Lolita Morena gegen Lüscher

  • Aktualisiert am 19.01.2012
  • Von Peter Padrutt
Oder Christian Lüscher (FDP)?- Keystone

Für Lolita Morena (48) ist der Fall klar: Sie würde ihren Ex-Freund Christian Lüscher (45) nicht in den Bundesrat wählen.

BLICK: Frau Morena, warum reagiert Herr Lüscher so gereizt, wenn man ihn auf Sie anspricht?
Lolita Morena:
Ich denke, er hält sich für wichtiger als mich. Er erträgt vermutlich nicht, dass man mich in der Deutschschweiz besser kennt als ihn. Ich war ja auch neun Jahre mit Lothar Matthäus zusammen, einem der bekanntesten Ex-Fussballer Europas.

Hatten Sie nun was mit Lüscher oder nicht?
Das ist privat, dazu sage ich nichts. Aber ich möchte etwas dazu sagen, ob man ihn wählen soll. Er sagt, er sei jünger als Schwaller. Er kann auch bestimmt besser Wasserskifahren als Dominique de Buman, er liess sich ja gross auf dem Titelblatt einer welschen Zeitung ablichten. Er hat auch nicht so viele Skandale mit Frauen wie Silvio Berlusconi. Und er ist auch grösser als Sarkozy und wahrscheinlich auch als Burkhalter. Aber genügt das, um Bundesrat zu werden?

Wenn wir Sie richtig verstehen, finden Sie nein.
Er ist mir zu rechts, zu patriotisch und er mag die Tiere nicht.

Die Tiere?
Ja, ich lebe mit zwei Hunden, drei Katzen, einem Pferd, einem Pony und einem Esel in Crans-Montana. Diese Tiere bedeuten mir sehr viel. Ihm fehlt die Sensibilität, nicht nur für die Menschen, auch für die Tiere. Ich unterstütze eine Tierschutz-Initiative, in der es darum geht, dass heimatlose Tiere einen Anwalt bekommen. Er findet diese Initiative unnötig.

Und warum ist er zu rechts?
Als ich ihm sagte, dass ich Italienerin bin, erwiderte er mir: «Nein, du bist Schweizerin!» Ich habe ihm dann gesagt, nein, ich bin Italienerin. Er sagte: Nein, du bist Schweizerin, Schweizerin, Schweizerin! Ich glaube, er mag die Ausländer nicht. Ich glaube, die Schweiz braucht einen Bundesrat, der voll hinter den Ausländern steht. Und zwar hinter den Armen, nicht nur den Reichen! Im Übrigen bin ich der Meinung, dass der Bundesrat vom Volk gewählt werden sollte.

Wie würde das Volk wählen?
Ich weiss es nicht. Ich hoffe, dass Herr Burkhalter das Rennen macht.

Bundesrats-Wahl: Das grosse Durcheinander

Vier Tage vor der Wahl des Couchepin-Nachfolgers ist noch immer alles offen.

Den ganzen Sommer hatten die Parteien Zeit, ihre Favoriten für die Couchepin-Nachfolge zu bestimmen. Aber statt klarer wird die Angelegenheit immer verworrener. Die Bereitschaft von FDP-Ständerat Dick Marty zu einer wilden Kandidatur macht das Chaos noch grösser. Keine Partei hat heute eine klare Position. Ausser – für ein Mal – die CVP. Hier stehen alle ausnahmslos hinter ihrem Kandidaten Urs Schwaller. So sieht die Situation bei den anderen Parteien aus:
FDP: Parteichef Fulvio Pelli gibt Durchhalteparolen durch: «Kein Strategiewechsel!» Genau der wird aber intern diskutiert. Denn Lieblingskandidat Didier Burkhalter verliert an Boden, kommt in den Hearings nicht gut an. Kandidat Nr. 2, Christian Lüscher, holt zwar auf (gestern im BLICK), hat aber letztlich kaum eine Chance. Nicht ausgeschlossen, dass der Freisinn doch noch einen frischen Kandidaten bringt.
SVP: Die Mehrheit sagt offen: «Wir wählen Lüscher.» Aber man weiss genau, dass der letztlich gegen CVP-Mann Schwaller durchfällt. Was tun? Vier Varianten werden gehandelt:
• Einen eigenen Kandidaten bringen, allenfalls sogar erst am Morgen der Wahl;
• Vorzeitig auf Burkhalter umschwenken;
• An Lüscher festhalten mit allen Konsequenzen;
• Die FDP drängen, doch noch Fulvio Pelli ins Rennen zu schicken. Dieser Name fällt in den letzten Tagen bei SVP-Leuten erstaunlich oft.
SP: Bisher wollte die Mehrheit Urs Schwaller wählen, der Rest Burkhalter. Aber Parteichef Christian Levrat lässt jetzt durchblicken: Wechselt die FDP die Pferde und spannt den Tessiner Dick Marty ein, kann alles ganz anders werden.
Grüne: Präsident Ueli Leuenberger will den CVP-Kandidaten Schwaller unterstützen, da er ökologischer und sozialer als die FDP-Kandidaten ist. Er hat aber in der eigenen Partei keine Mehrheit. Eine zweite Fraktion setzt auf Burkhalter. Eine dritte wills mit Sprengkandidat Marty versuchen. Ein vierte schmollt, weil die Grünen nicht selbst antreten.

Simon Spengler
Morena war 1982 Miss Schweiz. Sie ist gebürtige Italienerin.

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