Bombenleger zum Oberst befördert Maurer wurde schon vor 2 Monaten gewarnt

Bundesrat Ueli Maurer hätte die Möglichkeit gehabt, die Beförderung des Bombenleger-Obersts rückgängig zu machen, bevor der Skandal publik wurde!

  • Publiziert: 31.07.2010, Aktualisiert: 13.01.2012
  • Von Adrian Schulthess
play Ueli Maurer liess am 8. Juni den Brief des besorgten Bürgers beantworten, ohne das eigentliche Problem, die Beförderung des Bombenlegers, anzugehen. (Keystone)

Bisher erweckte das VBS den Eindruck, als habe Ueli Maurer erst durch die BLICK-Enthüllung am 21. Juli von der dunklen Vergangenheit von Jürg S.* (55) erfahren. Das stimmt so nicht.

Jürg S. hatte der Armee Sprengstoff geklaut, damit einen Anschlag auf seine Ex-Freundin verübt und ist deswegen 1994 rechtskräftig verurteilt worden. Dennoch stellte ihn das VBS 2004 wieder an und beförderte ihn im April 2010 zum Oberst!

Ein Thuner Bürger erfuhr aus der Zeitung vom Karrieresprung seines Bekannten Jürg S. «Das kann doch nicht wahr sein», dachte er sich. Er stellte Nachforschungen an und fand heraus, dass es sich bei Jürg S. tatsächlich um den Bombenleger handelte.

Der besorgte Thuner beschloss, Bundesrat Maurer einen Brief zu schreiben. «Es ist für mich als Schweizer Bürger und als Armeebefürworter unverständlich, dass eine kriminell vorbelastete Person Jahre später zum Oberst befördert wird», steht in seinem Schreiben.

Der Brief des Thuners hat den Weg bis zum VBS-Chef gefunden. Jedenfalls beginnt das Antwortschreiben vom 8. Juni mit folgenden zwei Sätzen: «Bundesrat Ueli Maurer dankt Ihnen für Ihren Brief vom 28. Mai 2010. Er hat Ihre Ausführungen zur Kenntnis genommen und mich gebeten, Ihnen zu antworten.»

Keine Antwort auf die zentrale Frage des Bürgers

Das Antwortschreiben, das von VBS-Sprecher Martin Bühler unterzeichnet wurde, ist sehr juristisch abgefasst. Auf die Bemerkung, es sei unverständlich, dass ein Verurteilter zum Oberst befördert werde, wird mit keinem Wort eingegangen.

Der VBS-Beamte schreibt im Auftrag von Ueli Maurer: «Das verantwortliche Handeln der Einzelnen generiert den Wert der Sicherheit für die Schweiz. So handelt auch der Rechtsstaat nicht willkürlich, sondern nach objektiven Kriterien.»

Verstanden? Verstanden!

Die Beförderung des Bombenleger-Obersts ist von verschiedensten Politikern verurteilt worden: «Eine Katastrophe.» «Mehr als peinlich.» Verschiedentlich hat man sich auch gewundert, dass die in administrativen Dingen sonst sehr pingelige Armee ausgerechnet einer Person eine saubere Weste verschaffte, die ihr Sprengstoff geklaut hatte. Ein Vorgang, der alles andere als alltäglich ist!

Angesichts der grossen politischen Brisanz stellt sich die Frage: Weshalb hat Ueli Maurer nicht Anfang Juni interveniert, als sich der besorgte Bürger an ihn wandte? Weshalb hat er damals die Beförderung nicht rückgängig gemacht?

Wie das VBS diese Woche nochmals betonte, bleibt Jürg S. Oberst, und er wird auch nicht entlassen.

* Name bekannt

play Jürg S. arbeitet am Kompetenzzentrum Swissint (Swisscoy) der Armee. (ZVG)