Abzocker-Schreck Minder «Manchmal habe ich die Schnauze voll»

  • Aktualisiert am 19.01.2012
  • Von Simon Hehli

BERN – Thomas Minder outet sich im Video-Interview nach dem Chat mit Blick.ch als Grünliberaler – und erklärt, was ihn rasend macht.

Thomas Minder hat mit seiner Initiative die Abzocker in den Teppichetagen aufgeschreckt. Im grossen Chat mit Blick.ch stand er heute unseren Lesern Red und Antwort. Lesen Sie im Chat-Protokoll, wieso er seine Initiative für viel besser hält als den direkten Gegenvorschlag, den das Parlament verabschiedet hat. Im Video-Interview, das Minder nach dem Chat gab, erklärt er, woher er die Kraft für seinen Kampf nimmt und wieso er keine politische Karriere anstrebt (siehe oben).

Sabine Günther, Winterthur: Herr Minder: Sie sind ja selbst Unternehmer. Wieso gönnen Sie Managern ihre Löhne nicht?          
Thomas Minder: Die Initiative will Gehälter nicht limitieren, nur Kompetenz dem Eigner übertragen.

peter zöllig niederhasli: guten tag her minder. gabi huber hat gestern im bundeshaus gesagt, putzfrauen einer firma bekämen auch boni. ( 13. monatslohn) . finden Sie diesen Vergleich angemessen?          
Thomas Minder: Die Initiative tangier nur die Verwaltungsräte und die Geschäftsleitungsmitglieder von börsenkotierten Unternehmungen.

Sabine Günther, Winterthur: Anschlussfrage: Herr Minder, wie viel verdienen denn Sie, resp. Ihre Trybol-Manager?          
Thomas Minder: Jeder Unternehmer investiert in seine eigene Firma, lässt Geld in seiner Unternehmung arbeiten. Unternehmensgewinn, sein Lohn oder Dividende, müsste er sonst dreimal versteuern.

Keller, Katharina, Bern: Lieber Herr Minder würden sie nochmals diesen Aufwand auf sich nehmen, wenn sie vorher gewusst hätten, dass es schliesslich auch ein Gegenvorschlag vors Volk kommt, der sehr wenig bringt. Die Frage stellt sich je länger je mehr ob eigentlich Politik für die Eliten oder fürs Volk gemacht wird.          
Thomas Minder: Ja, ich würde diesen Aufwand nochmals auf mich nehmen. Aber ich habe mich massiv geärgert über das politische Hickhack.

Gerda Fuhrer, Winkel: Herr Minder ich gratuliere Ihnen zu Ihrem Mut und finde es äusserst schade, dass die Initiative nun zuerst vors Volk muss.          
Thomas Minder: Nun kommt sie halt vors Volk, obwohl ich sie zusammen mit der SVP im Gesetz regeln wollte, was schneller und detaillierter hätte passieren können.

Keller, Katharina, Bern: Lieber Herr Minder, das wird ein harter Abstimmungskampf, werden sie sich da engagieren, oder besser gefragt, werden sie da eine Kampage starten?          
Thomas Minder: Ich werde an vorderster Front kämpfen.

Keller Hansjörg, Zug: Hallo Thomas, eine Bekannte von uns wird dieses Jahr 80 und hat uns letzte Woche gesagt, dass Sie Dein Vorgehen bewundere und Dir weiterhin alles Gute wünsche. Sie kaufe die Zahnpasta und das Mundwasser immer von Trybol!! Machs gut: Hansjörg, Zug          
Thomas Minder: Sagen Sies weiter! Danke für die Blumen

Mosimann Beat, Obergerlafingen: Wie hoch schätzen Sie das Chancen ein, dass das Parlament die Initiative bei einer Annahme, auf Gesetzesstufe auch umsetzt?          
Thomas Minder: Ich werde schon dafür sorgen, dass der Geist der Initiative umgesetzt wird.

