Gripen versagen im Test Maurer will Milliarden für Schrott-Flieger ausgeben

BERN - Die Schweiz soll für 3,1 Milliarden neue Kampfjets kaufen. In erster Linie für luftpolizeiliche Aufgaben. Jetzt kommt aus: Der vorgesehene Gripen wird dem wohl nicht gewachsen sein.

  • Publiziert: 12.02.2012
play Billig, aber ungeeignet für die vorgesehenen Aufgaben: der Gripen. (sda)
play Bundesrat Ueli Maurers Begründung für den Typenentscheid: Der Gripen sei «am besten geeignet». (sda)

Der Gripen sei das für die Schweiz «am besten geeignete Flugzeug», begründete Verteidigungsminister Ueli Maurer den Typenentscheid im November. Im Bezug auf den Preis oder die politische Akzeptanz mag dies stimmen. Fliegerisch aber schneidet das schwedische Kampfflugzeug ungenügend ab.

Dies bestätigen die Auszüge des Evaluationsberichts, welche «SonntagsZeitung» und «Le Matin Dimanche» veröffentlicht haben. Bemerkenswert ist vor allem das schlechte Abschneiden des Kampfjets bei den luftpolizeilichen Aufgaben, für welche er in erster Linie vorgesehen ist.

Bei den 2008 durchgeführten Tests schnitt der Gripen lediglich mit der Note 4,2 ab. Die Minimalanforderungen sind erst bei einer 6 auf der Skala 1-9 erfüllt. Die Rafale erreichte bei der Luftpolizei die Note 6,71, der Eurofighter 6,2.

Verbesserungen ändern wenig

Auch in der zweiten Phase der Tests, in welcher die bis 2015 erwarteten Verbesserungen berücksichtigt sind, erreicht der Gripen nur eine 5,33. Gemäss dem Bericht ist es «wahrscheinlich», dass das Flugzeug «nicht in der Lage sein wird, mit Erfolg Luftpolizeiaufgaben» wahrzunehmen.

In anderen Bereichen schneidet der Gripen ebenfalls ungenügend ab. In der Luftraumverteidigung etwa erreicht selbst die aufgewertete Version nur die Note 5,68, weit hinter der Rafale und dem Eurofighter, welche die Minimalanforderungen übertreffen. Das gleiche Bild liefern die Tests für Angriffs- oder Aufklärungsaufgaben.

Die Auszüge aus dem Evaluationsbericht bestätigen auch das schlecht gehütete Geheimnis, dass sich die Luftwaffe den französischen Rafale als Ersatz für den Tiger gewünscht hätte. «Die Rafale wird als neues Kampfflugzeug für die Schweizer Luftwaffe empfohlen», heisst es in dem von Luftwaffenkommandant Markus Gygax unterzeichneten Bericht.

Das Flugzeug sei am besten geeignet, die gestellten Anforderungen zu erfüllen. «Die Rafale hat das Potenzial, in den nächsten 40 Jahren wirksam und zweckmässig eingesetzt zu werden.» Als nächst beste Alternative wird der Eurofighter bezeichnet.

Der Gripen dagegen kann gemäss Bericht auch in der verbesserten Variante nicht mit den beiden anderen Kandidaten mithalten. Er erfülle die Minimalanforderungen für den Einsatz nicht.

Einziger Vorteil ist der Preis

Dafür ist er mit 3,1 Milliarden Franken für 22 Jets vergleichsweise günstig in der Anschaffung. Gygax hatte vor kurzem auch bestätigt, dass Gripen-Hersteller Saab den Zuschlag erhalten habe, weil dessen Flugzeug in Betrieb und Unterhalt günstiger als die Konkurrenz sei.

Die Evaluation der Kandidaten für den Tiger-Ersatz hat der bundeseigene Rüstungsbetrieb armasuisse zusammen mit der Luftwaffe durchgeführt. Das Parlament hatte dafür einen Kredit von 8 Millionen Franken gesprochen. (SDA)

Kommentare (51)

  • Schauer  Rolf
    Aber fliegerisch wurden die Flugzeuge doch getestet. Wieso fällt dieser Flieger erst heute durch den Test?
    • 13.02.2012
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  • Köbi  Karrer
    Maurer wurde ja geradezu genötigt, von seinen BunderatskollegInnen, den Linken und den Medien, die billigste Variante zu wählen. Ob das Ding fliegt hat in diesen Kreisen doch niemanden insteressiert, hauptsache es kostet nichts. Das gerade diese Kreise jetzt aufheulen ist geradezu typisch, für die politische Konstellation in diesem Land und mehr als billig. Schade nur, dass Maurer und die SVP da noch mitmachen.
    • 13.02.2012
    • 0 Gefällt mir
    • Tobi  Globi , Basel
      So kann man die Sache auch drehn. Dass die Linken gar keine solch unnützen Dinger gekauft hätten wird einfach mal totgeschwiegen. Peinlich Peinlich dieses Statement.
      • 13.02.2012
      • als Kommentar auf Köbi  Karrer
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  • basel  mueller
    Wenn unsere glorreiche Armee schon 3 Milliarden für Spielzeug aus dem Fenster werfen will, bin ich wenigstens froh, wenn damit kein Schaden angerichtet werden kann. In diesem Sinne kann die Entscheidung nur auf den unfähigen Gripen fallen. Go for it, Ueli!
    • 13.02.2012
    • 1 Gefällt mir
  • René  Müller
    Warum wurde der Bericht nicht in der "Weltwoche" oder "BOZ" als erstes veröfentlicht? Die Wissen doch sonst alles zuerst. Oder hat Blocher es verboten das in den "Blocherwochen" zu bringen.
    • 13.02.2012
    • 3 Gefällt mir
  • Yup  DerWall
    HAHAHA vor jahren haben wir die ésis ausgelacht, wegen dem Saab Draken, jetzt sind wir selber so blöd!!
    • 13.02.2012
    • 0 Gefällt mir
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