Die Datensicherheit in den Bundesdepartementen wird also mit Sicherheit ein Problem bleiben!
    • 17.10.2012
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    • 1

Alle Kommentare (14)

  •   Heinz Knauser , z.Zeit in Thailand
    Einen Vorschlag:
    Wir taufen das Bundeshaus um!
    Ab sofort nennen wir es nur noch Pannenhaus!
    Etwas anderes ists ja nicht!
    • 18.10.2012
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  • Bill  Wulffe , Zürich
    Interessant dass Blick meine Beiträge nie veröffentlicht! Ich versuchs nochmal:
    Pannen hin oder her, alles Propaganda.  Fakt ist, die Linken möchten kein SVPler als Bundespräsident sehen...dieses Gejammer um Maurer, sei es über die Gripen oder Maurers Aussage über EU Beitritts-Sympathisanten etc., solchen Artikeln  und Aussagen sollen auf lange Sicht das Volk und Parteikollegen davon überzeugen dass Maurer nicht tragbar sei obwohl er an der Reihe ist - denn einen EU feindlichen SVPler und über dies einen Patriot als Bundespräsident wäre eine Katastrophe für die langfristigen EU -gerichteten Zielen der linken und grün- liberalen Parteien.
    • 18.10.2012
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  • Werner  Lischer , Jona
    Hallo gehts wider auf eine Wahl zu für Uel Maurer als Bundespräsdent es machen sich schon SP,CVP,FDP,und die Grünen
    für den Wahlkampf bereit ich finde das einen Kindergarten Politik
    • 18.10.2012
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  • Rolf  Hess , Münchenbuchsee
    Die Herren Tschümperlin, Schwaller, Landolt und Müller, die auch Bundesrätinnen und Bundesräte haben, würde es gut anstehen, wenn sie sich um ihre eigenen Leute kümmern würden. Es ist nicht das VBS, weshalb der Schuh drückt. Es sind die Arbeitslosigkeit, das ungelöste Asylwesen, die KK Prämien, die die Familien und die Leute auf der Strasse drücken. Das VBS wird nur als Ablenkung von den eigenen Problemen benutzt.
  • Beat  Hemmi , Widnau
    Zitat: Maurers Pannen dürfen nicht zur Regel werden ... Mauer IST eine Panne ....
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