McWide Dave Zürich: Guten Tag Herr Minder, danke für die Initiative! Aber werden bei GVs die Aktioninäre nicht einfach gezwungen sein Ja zu den Löhnen zu sagen, da sie keine Alternative haben. Geschäftsleitung wird sagen soviel ist es halt, wenn man konkurrenzfähig bleiben will.          
Thomas Minder: Aktionär ist mündig genug um korrektiv einzugreifen, es ist seine Unternehmung und sein Geld und wenn er es nicht korrigiert, so ist er selber schuld.

Steiner Markus, 3312 Fraubrunnen: Zuerst meine Anerkennung um Ihre Verdienste für das Zustandekommen dieser Initiative. Frage: Manager haben eine andere Optik bezüglich Entschädigungen als Untenehmer selber! Teilen Sie diese Aussage und wenn ja, warum?          
Thomas Minder: Danke, Unternehmer schauen auf ihr Eigentum, Manager auf ihren Geldbeutel. Topmanager nehmen sogar aus der Kasse, wenn es nichts drin hat.

peter zöllig niederhasli: wieso sagen leute aus der wirtschaft, man dürfe boni nicht streichen, da sonst die besten leute nicht mehr bei unsern banken arbeiten, dabei haben die «besten» leute ja bewiesen, dass sie mit dem geld nicht umgehen können und alles verschleudert.
Thomas Minder: Die «besten» Leute haben uns diese Finanzmisere verursacht und ganze Mammutgesellschaften an die Wand gefahren. Die geldgierigen Manager sollte man längstens gehen lassen. Sie schaden unserer Wirtschaft enorm.

Eichenberger Stefan, Zürich: Sehr geehrter Herr Minder, sollte man nicht den Verwaltungsrat gänzlich aus dem Vergütungsprozess eliminieren und sämtliche Vorbereitungshandlungen einem unabhängigen Entschädigungsausschuss übertragen? Besten Dank für Ihre Auskunft!          
Thomas Minder: Die Initiative will, dass die Mitglieder im Vergütungsausschuss vom Aktionariat gewählt werden, Sie haben vollkommen recht, da müssen völlig unabhängige Leute die Gehälter des VR festlegen.

Hansruedi Bächtold Hettlingen: ihre initiative finde ich super, bringt aber nichts. jedoch meine stimme haben sie!
Thomas Minder: Doch, wir haben drei Verbote: Abgangsentschädigungen, Vorauszahlungen und Prämien bei Firmenkäufen. Wenn der Eigner (Aktionär) nicht eingreift, so ist er dann selbst schuld.

Robert Kunz, Studen: Ihren Mut bewundere und vedanke ich. Nachdem ich weiss, dass Herr Blocher ein Bilderberger ist, traue ich ihm nicht so recht über den Weg und bin froh, dass der Verfassungszusatz nun vors Volk kommt. Selbstverständlich werde ich da für Ihre Initiative stimmen in der Hoffnun, dass das Parlament dann im Gesetz nichts verwässert.
Thomas Minder: Ich hoffe, Sie unterstützen NUR die Initiative und nicht den direkten Gegenvorschlag. Da sind alle Hintertüren sperrangelweit offen. So zum Beispiel fliesst das Geld einfach über die Rente oder über Abgangsentschädigungen oder Vorauszahlungen aus der Unternehmung an die Topmanager.

peter zöllig niederhasli: wieso will der nationalrat, den abzockern « ein hintertürchen» fürs abzocken offen lassen? ist der nationalrat selber korrupt und kriminell?          
Thomas Minder: Er hatte nicht den Mut, rigoros durchzugreifen, was völlig unverständlich ist, angesichts der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise. Und auch angesichts der immer wiederkehrenden Skandale und Abzockereien.

Heinz, Zürich: Herr Minder. Mittlerweile gibts ja ein Mega-Gschtürm um Ihre Abzocker-Initiative. Was soll man denn jetzt abstimmen?          
Thomas Minder: Die Initiative unterstützen, den Gegenvorschlag verwerfen. Wir bedanken uns für jeden, der in seinem Umfeld sich für die Unterstützung der Initiative einsetzt.

peter zöllig niederhasli: wieso stehen die linken nicht gänzlich hinter ihrer initiative. warum sind die linken, die soziale gerechtigkeit wollen, für managerlöhne? haben die linken den verstand verloren?          
Thomas Minder: War wirklich schade, dass diese nicht mitgemacht haben bei der sehr guten Eingigungslösung der SVP mit unserem Komitee. Hoffe dass die Linken vom Gegenvorschlag endlich zur Initiative wechseln.

