Blocher und Levrat kämpfen für die Abzocker-Initiative «Manchmal hat man den Teufel an seiner Seite»

BERN – Die Sticheleien gegeneinander können die starken Köpfe von SVP und SP nicht lassen. Dennoch haben Blocher und Levrat ein gemeinsames Ziel: ein Ja zur Minder-Initiative.

  • Publiziert: 11.03.2010, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Michael Perricone
play Freunde werden sie wohl nie werden, Christoph Blocher und Christian Levrat. Aber ein Zusammenspannen bei der Abzocker-Initiative liegt durchaus drin. (Keystone/Reuters)

«Manchmal hat man den Teufel auf seiner Seite», sagt Christoph Blocher zu Blick am Abend. Gemeint ist niemand anderer als Christian Levrat, Präsident der SP. Denn beide Politiker kämpfen plötzlich unfreiwillig Seite an Seite: Sie wollen sich für die Abzocker-Initiative einsetzen.

Seit heute Morgen ist klar: Der sogenannte Einigungsvorschlag, den die SVP zusammen mit Thomas Minder ausgearbeitet hatte, ist vom Tisch. Mit 101 zu 91 Stimmen scheiterte Blochers Vorschlag im Nationalrat. Genauso wollte das die SP: «Die SVP hat nur versucht, die Initiative zu verzögern und abzuklemmen», sagt Christian Levrat.

Das sei Blödsinn, erwidert Blocher: «Wir haben beschlossen: Wenn der Einigungsvorschlag nicht durchkommt, unterstützen wir die Initiative.»

Treten die beiden jetzt gemeinsam im Abstimmungskampf an, der wahrscheinlich 2011 stattfindet? «Also wir marschieren nicht mit der SP, sondern mit jenem Mann, der die Initiative lanciert hat: Thomas Minder. Die SP will doch einfach etwas Klamauk machen», sagt Blocher.

«Wenn die SVP die Initiative unterstützt, bedanke ich mich dafür», meint Levrat. «Wir kämpfen seit Jahrzehnten für Riegel gegen die Wirtschaft. Wenn die SVP dabei jetzt mithilft – gut so.»

Allerdings zweifelt der SP-Präsident am Engagement von Blochers SVP: «Die haben doch Angst vor dem Volk. Und Blocher war selber jahrelang ein Abzockerkönig.»

Ein Vorwurf, den der milliardenschwere Unternehmer nicht gerne hört: «Die SP versucht immer wieder, meine Politik unglaubwürdig zu machen. Dabei habe ich mich schon als Parlamentarier für mehr Lohntransparenz eingesetzt.»

Das Volk wird nun also über die Abzocker-Initiative abstimmen – und über einen Gegenvorschlag, den das Parlament noch ausarbeiten muss.

«Wir wollen die härteste Massnahme gegen die Abzocker», sagt Levrat und hofft, dass der Abstimmungskampf kurz vor den Wahlen im Herbst 2011 seiner Partei hilft.

Und Blocher sagt: «Wir haben eine andere Motivation als die Sozialisten. Aber dass wir uns mit Levrat einigen, will ich nicht zum Vornherein ganz ausschliessen.»