Immunitäts-Theater Macht Blocher jetzt den Berlusconi?

Italiens Ex-Premier Berlusconi kam dank Macht und Geld um manche Verurteilung herum. Macht Blocher es ihm nach?

  • Publiziert: 15.06.2012
  • Von Henry Habegger

Silvio Berlusconi (75), Ex-Ministerpräsident Italiens. Der Milliardär ist seit Jahrzehnten in Strafverfahren verwickelt. In der Schweiz zogen seine Anwälte jedes einzelne der zahllosen italienischen Rechtshilfegesuche ans Bundesgericht. Um zu verhindern, dass Staats­anwälte in den Besitz von belastenden Bankunterlagen gelangen. Auch wenn Ber­lusconi immer wieder verlor und hohe Gerichtskosten zahlen musste – ein Ziel war erreicht: Die Verfahren waren verzögert, nicht selten verjährten sie.

SVP-Milliardär Christoph Blocher (71) spielt in der Affäre um die gestohlenen Bank­daten von Ex-Nationalbankpräsident Philipp Hildebrand auf der gleichen Klaviatur.

  • Immunität Das Parlament hat entschieden, dass Blocher keine Immunität hat. Blocher droht, vor Bundesgericht zu gehen. Chancen werden ihm keine eingeräumt, weil es gegen solche Entscheide gar keine Rechtsmittel gibt.
     
  • Entsiegelung Die Zürcher Staatsanwaltschaft durchsuchte Blochers Räume und beschlagnahmte Beweismate­rial. Blocher reichte Beschwerde gegen die Hausdurchsuchung ein. Darüber und über die Entsiegelung des beschlagnahmten Materials entscheidet das Zürcher Zwangsmassnahmengericht. Diesen Entscheid kann Blocher vor Bundesgericht anfechten. Sicher ist: Blocher setzt alles daran, dass die Justiz das offenbar brisante Material nicht sichten und auswerten darf.
     
  • Verfahren aufheben Weil ein Oberstaatsanwalt (siehe unten) in den Ausstand musste, will Blocher den Antrag stellen, das Verfahren aufzuheben. Über den Antrag entscheidet die Staatsanwaltschaft, dann das Obergericht. Blocher kann auch hier bis vor Bundesgericht ziehen.

Berlusconi schusterte sich eigens Gesetze, die ihm Immunität verschafften. Blocher setzt auf die Immunitätskommission des Nationalrats unter Heinz Brand (SVP). Gestern kam sie auf Aufforderung Blochers nochmals zusammen (BLICK berichtete). Aber der Plan, dem alt Bundesrat doch noch irgendwie Immunität zu verschaffen, scheiterte mit 4 zu 5 Stimmen. Neben den drei SVP-Vertretern stand nur Christian Lüscher (FDP) hinter dem alt Bundesrat.

Aber Zeit hat Blocher gewonnen: Die Zürcher Justiz ist blockiert, solange sie nicht formell Bescheid aus Bern zur Immunitätsaufhebung hat. Wann er diesen Bescheid nach Zürich schickt, konnte Brand gestern noch nicht sagen.

Christoph Blocher und Silvio Berlusconi haben dank Macht und Geld bessere Chancen als Normalsterbliche, straflos auszugehen. Das sei auch richtig so, machte Berlus­coni 2003 bei einem Prozess klar: «Es ist richtig, dass alle vor dem ­Gesetz gleich sind, aber ich bin gleicher, weil mich die Mehrheit des Volks gewählt hat.» 

Beliebteste Kommentare

  • Markus  Christen , via Facebook
    Wo ist da die Ehrlichkeit in der Politik. Wer ein krasses Vergehen an die oberste Stelle meldet, macht sich strafbar und die Fehlbaren werden laufen gelassen! Das Umgekehrte wäre doch in einem Rechststaat normal!!
    • 15.06.2012
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  • Paul  Gerber
    Und was genau sind Bolchers Vergehen?
    1. Er hat zu Recht die Bundespräsidentin Calmy-Rey über die Devisenspekulationen des Ehepaares Hildebrand informiert.
    2. Er sass im Präsidium, als das Inserat "Kosovaren schlitzen Schweizer auf" entworfen wurde. Da ist ein "n" zu viel: Kosovare sei richtig. Das sei purer Rassismus.
    So schlimm sind seine Vergehen. Das Ziel ist nicht Recht, sondern den populären Blocher zu kriminalisieren.
    • 15.06.2012
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Alle Kommentare (28)

  • Daniel  Muenger , Zürich
    NR Ch.Blocher macht genau das, was Linke jedem Asylbewerber oder kriminellen Ausländer zugestehen, sämtliche Rechtsmittel ausschöpfen!
    • 15.06.2012
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  • nicolas  widmer
    das ist wirklich ein sehr vorteilhaftes photo von blocher, könnte es sein, dass man ein wenig voreingenommen ist beim blick? hat den blocher nicht das recht sich zu verteidigen? " wo rauch ist, ist auch feuer" mit diesem spruch ist nun einfach jedermann irgendwie schuldig
    • 15.06.2012
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  • Fritz  Fahrni , Wetzikon
    Was heisst macht - ich denke, er ist schon seit geraumer Zeit die Schweizer Ausgabe? Nur so lässt sich sein Handeln erklären: Gegen alle wettern und sich und die SVP immer schön oder raus reden!
    • 15.06.2012
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  • Kurt   Koller , Zürich
    Wer den DOK-Film von SRF gestern Abend gesehen hat, muss sich tatsächlich fragen, wo liegt das Problem..? Wäre Hildebrand nicht zurückgetreten, wäre der ganze Vorstand der Nationalbank gegangen. Also hat Herr Hildebrand spekuliert und Herr Blocher verdient einen Orden...! Hört endlich mit dem Schmierengeschäft auf....!
    • 15.06.2012
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    • Margrit  cuonz , Trimmis
      Herr Koller sagt es richtig, Hildebrand ist das Problem, nicht Herr Blocher ! Hört endlich mit dem Schmierengeschäft auf....!
      • 15.06.2012
      • als Kommentar auf Kurt   Koller , Zürich
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    • Franz  Steiger
      Wenn Blocher tatsächlich eine Straftat begangen hat, dann soll er sich dafür auch zu verantworten haben und ganz sicher nicht einen Orden bekommen. Lächerlich.
      • 15.06.2012
      • als Kommentar auf Kurt   Koller , Zürich
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  • Philipp  Hofmann , Zug
    Blocher zeigt einfach, dasss er eben gerade nicht das ist, als was er sich immer verkauft: Ein einfach Mann, ein Mann aus dem Volk, eine Person wie du und ich. Nein - er ist genau das Gegenteil. So versucht er nun, mittels Macht, Geld und Expertewissen z.B. zum Auffinden von Gesetzeslücken - was einem Normalo niemals zur Verfügung steht - das Recht zu seinen Gunsten zu verbiegen. Und so einer nennt sich Jurist. Pfui! Das ist echt gschämig!
    • 15.06.2012
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    • Peter  Rüsch
      Hier spricht der Büezerneid !!
      • 15.06.2012
      • als Kommentar auf Philipp  Hofmann , Zug
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