Mosimann Beat, Obergerlafingen: Erfahrungsgemäss dauert es 10 Jahre, bis eine Initiative auch nur im Ansatz umgesetzt ist. Bis dahin werden noch viele Boni ausbezahlt und die nächste Bankenkriese steht vor der Türe (Gewerbeimmobilien). Was bleibt zu tun?          
Thomas Minder: Ich rege mich auch auf, dass der politische Prozess so mühsam und langatmig ist. Ja, nächste Krise kommt so sicher wie das Amen in der Kirche, es braucht auch andere weitere Regulatorien, insbesondere das Too-big-too-Fail erachte ich als das grösste Problem weltweit. Nicht nur die UBS und die CS, es genügt auch eine ausländische Gesellschaft, um die Schweizer Wirtschaft zu schädigen. Das haben wir bei den Lehman Brothers eins zu eins gesehen.

Hansruedi Bächtold Hettlingen: ihr initiative sollte ausgebaut werden, denn ich sehe beim himmel nicht ein, wieso banken mit dem volkvermögen pokern dürfen! kurz gesagt, ich bin dafür das man den baken vierbietet sich an der börse an unternehmen zu beteiligen! es sollte verboten sein, für banken die geld von der snb beziehen an der börse warrants zu kaufen. ist die börse im Ar... ist es auch die wirtschaft!          
Thomas Minder: Banken sollten ganz speziell geregelt werden, insbesondere was den Eigenhandel betrifft. Die Eigenkapitalquote will die Finma nun von 2 auf 4 Prozent erhöhen und Basel III sieht 8 Prozent vor. Das ist alles viel zu tief. In der Industrie ist eine Eigenkapitalquote zwischen 40 und 60 Prozent normal. Die UBS hatte beim Grounding gerade einmal von 100 Franken 1.60 Fr. eigenes Kapital! Die Folgen kennen wir alle.

Hansruedi Bächtold Hettlingen: keine sorge das was die politik da macht ist eine sauerei die man nicht unterstützen darf, hoffe die anderen stimmbürger sehen das auch so          
Thomas Minder: In erster Linie ist es nicht die Politik, die Politik ist immer verlogen, mit viel Taktik und Strategie. Die Unternehmen SELBST sollten ein eigenes Interesse haben, dieses Problem zu lösen, BEVOR die Politik einsteigt. Das Problem ist, dass eine politische Vielfalt zwar gut ist; aber niemand ist mehr für einen Kompromiss bereit. Dann kommen solche taktischen Spielereien.

Steiner Markus, 3312 Fraubrunnen: Ein deutscher Bankier soll vor Jahren gesagt haben: Aktionäre sind dumm und frech: Dumm weil Sie ihr Geld zur Verfügung stellen, frech, weil sie dafür noch Dividende wollen. Ihre Initiative würde diese Aussage endlich entkräften. Oder sehen sie dies anders?          
Thomas Minder: Der Aktionär darf aus der ganzen Geschichte nicht ausgeschlossen werden, auch er ist mitschuldig, hat jedoch heute dank dem Depot- und Organstimmrecht an der GV null und nichts zu sagen, daher sind die GVs auch oftmals eine Farce und dann wird halt einfach nur gemotzt, weil der Eigner durch diese Stimmvertretungen seinen WIllen nicht durchbringen kann. Die Initiative will genau da den Hebel ansetzen, so dass nur noch der UNGEFAELSCHTE Wille an der GV zum Ausdruck kommt.

Alexandra Weber – Spanien: Der Gegenvorschlag muss weg – Ihr Vorschlag ausgearbeitet mit den SVP-ergänzungen muss vors Volk und sonst NICHTS. Bitte kämpfen sie für unsere Schweiz und kämpfen Sie weiter Ungerechtheiten wie Neid und Hass der Politiker die Nichtsnutze und sesselkleber sind zu beseitigen. Danke. Alexandra          
Thomas Minder: Da gibt es leider keine Chance mehr, der Nationalrat hat es verpasst

Alexandra Weber – Spanien: Sie und CHB sind zu bewundern denn es ist schrecklich wie keine Sachpolitik sondern Personen-Kult betrieben wird. Unsere FDP-ler-CVP-ler und SP-ler sind nur darauf aus, CHB einen Streich zu spielen. Doch diese Parteien pokern zu hoch, nämlich mit dem Schweizerischen Landesgut – sie spielen mit unserem Land. Herr Minder diese primitiven Angriffe die Sie sich gefallen lassen müssen sind CH-unwürdig und dürfen so nicht sein. Frage:          
Thomas Minder: Ich hätte mir auch mehr Sach- und weniger Partei- und Wahlpolitik gewünscht.

E. VOgt Endingen: Wie sieht es aus, wenn die Firma in der CH, welche eine Abgangsentschädigung zahlt keine CH Firma ist?          
Thomas Minder: Es sind nur Schweizer börsenkotierte Unternehmungen tangiert. Wo sie an der Börse kotiert sind, ist irrelevant, sie müssen einfach ihren Haupt- oder Holdingsitz in der Schweiz haben. Übrigens braucht es für eine Sitzverlegung ins Ausland eine Statutenänderung mit einer Zweidrittels-Mehrheit. Bei der Nestlé sogar eine Dreiviertelsmehrheit. Darum ist das alles eine Angstmacherei wenn gesagt wird die Firmen würden sind Ausland abwandern.

Alexandra Weber – Spanien: Die FDP hat natürlich alles Interesse daran dass ein verwässerter Gegenvorschlag vors Volk kommt und hinzukommt, alle anderen Parteien ausser der SVP wollen Blocher abstrafen. Das ist Willkür und Dummheit. Wie gedenkenSie solcher Dummheit entgegenzutreten? aw          
Thomas Minder: Die FDP- und CVP-Parteispitzen vertreten in dieser Angelegenheit nur die Managerinteressen und nicht jene der Eigner. Die Parteibasis dieser zwei Parteien denkt da jedoch anders.

Alexandra Weber Spanien: Ihnen Herr Minder ein grosses Lob und grosse Bewunderung für Ihren Mut, Ihren Vorwärtsgang und Ihre Loyalität zur Schweiz.          
Thomas Minder: Danke vielmals!

Stefan Weinmann, Zürich: Wird hier nicht Schlagwortpolitik ohne jegliche Wirkung betrieben? Inwiefern sind Aktionäre dazu befähigt, über hokomplexe Themen wie die Vergütung des Managements zu urteilen?          
Thomas Minder: Der Aktionär ist sehr wohl in der Lage, über dieses Thema sich ein Urteil zu bilden. Es ist schon schlimm genug, dass es so weit gekommen ist, dass an der GV überhaupt darüber diskutiert werden muss; es hätte ein paar Dutzend wichtiger Themen, als über die Toplöhne abzustimmen.

Alexandra Weber Spanien: Das ist doch klar Herr Minder, dass Ihre Initiative unterstützt wird. Doch wie kommt die Schweiz gegen die Dummheit der anderen Parteien an? Haben Sie da ein Rezept, denn gegen gezielte und provozierten Blödsinn ist es sehr schwer anzukommen. Sie werden gewinnen und durchkommen.          
Thomas Minder: Ja, wir brauchen jede Bürgerstimme. Es spielt keine Rolle, ob jemand links oder rechts ist. Die anderen Parteien, wenn sie selbst eine Initiative, ist ihnen auch egal, wer sie unterstützt, die Hauptsache ist, sie bringen ihr Anliegen an der Urne durch. Darum scheint mir dieses Links-Rechts-Geplänkel der falsche Lösungsansatz.

Stefan Weinmann, Zürich: Es ist unseriös, Eigenkapitalquoten von Banken mit denjenigen der Industrie zu vergleichen.          
Thomas Minder: Warum nicht? Wir haben ja gesehen, was passiert, wenn zu wenig Eigenmittel vorhanden sind. Nun wird mit Ihrem persönlichen Geldbeutel marodes Managertum gefüttert, denn wir Bürger sind der Staat, der Staat ist nicht Bundesbern. Eine grössere Fehlentwicklung als jene der Staatsinterventionen bei Finanzdienstleistern hat es in der ganzen Weltwirtschaftsgeschichte noch nicht gegeben. Und Amerika unterstützt noch immer marode Firmen wie Fannie Mae, Freddie Mac und AIG mit Milliardenbeträgen. Das widerspricht einem kapitalistischen System total.

Christoph Hofer, Thun: Guten Tag Herr Minder, auch ich als junger Erwachsener bewundere ihren Mut und das Arangement welches sie für eine gute Sache aufbringen. Meiner Meinung nach Sitzen auch im Parlament einige Abzocker, welche es nicht gerne sehen würde, wenn diese Initiative angenommem würde. Darum haben viele Politiker auch nicht den Mut dazu für diese Sache ein gutes Wort einzulegen. Es sollte wirklich mehr Leute wie sie geben Herr Minder. Lassen sie sich nicht von ihrem Weg abbringen. Ich denke übrigens, dass sie gute Chancen für einen Sitz im Bundeshaus haben können. Werden sie sich in der nächsten Legislatur aufstellen lassen ?          
Thomas Minder: Nein, ich will nicht in die Politik nach Bundesbern, weder in den National- noch in den Ständerat. Ich bin nur politisch interessiert, aber ich hätte wohl keine Nerven mit diesem ständigen Hin und Her.

Mosimann Beat, Obergerlafingen: Christoph Blocher hat gestern in Biel die Zusammenhänge aufgezeigt. Ist es denkbar, dass indirekte Gegenvorschlag abgelehnt wurde, weil es «indirekt» auch ein «Vorschlag Blocher» ist?          
Thomas Minder: Blocher glaubt noch immer daran, dass er den indirekten Gegenvorschlag im Ständerat durchbringen kann, doch der Zug ist längst abgefahren. Denn dort haben CVP und FDP die Mehrheit.

huber, rafael, adliswil: Da die Aktionäre die legitimen Eigentümer einer Firma sind, sollten sie auch frei entscheiden können, wieviel ihr höchsten Angestellten (also die operative Führungsriege) verdient. Falls sie dieser Aussage zustimmen, wäre die logische Konsequenz eine Stärkung der Aktionärsrechte, so dass diese auch wirklich bestimmen könnten, wieviel «ihre» Angestellten verdienen. Würden sie – angenommen die Aktionäre hätten die volle Macht und würden einen Bonus von bspw. 10 Mio. an eine einzelne Person (bspw. den CEO) bestimmen – eine solche Handlung immer noch illegitim finden? Beste Grüsse, Rafael Huber          
Thomas Minder: Nein, das gäbe stundenlange Diskussionen an der GV, wenn der Eigner auch über einzlelne individuelle Gehälter abstimmen müsste. Das Thema Lohn ist so etwas Individuelles, die einen finden ein paar Tausend Franken schon viel, bei anderen sind 20 Mio. noch nicht genug. Darum ist es unsinnig, über die Höhe der einzelnen Vergütungen zu diskutieren.

Stefan Weinmann, Zürich: Das Problem der Banken waren doch nicht die hohen Löhne sondern die falschen Anreize zum Erreichen dieser hohen Löhne. Bei ausserordentlichen Leistungen sollen auch ausserordentlich hohe Löhne möglich sein. Alle Spitzenverdiener als Abzocker zu bezeichnen ist ungerecht.          
Thomas Minder: Mit der Initiative können ausserordentlich gute Leistungen – aber aufgepasst, sie sollten, wirklich nachhaltig sein – durch das Aktionariat auch honoriert werden. Ich habe nie gesagt, Vasella sei ein schlechter Manager. Er führt die Novartis gut und nachhaltig, aber in meinen Augen verdient er klar zu viel.

Ulrich Ueli Lausanne: Werden Sie nicht zerrissen?          
Thomas Minder: Ab und zu schon. Aber ich habe eine breite Schulter und einen langen Atem.

Hansruedi Bächtold Hettlingen: naja das mit den aktionären ist so ne sache! es ist eine utopie als kleinaktionä an einem börsenkottierten unternehmen bestimmen zu wollen,dafür senden die banken ihre handlanger die Hedgefonds. solange juristische Kapitalpersonen alle samt mehr als 10% eines unternehmens halten können, wirds hier auch so weiter gehen. ein grossaktinöre ist nie an nachhaltigkeit interessiert, er kauft heute und verkauft morgen, einen solchen interessiert die nachhaltigkeit nicht. diesbezüglich werden risiken erhöht und die saläre steigen.          
Thomas Minder: One share, one vote, das können und dürfen wir nicht ändern. Und in einem kapitalistischen System kann die Unternehmung auch ihren Eigner an der Börse nicht auswählen, ob er nun einen Schweizer Pass hat oder einen russischen. SOnst darf er mit seiner Firma nicht an die Börse gehen. Eine gut geführte Firma mit einem hohen Aktienkurs ist noch immer die beste Abwehr gegen Heuschrecken. Wenn ein Raider wirklich die Unternehmung beeinflussen will und seine Mitglieder in den VR bringen willl, so muss er lediglich innert 20 Tagen eine ausserordentliche GV organisieren und kann schon jetzt Verwaltungsräte einzeln abwählen, auch wenn sie für drei Jahre gewählt sind. Und die Schweizer Börse hat ja verschiedene Meldepflichten und die AG hat eine Stimmrechtsbeschränkung, die oftmals aber viel zu tief ist, denn auch eine zu tiefe Stimmrechtsbeschränkung ist ein Eingriff in ein kapitalistisches System.

BankER, Luzern: Herr Minder, Sie stellen sich mit Ihren Forderungen logischerweise schon im vorherein auf die Siegerseite – auf die Seite des geringsten Widerstands. Warum?          
Thomas Minder: Nein, Widerstand wird es sicherlich geben und der ist schon vorhanden. Die Herren Abzocker werden womöglich noch ihren eigenen Geldbeutel öffnen, nur um den kleinen Unternehmer Minder in die Schranken zu weisen. Die lassen das doch nicht zu, dass ihnen eine Privatperson an den Geldsäckel geht. Der Abstimmungskampf wird dann also wohl noch ganz spannend.

McWide Dave Zürich: Könnte man nicht einfach das Top-Managent in ein Billiglohnland outsourcen. Würden die Löhne dann nicht auch unter Druck geraten?          
Thomas Minder: Ja, genau an das haben wir auch gedacht und wir haben im Initiativtext einen Passus, dass die Geschäftsführung nicht an eine andere juristische Person delegiert werden darf. Das ist zur Zeit die grösste Hintertüre, die beim direkten Gegenvorschlag weit offen steht. Aber das Parlament hat diesen Punkt nicht verstanden.

roger hauser, bülach: nach der heutigen ankündigung der ubs gv mit décharge erteilung für die jahre 07 und 08 ist mir der kragen geplatzt und ich werde ihre initiative unterstützen.          
Thomas Minder: Ganz wichtig, ich bin froh über diese Frage. Diese Decharge darf nie und nimmer erteilt werden, sonst wird ein späteres rechtliches Vorgehen kaum mehr Chancen haben. Da im Jahr 2008 der VR unzählige Male verschieden zusammengesetzt war, werde ich an der GV verlangen, dass die Dechargen-Frage jedem Verwaltungsrat einzeln gestellt werden muss. Die UBS ist clever, dass sie das jetzt traktandiert hat. Denn mit dem heutigen Organ- und Depotstimmrecht bringt sie diese Decharge noch durch, mit der Initiative wäre das nicht mehr möglich. Denn wir wollen ja dort dieses Recht abschaffen.

Christian Binggeli Chur: FDP Präsident Fulvio Pelli hat behauptet das ein Drittel der Arbeitsplätze gefährdet sind falls die Abzocker Initative angenommen wird. Ist das nur Angstmacherei oder steckt auch ein Körnchen Wahrheit dahinter?          
Thomas Minder: Wenn man keine Argumente mehr hat, dann droht man. Ich behaupte ja auch nicht, dass, wenn die Initiative nicht angenommen würde, ein Drittel der Arbeitsplätze durch die Abzockerei verloren gehen würde. Die Äusserungen von Pelli sind eines Parteipräsidenten unwürdig.

Gerda Fuhrer, Winkel: Herr Minder ich gratuliere Ihnen zu Ihrem Mut und finde es äusserst schade, dass die Initiative nun zuerst vors Volk muss. Aber seinen Sie zuversichtlich, wir werden Sie nicht im Stich lassen – der verwässerte Gegenvorschlag hat keine Chance. Was sagen Sie zum Verhalten der SP, CVP und FDP?          
Thomas Minder: Danke für die Unterstützung. Ja, bekämpfen Sie den Gegenvorschlag. Die SP und die Grünen werden vor der Abstimmung den Gegenvorschlag verlassen und die Initiative unterstützen.

Hansruedi Bächtold Hettlingen: wenn die banker es nicht mehr mit dem lohn tun dürfen werden sie es mit ihren spielchen in der wirtschft treiben! jeder unternehmer weiss das er ein guter unternehmer ist wenn er mit den krawattenjohnis nichts zu tun hat. dann läuft der karren          
Thomas Minder: Die Initiative attackiert nur die Top-Führungsstufe (VErwaltungsrat und die Geschäftsleitung). Dort muss zuerst Ordnung reinkommen. Wir lassen die Mitarbeiter vorerst mit ihren Boni in Ruhe. Man kann den Mitarbeitern in den FInanzinstituten keinen Vorwurf machen, sie nehmen nur, was in ihren Arbeitsverträgen steht.

Dominic Ackermann Olten: ich finde es gut wird endlich was gegen diese Abzockerlöhne getan!!...kein Mensch arbeitet soviel dass er solche horende Löhne und Bonis kassieren darf!!          
Thomas Minder: Die Initiative betrifft nur die börsenkotierten Unternehmungen. Das Argument Leistung ist längstens zur Makulatur geworden, denn Grübel arbeitet mittlerweile für 3 Millionen, sein Vorgänger Wuffli hatte deren 20 bis 30. Und Villiger macht es für 600000 bis 800000, sein Vorgänger Ospel machte es für 26 Millionen. DIese ganze Diskussion, dass diese Millionengehälter in Korrelation zur Leistung stehen, ist blanker Unfug. Es sind Seilschaften und Kollegen, die sich diese Gehälter zuschanzen. Wohlverstanden, nicht in allen börsenkotierten Unternehmen, aber eigentlich dürfte der VR nur die Interessen der Eigner vertreten und die möchten den besten Mann zum billigsten Gehalt. Und zwar ohne dauernde Vorauszahlungen und Abgangsentschädigungen. Die UBS hat 2009 auf Stufe Geschäftsleitung eine totale Lohnsumme von 109 Mio., davon waren 41 Mio Lohnfortzahlungen und Abgangsentschädigungen. Ein Wahnsinn!

Hans Huber Aarau: Herr Minder,wieso machen Sie nur einen so halbherzigen Vorschlag anstatt gleich wie die junge SP die 12:1 Initiative zu unterstützen?          
Thomas Minder: Die Juso-Initiative geht zu weit. Der Ansatz eines Faktors finde ich nicht schlecht, doch wenn schon müssten die Aktionäre diesen selbst über die Statuten festlegen können, denn gerade in grossen börsenkotierten Unternehmen wäre ein 12:1-Faktor viel zu einschneidend. Aber ich bin mir sicher, dass die Juso diese Initiative im Sammelstadium zusammen bringt. Das nützt auch meiner Initiative als Druckmittel. Fragen Sie mal Pelli, wieviele Millionen Arbeitstellen dann mit der Juso-Initiative abgebaut würden, denn er spricht ja bei meiner Initiative von 1,3 Millionen Arbeitsplätzen, die gefährdet seien. Das stand gestern im Blick am Abend und auch im Sonntags-Blick-Interview hat er die Initiative als todgefährlich bezeichnet.

Daniel Grivel Baar: Eigentlich bin ich der Meinung, dass die Aktionäre über Gehälter, Boni etc. abzustimmen haben und es nicht Sache des Volkes ist. Wo regelbedarf besteht ist bei fällen wo das Volk für das Versagen geradestehen muss. Regelt Ihre Initiative diesen Aspekt?
Thomas Minder: Das ist auch unser Lösungsansatz. Aber es ist wichtig, dass die Pensionskassen, wo unser nachhaltiges Vermögen gut angelegt sein sollte, einen Stimmenzwang bekommen und sich mit der Corporate Governance intensive auseinander setzen.

Louis Mathis Mühlau: Ich habe gestern die Debatte verfolgt und habe die taktischen Geplänkel auch mitverfolgt. Der SVP traue ich jedenfalls nicht und ich bin überzeugt, dass nun das Volk Ja sagt zu Ihrer Initiative. Ich gratuliere Ihnen schon heute zum Erfolg!!!          
Thomas Minder: Es geht jetzt nicht darum, welcher Partei Sie trauen und welcher nicht. Die Lösung mit der SVP ist nicht durchgekommen, Ziel ist es nun, den direkten Gegenvorschlag, welcher ein Schwamm ist, zu bekämpfen. So dass die Initiative noch ohne Gegenvorschlag vors Volk kommt. Das würde die Chancen der Initiative massiv erhöhen.

Beat Mueller, Bern: Herr Minder, denken Sie nicht, dass Ihre Initiative die weitere Schwächung des Finanzplatzes Schweiz vorantreibt? Ich bitte zu bedenken, dass der Wohlstand der Schweiz zu einem enormen Anteil auf den starken Bankenplatz zurückzuführen ist.
Thomas Minder: Die Initiative attackiert in erster Linie nicht nur den Finanzplatz Schweiz. Eine gut geführte Unternehmung und ein gut geführter VR brauchen keine Angst zu haben vor ihrem Eigner (Geldgeber). Die Generalversammlung sollte eigentlich der schönste Tag im Jahr sein aus Sicht der Gesellschaft, denn sie kommen mit ihrem Geldgeber zusammen. Und man hat gesehen, wie wichtig dieser Geldgeber (Aktionär) sein kann. Dann nämlich wenn die FIrma durch Missmanagement oder ein raues wirtschaftliches Umfeld neues Kapital braucht. Die emotional geführten GVs sind ein Spiegelbild, wie eine Firma geführt ist.

Stefan Weinmann, Zürich: Ohne Ihnen etwas unterstellen zu wollen: Haben Sie jemals darüber nachgedacht, dass sie ein ganz hervorragendes Werbevehikel konstruiert haben für Ihre Trybol, sozusagen als Nebeneffekt Ihres zweifellos ernst gemeinten Anliegens?          
Thomas Minder: Ich kann Sie beruhigen, ich musste noch nicht dreischichtig arbeiten und ich musste noch nicht anbauen. Die Initiative hat eine grosse Sympathie, das stimmt. Ich würde mir wünschen, dass sich dies auch auf unsere Produkte abwälzt. Doch leider sind die Trybol-Mundpflegeprodukte nur in Drogerien und Apotheken erhältlich.

Thomas Minder: Liebe Leserinnen und Leser. Ich wünsche mir, dass die Bürger sich in ihrem Umfeld für die Abzocker-Initiative stark machen. Die Initiative zielt in die Mitte, sie limitiert die Topgehälter nicht, bringt aber die so dringend benötigte Balance zwischen dem Eigner (Aktionär) und dem Verwaltungsrat wieder in Ordnung. Ich bedanke mich für Ihre Teilnahme und wünsche Ihnen allen noch einen schönen Tag, Thomas Minder.

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